Motorsport
Der Däniker Rolf Enz hängt den Helm an den berühmten Nagel

Ein Aushängeschild des Nationalen Endurosports verlässt Ende Saison die Wettkampfszene um sich vermehrt seinem Unternehmen zu widmen: Rolf Enz erklärt in einem Interview seinen überraschenden Rücktritt.

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Rolf Enz

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Sie sind erfolgreich, polarisieren und vermitteln ein starkes Image. Heute geben Sie Ihren Rücktritt bekannt?

Rolf Enz: Nach intensiven 4 Jahren seit meines Comebacks ist die Zeit für mich gekommen, meine Sportkarriere zu beenden. Ich habe mich dieser Herausforderung nochmals gestellt. Mit zahlreichen Siegen, Podestplätzen, einem Schweizermeistertitel und zwei dritten Rängen an der SM bin ich rundum zufrieden und habe mehr als mein Ziel erreicht. Ich bin sehr dankbar für das Erlebte, das ich ohne mein Umfeld und meinen Sponsoren nicht bewältigen hätte können.

Rolf Enz in Aktion
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Rolf Enz in Aktion
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Rolf Enz

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Wie ist dieser Entscheid gereift?

Für mich ist dieser Entscheid nicht ganz einfach und es war ein emotioneller Moment. Seit längerem beschäftige ich mich mit der Frage des Aufhörens und dem Übergang in eine neue Lebensphase. Verschiedene Verletzungen haben mich dann schlussendlich dazu bewogen einen Strich zu ziehen, auch wenn ich mich durchaus noch in der Lage fühle, auf gleichem Niveau weiter zu fahren. Der Zeitpunkt für diesen Entscheid ist der Richtige für mich.

Da hört man ein wenig Wehmut heraus?

Für Aussenstehende mag es sich so anhören. Ich empfinde es aber als ein zufriedenes Gefühl aufhören zu dürfen wenn man immer noch in der Lage ist Spitzenresultate einzufahren (Enz belegte am letzten SM Lauf den 2. Platz und liegt zur Zeit in der SM-Jahresrangliste an vierter Stelle in Podest Reichweite, Anm. d. Red.).

Sie haben ein grosses Portefeuille an Sponsoren, wie haben diese das aufgefasst?

Mit meinen grössten Sponsoren habe ich bereits ein Gespräch geführt und teils rührende Feedbacks erhalten. Verschiedene meiner langjährigen Gönner werden mich auch «danach» unterstützen. Es ist ja nicht so, dass ich komplett aufhöre mit dem Motorradfahren. Ich werde nach wie vor an einzelnen Events am Start stehen, mich aber nicht mehr auf die gesamte Schweizermeisterschaft vorbereiten. Ich werde für verschiedene Brands als Markenbotschafter tätig sein, was mich mit Stolz erfüllt. Mit meinen Gönnern verbinden mich teils jahrzehntelange sehr enge Kontakte, sie stehen allesamt hinter meinem Entscheid und gönnen mir meine künftigen Aktivitäten, die sie auch weiterhin unterstützen werden.

Ein unübliches Vorgehen oder sehen wir das falsch?

Ich glaube, dass es den meisten Sportlern vergönnt ist, die sich während ihrer aktiven Karriere professionell um ihre Sponsoren gekümmert haben, diese Erfahrung zu machen. Obwohl ich während meiner aktiven Zeit nie von einem meiner Sponsoren unter Druck gesetzt wurde, habe ich mir natürlich immer selber Druck aufgebaut, um eine bestimmte Zielsetzung zu erreichen. Meine künftigen Aktivitäten sind fortan völlig losgelöst davon. Ich werde aber nach wie vor ein professionelles Image für meine Sponsoren präsentieren, denen ich sehr dankbar für alles bin.

Der schönste Moment Ihrer Laufbahn?

