«Quo vadis, EHC Olten?» – wohin gehst Du, EHC Olten? –, fragte diese Zeitung am Tag nach dem sang- und klanglosen Playoff-Out der Powermäuse gegen Rapperswil Ende Februar. Der ambitionierte Klub war nach einer Saison voller Irrungen und Wirrungen sportlich am Boden, die Stimmung im Umfeld miserabel und die Zukunft mit unzähligen Fragezeichen behaftet. Gefordert waren tiefgreifende Massnahmen, um das schlingernde Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Und vor allem musste ein Nachfolger für den abtretenden VR-Präsidenten Benvenuto Savoldelli gefunden werden.

Die Rundumerneuerung innert vier Monaten

Vier Monate später hat sich der Klub quasi rundumerneuert. Diese alles andere als sanfte Renovation gipfelte gestern in der «Machtübernahme» des neuen VR-Präsidenten Marc Thommen zusammen mit neun weiteren Verwaltungsräten. Auch die restliche Bilanz liest sich eindrucksvoll: Die Zusammenarbeit mit dem ungeliebten und unglücklichen Sportchef Köbi Kölliker wurde beendet. Die Mannschaft wurde markant umgebaut.

Insgesamt 14 Spieler verliessen den EHCO, 13 neue wurden verpflichtet, darunter auch zwei neue Ausländer. Selbst Spieler mit laufenden Verträgen blieben von der «Frühlingsputzete» nicht verschont. Auch wenn diese vorzeitigen Vertragsauflösungen nicht gerade billig und für die Spieler selber teilweise schmerzlich waren, so waren sie ein deutliches Signal dafür, dass man im sportlichen Bereich für einen reinen Tisch sorgen und die Basis für einen sauberen Neuanfang legen will. Auch neben dem Eis passierte einiges, wurden die Strukturen professionalisiert, damit sich die Spieler im Sommer optimal auf die neue Saison vorbereiten können. Kein Vergleich zum Hickhack des Vorjahrs, als lange nicht einmal klar war, wer das Sommertraining leitet.

Diese erfrischende und nötige Frühlingsbrise – man könnte sogar fast von einem Sturm sprechen – hat letztlich auch dazu beigetragen, dass sich Marc Thommen und seine Mitstreiter nach anfänglichem Zögern ein Engagement an der Spitze des sportlichen Aushängeschilds der Region vorstellen konnten. Die Aufbruchstimmung ist spürbar, die allgemeine Gefühlslage für Oltner Verhältnisse schon fast euphorisch.

Der neuerliche Verlust als Warnschuss

Bei aller Euphorie gilt es aber einen zentralen Punkt im Auge zu behalten. An der Generalversammlung wies die EHCO AG nach zwölf Jahren mit schwarzen Zahlen zum zweiten Mal in Serie ein Defizit aus. Mit 271 000 Franken ist es so hoch ausgefallen wie schon lange nicht mehr. Auch wenn sich dieser Verlust mit dem sportlichen Niedergang der letzten Saison logisch erklären lässt, so dient er der neuen Führungscrew als Warnschuss. Marc Thommen betonte denn auch bei seiner Antrittsrede, dass man – trotz des angestrebten Aufstiegs in die NLA – keine finanziellen Risiken eingehen wird. Diese Maxime ist und bleibt für den EHC Olten von essenzieller Bedeutung.

Diese Tatsache muss vor allem auch das mitunter unruhige und ungeduldige Umfeld des Klubs begreifen. Der sportliche Erfolg ist letztlich immer gewissen Zufälligkeiten unterworfen, lässt sich ein Stück weit aber steuern, wenn alle Mitarbeiter innerhalb einer Firma – der EHCO ist mit einem Budget von gegen 6 Millionen Franken ein KMU! – seriös auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Wie schnell der Schuss diesbezüglich hinten rausgehen kann, zeigte die letzte Saison eindrücklich.

Dass Erwartungshaltung und Realität nicht mehr derart auseinanderdriften, dafür haben die Verantwortlichen in den letzten Monaten gesorgt. Mit dem neuen, zehn Mann starken VR ist die Basis für eine solide Zukunft des EHC Olten gelegt. Marc Thommen und seine Mitstreiter planen ein langfristiges Engagement und wollen auch Baustellen, wie die lange vernachlässigte Nachwuchsabteilung, auf Vordermann bringen. Der EHC Olten hat seinen Weg wieder gefunden.