«Unter dem Hallendach verewigt werden – 16 Siege brauchts.» Mit diesen motivierenden Worten machten die EHCO-Fans den Spielern vor der Partie mittels Spruchband Beine, dazu eine playoffwürdige Choreo. Es war angerichtet für ein grossartiges Fest, 4837 Zuschauer im Kleinholz – Gänsehautstimmung!

Und dann das: Der EHCO fällt nach 20 furiosen Startminuten in das altbekannte Muster der Qualifikation: Nach dem ersten Gegentreffer zerbricht die EHCO-Truppe in Einzelteile.

Mit dem Versuch von übermässig vielen Einzelaktionen begehen die Oltner auch plötzlich jene Fehler im Übermass, die knallhart bestraft werden: Schlechte Zuordnung in der Defensive, erschreckend viele Puckverluste, haarsträubende Fehler im Spielaufbau. Der HC Thurgau nutzt diese EHCO-Schwächen resolut aus und reist mit einem verdienten 4:2-Auswärtssieg nach Hause.

  

  

Wenig Ertrag für grossen Aufwand

Dabei machte der EHC Olten zu Beginn nicht nur einen hellwachen Eindruck. Nein, die Oltner – getragen von den Fans – überfuhren die Gäste regelrecht im Startdrittel. Mit der Zermürbungstaktik der physisch stärkeren Oltner wurden die Thurgauer fehleranfälliger. Doch es war vorauszuahnen, dass die Oltner dieses Tempo nicht über 60 Minuten würden halten können.

Für den immensen Aufwand, den die Oltner im Startdrittel betrieben hatten, erwies sich der Ertrag letztlich als zu wenig. Erst vier Minuten vor Ende des ersten Drittels, als eine Strafe angezeigt wurde, durften die Oltner jubeln: Jewgeni Schirjajew grub die Scheibe aus, setzte Luca Zanatta an der blauen Linie ein, welcher den öffnenden Querpass zu Joel Fröhlicher spielte. Der EHCO-Oldie konnte mit einem satten Weitschuss Thurgau-Goalie Janick Schwendener bezwingen – 1:0, Playoffstimmung!

Doch was Olten kann, können auch die Thurgauer: Nur zwei Minuten nach der verdienten Oltner Führung erwischte der freistehende Toms Andersons den soliden
EHCO-Torhüter Simon Rytz.

Es sollte sich als jenes Gegentor herausstellen, das den EHCO total verunsichern liess. Während sich Thurgau allmählich auf Betriebstemperatur spielte, baute der EHCO kontinuierlich ab. Zwar konnten sich die Powermäuse im Mitteldrittel hin und wieder in der Offensive blicken lassen, doch mehr als Randnotizen vermochten die harmlosen EHCO-Abschlüsse nicht sein.

Konsequent, gradlinig und vor allem eines: Effizient spielten die Thurgauer fortan auf. Erst ging in der Oltner Defensive Lars Neher vor dem Tor vergessen (25.).

Dann zeigte Jaedon Descheneau in Perfektion auf, warum er HCT-Topskorer ist: Mit einem exzellenten Handgelenkschuss hatte er den Puck unhaltbar im Torhimmel untergebracht.

Dieser 3:1-Treffer war Oltens Genickbruch. Statt eines Aufbäumens wollte der wie gelähmt agierenden Powermaus nichts mehr gelingen. Im Gegenteil: Einmal mehr stimmte die Zuordnung in der Verteidigung nicht, was auch noch Eric Arnold zur definitiven Entscheidung ausnutzte (51.).

Das 2:4-Tor von Jay McClement, der keinen guten Tag einzog, war 42 Sekunden vor Ende nicht mehr als Makulatur.

Der EHC Olten steht nach der Niederlage im ungemein wichtigen ersten Playoffspiel bereits unter Zugzwang. Trainer Chris Bartolone will kühlen Kopf bewahren: «Wir haben mehr Fehler gemacht und wurden hart dafür bestraft. Aber wir haben eine engagierte Mannschaft gesehen. Die Spieler haben gemerkt: Bleibt man dem System treu, ist man auf der Siegerstrasse. Wir müssen das Positive mitnehmen und den Kopf hochhalten.»

Verloren sei noch lange nichts. «Wenn man nach einer Niederlage im ersten Spiel meint, man habe die Serie schon verloren, zeugt das von mentaler Schwäche. Wir sind nicht so. Wir sind Dritter und haben Selbstvertrauen.» Es ist gewiss ein steiniger Weg unters Hallendach.