Eishockeycup

Der EHC Olten muss sich nicht vor dem Cupsieger Ajoie fürchten, die Lakers von 2018 waren schlimmer

Philip-Michael Devos (l.) und Jordane Hauert tragen die Cup-Trophäe ins Stadion in Pruntrut.

Philip-Michael Devos (l.) und Jordane Hauert tragen die Cup-Trophäe ins Stadion in Pruntrut.

Der Swiss-League-Klub HC Ajoie hat als Aussenseiter den Cupfinal gegen den National-League-Vertreter Davos mit 7:3 gewonnen – trotzdem wird der EHC Olten in einer allfälligen Playoffserie gegen die Jurassier nicht chancenlos sein.

Aufgeputscht vom Cupsieg stürmten die Lakers im Frühjahr 2018 in die höchste Liga zurück. Sie besiegten damals im Cupfinal Davos mit 7:2. Jetzt fertigte Ajoie den gleichen Gegner mit 7:3 ab. Haben wir also mit Ajoie den neuen Meister der Swiss League gesehen? Hat Olten in den Playoffs gegen Ajoie überhaupt eine Chance oder wartet klares Scheitern wie damals im Playoffinal von 2018 gegen die Lakers?

Auf solch bange Fragen lautet die Antwort: Olten hat eine sehr gute Chance. Denn die Lakers waren schlimmer als es Ajoie sein wird. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Ausgangslage. Die Lakers waren im Frühjahr 2018 auf der Mission Wiederaufstieg.

Diesem grossen Ziel wurde alles untergeordnet. Der Cupsieg, so überraschend und grandios er auch sein mochte, war nur eine mentale «Zwischenverpflegung» auf dem langen Marsch zurück zur Erstklassigkeit. Olten traf also im Final auf einen hochmotivierten, zu allem entschlossenen Gegner und ging in fünf Spielen unter.

Ajoie fehlt die Breite im Kader

Ajoie ist kein durchstrukturiertes, ausgeglichenes Vier-Linien-Team wie damals die Lakers. Die Hauptlast tragen die weitherum berühmten kanadischen Stürmer Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen. Sie organisieren auch das Spiel in Über- und Unterzahl und schultern, wenn nötig, mehr als 30 Minuten Eiszeit pro Partie.

Sie haben im Cup in den vier Partien gegen die NL-Vertreter Lausanne, ZSC Lions, Biel und Davos 25 Skorerpunkte zelebriert, 9 davon alleine im Final gegen den HCD. Aber da ging es jeweils um eine einzige Partie. Nicht um mehrere Spiele hintereinander gegen den gleichen Gegner wie in den Playoffs.

Die wichtigsten Positionen (Trainer, Torhüter, Ausländer) sind formidabel besetzt. Aber mit schlauer Organisation und kluger Verwaltung der Energien ist es für Olten sehr wohl möglich, eine Playoffserie gegen den neuen Cupsieger zu gewinnen.

Noch wichtiger ist ein weicher Faktor: Der Cupsieg ist für Ajoie der emotionalste Moment der Klubhistorie. Wichtiger noch als die zwei Aufstiege in die damalige NLA und der letzte Meistertitel (2016) in der zweithöchsten Liga. Ja, dieser Cupsieg dürfte für den ganzen Kanton Jura das emotionalste Ereignis seit Francois Lachat auf dem Balkon des Rathauses zu Delsberg die Unabhängigkeit ausgerufen hat.

Nur die Lakers haben den Kraftakt nach Cupsieg geschafft

Die Gefahr ist erheblich, dass nun Ajoie nach einem «Cupfinal für die Ewigkeit» nicht mehr «Nachladen» kann, also mental nicht noch einmal zu einem solchen Kraftakt fähig ist.

Interessanterweise waren bis heute nach dem Cupsieg nur die Lakers dazu in der Lage. Alle anderen Cupsieger (Bern, ZSC Lions, Kloten und Zug) blieben nach dem Cupsieg in den Playoffs auf der Strecke und wurden nicht Meister.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1