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Der EHC Olten belohnt sich endlich für seinen Aufwand

Der EHC Olten zeigt gegen den Leader EHC Kloten beim 5:1-Sieg die beste Saisonleistung – und beweist sein Potenzial, wenn alles passt. Nun gilt es, den mentalen Schwung aus diesem Spiel in die zweite Hälfte der Meisterschaft mitzunehmen.

Marcel Kuchta
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Hattrick-Schütze Garry Nunn (mit gelbem Helm) jubelt nach dem Tor zum 2:0.

Hattrick-Schütze Garry Nunn (mit gelbem Helm) jubelt nach dem Tor zum 2:0.

Urs Lindt / freshfocus

Nach der Schlusssirene versammelten sich die Oltner Spieler auf dem Eis zu einer Jubeltraube und stimmten das bekannte «Garry-Nunn-Lied» an – zu Ehren ihres Hattrick-Schützen. Der Kanadier war beim 5:1-Sieg des EHCO gegen Leader Kloten mit seinen drei Treffern der Matchwinner gewesen. In diesem Moment kam in den wenigen Beobachtern auf der Tribüne – sofern sie den Oltnern zugeneigt waren – ein wenig Wehmut auf. Man fragte sich: Was wäre jetzt im Kleinholz los gewesen, wenn sich 4000 bis 5000 Zuschauer im Stadion befunden hätten?

So durften sich die Anhänger wenigstens in ihren warmen Stuben freuen. Weit über 1000 Leute hatten sich in den hervorragend selber produzierten Live-Stream des Klubs auf YouTube eingeklinkt. Und wurden Zeuge der besten Saisonleistung des EHC Olten. Nach dem torlosen, ersten Drittel musste man allerdings befürchten, dass sich die Dinge – wie zuletzt fast immer gegen die Spitzenteams – entwickeln würden: Die Oltner betrieben sehr viel Aufwand – 25 Abschlussversuche – allein der Ertrag fehlte.

Die Initiative übernommen – und belohnt worden

Doch im Gegensatz zu den ersten beiden Aufeinandertreffen in Kloten schaffte es die Mannschaft von Headcoach Fredrik Söderström, im zweiten Drittel, die Überlegenheit auch in Zählbares – sprich Tore – umzumünzen. «In den Spielen in Kloten haben wir ihnen die Möglichkeit gegeben, das Geschehen zu kontrollieren, weil wir zu viel Respekt hatten und passiv agierten. Diesmal haben wir von Anfang an die Initiative übernommen. Und diesmal belohnten wir uns dann auch mit den Toren, die uns das wichtige Momentum gaben», freute sich Söderström.

Leonardo Fuhrer mit einem schönen Ablenker und Garry Nunn mit einem etwas glücklichen Treffer, sorgten für die wichtige Zweitore-Führung unmittelbar nach Beginn des Mitteldrittels. Am Lauf der Dinge änderte auch ein Timeout von Kloten-Trainer Per Hanberg nichts. Kurze Zeit später verwandelte Jewgeni Schirjajew solo vor Kloten-Goalie Dominic Nyffeler zum 3:0. Nach Garry Nunns zweitem Treffer zum 4:0 (35.) war die Partie eigentlich entschieden. Der Müde wirkende Leader, der sieben Spiele innert 14 Tagen in den Knochen hatte, konnte den entschlossen agierenden Oltner schlicht nichts entgegensetzen.

Daran änderte auch der erste Treffer der Flughafenstädter zu Beginn des letzten Drittels nichts mehr. Die Klotener hatten zwar nach Figrens Powerplay-Tor ihre besten Momente, doch Nunns dritter Treffer – wunderbar herausgespielt in Unterzahl (!) – machte sämtliche Hoffnungen des Leaders auf einen Punktgewinn zunichte. An diesem Abend war der EHC Olten schlicht das bessere Team. Und deshalb auch der Sieg in dieser Höhe absolut verdient.

«Es war wichtig, dass die Spieler erkannt haben, zu was wir fähig sind.»

Für Fredrik Söderström hatte dieser Erfolg vor allem auch einen prägnanten, mentalen Nebeneffekt: «Es war wichtig, dass die Spieler erkannt haben, zu was wir fähig sind. Es sind zwar nur drei Punkte, aber sie haben uns gezeigt, dass wir auch gegen ein Team wie Kloten bestehen können. Wir haben einen ordentlichen Rückstand auf die Mannschaften an der Spitze. In der zweiten Saisonhälfte ist es unsere Aufgabe, diesen Rückstand kleiner werden zu lassen.»

In der Tat darf man gespannt sein, wie sich dieses Spiel auf die Leistungen des EHC Olten auswirkt. Für das Selbstvertrauen müsste es jedenfalls Gold wert sein. Garry Nunn zeigte etwa, dass er auch gegen ein Spitzenteam seine Tore schiessen kann. Philipp Rytz war in der Verteidigung das «Schlachtross», das er sein muss. Er setzte seine Körper ein, blockte Schüsse – und sendete damit wichtige Signale für seine Mitspieler aus. Und im Tor lieferte Silas Matthys nach seinem Shutout in Zug am Donnerstag erneut eine tadellose Darbietung ab.

Zwei weitere Heimspiele - und dann der nächste, harte Brocken

So bleibt die Erkenntnis: Wenn jeder Spieler in dieser Mannschaft sich auf seine Stärken konzentriert und die ihm zugeordnete Rolle spielt, dann ist der EHC Olten ein gefährlicher Gegner. In der kommenden Woche gilt es, an die Leistung gegen den Kloten anzuknüpfen. Am Dienstag und Donnerstag stehen Heimspiele gegen Visp und die Ticino Rockets auf dem Programm. Am Samstag folgt in Pruntrut gegen Ajoie der nächste, harte Brocken.

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