Ganz klar der Moment am «Enduro du Jura 2013» als ich mit meinem Bruder Urs auf die Resultatenliste geschaut habe und bereits ein Rennen vor Schluss den Titel einfahren konnte. Der Ganze Tag war so richtig im «Flow». Ich wusste, dass ich das Tagesrennen nicht gewinnen musste um den Titel zu holen und konnte mich der Situation total stellen. Ich fühlte mich so gut wie selten in meinem Leben, auf Französisch würde ich sagen «en apesanteur» (Enz ist Bilingue aufgewachsen, Anm. d. Red.). Der Titelgewinn hat mich dann von vielen harten Momenten erlöst.

Der schlimmste Moment Ihrer Laufbahn?

Da gab es ein paar davon. Am schlimmsten war wohl ein doppelter Halswirbelbruch mit Lähmung beider Arme, die zum Glück nach vier Monaten wegging. Aber auch mein Sturz inmitten der argentinischen Wüste anlässlich der 6 Days im letzten November war nicht ohne. Da lag ich mit gebrochener Schulter, Rippen und Ellenbogen am Boden und wusste nicht, wie ich da wieder rauskommen sollte. In diesem Zustand bin ich dann noch 7Km durch die felsige Wüste gefahren. Solche Schmerzen wünsche ich niemandem. Aber ich habe es überlebt (weitere über 20 Knochenbrüche kamen in der Laufbahn dazu, Anm. d. Red.). Solche Erlebnisse prägen einem für’s ganze Leben und schmieden einen starken Charakter. Aufgeben ist keine Alternative, Punkt.

Wie geht es weiter?

Zuerst einmal stehen noch die beiden letzten SM-Läufe in Sâone (F) und Chaumont (F) an, wo ich noch ein Wörtchen mitreden will. Ich komme in dieser Saison nach der 6Days Verletzung und einem erneuten Rippenbruch im März erst sehr spät in Form, fühle mich aber nun wirklich gut. Das Podest wird in diesem Jahr wohl nicht mehr zu schaffen sein, ich konzentriere mich darauf, die einzelnen Meisterschaftsrennen zu geniessen und meine optimale Leistung abzurufen. Ich bin gespannt darauf, wie ich am Start des letzten Rennens in Chaumont (F) reagieren werde, da wird wohl das eine und andere Tränchen runter laufen (lacht). Danach werde ich mich vermehrt um meine Firma kümmern, die über die Jahre auch eng mit dem Motorsport verwachsen ist. Wir rekrutieren unter Anderem viele Rennfahrer und bieten ihnen neue berufliche Perspektiven (Anm.: Rolf Enz ist Inhaber der Jobmanagement GmbH). Was im kommenden Jahr kommen wird habe ich noch nicht definitiv entschieden. Dies werde ich mit meiner Trainerin eingehend besprechen. Das eine und andere SM-Rennen als Tageslizenzierter- und vielleicht einen Grossanlass, auch International ist geplant. Sicher ist, dass ich weiterhin als Testfahrer für ein Italienischer Fahrwerkspezialist im Einsatz stehe, der mich ebenfalls seit meinem Einstieg in die Endurowelt unterstützt, fit werde ich auf jeden Fall bleiben (lacht)!

Also weiterhin eine konsequente Zukunftsplanung?

Ich bin so. Ich kann mir schwer vorstellen, einfach in den Tag hinein zu leben. Ich brauche eine Herausforderung, sei sie sportlicher- oder beruflicher Natur. Dies ist wichtig für meinen mentalen Ausgleich. Dies soll nun aber in Zukunft einfach «softer» ausfallen, so dass sich auch mein nahes Umfeld, das mich über all die Jahre unterstützt hat, profitieren wird. Ich freue mich darauf, das ist was Wesentliche. Verschiedene Anfragen in Sachen Sportmarketing liegen auf dem Tisch, wie auch Coaching von jungen Nachwuchstalenten. Ich werde mir dies alles in Ruhe anschauen und entscheiden.

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