Als Sechsjähriger wurde klein Joel von seinem Freund Manuel zu den Gekkos mitgenommen. «Ich wusste gar nicht, was Inlinehockey ist und am Anfang musste ich lernen, wie man umfällt, ohne dass es wehtut», blickt der heute 17-jährige Gartenbaulehrling zurück. Damals musste er gleich mit den 13-, 14- und 15-jährigen trainieren, weil es bei den Gerlafinger Gekkos nur so wenige Junioren gab. Elf Jahre sind seither vergangen. Die Spielgemeinschaft zusammen mit Oensingen stellte einen Zwischenschritt dar, bis Erich Schnyder und Markus Schwarzenbach, die Väter der beiden Freunde Joel und Manuel, für die Gekkos wieder eine eigene Juniorenbewegung aufbauten.

Wenn er weiter so wie bisher wächst, dann wird aus Joel Schnyder bald ein zwei Meter grosser Inlinehockey-Torhüter. «Es ist sicher kein Nachteil, dass ich eine gewisse Fläche des Tors abdecke», meint er selber zu seiner Körpergrösse. «Wichtiger sind aber die Beweglichkeit und die schnelle Reaktion. Dann muss man noch das Spiel lesen können, damit man vorausahnt, wann der Gegner schiessen wird.»

Aufgebot kam als Überraschung

Bis eine Woche vor dem Europameisterschafts-Turnier im Tessin wusste Joel Schnyder nicht, dass er mitmachen darf. Am letzten Zusammenzug vor der U19-EM waren noch fünf Goalies dabei. «Es lief mir gar nicht gut und ich war von mir selber enttäuscht. Umso mehr überraschte es mich, dass ich trotzdem nominiert wurde.»

Doch nur dabei sein, damit wäre Joel Schnyder nicht zufrieden gewesen. Er wollte spielen und kam tatsächlich im zweiten Match der Schweiz erstmals zum Einsatz. «Gegen den grossen Favoriten Deutschland haben wir normalerweise keine Chance. Aber diesmal lief es ausgezeichnet. Wir spielten wie in einem Rausch. In den letzten zwanzig Minuten kassierte ich kein einziges Tor, obwohl wir sogar noch eine Fünfminutenstrafe kassierten.»

Gekkos sind stolz

Mit dem überraschenden Sieg und dieser aussergewöhnlichen Leistung gegen den späteren Europameister verdiente sich Joel Schnyder die Auszeichnung als bester Goalie des Turniers. Bei den Gerlafinger Gekkos ist man stolz auf den Erfolg des Juniors. «Er hat sich durch alle Camps der Nationalmannschaft durchgekämpft und wurde eigentlich als die Schweizer Nummer drei an die EM mitgenommen», sagt Trainer Philippe Jäggi. «Aber für mich war immer klar: Gehts um die Motivation, um die Einstellung, kommt keiner an Joel vorbei. Aber die Wahl ins Allstarteam – da fehlen einem fast die Worte. Er hatte eine Chance, er hat sie genutzt. Der ganze Klub ist sehr stolz auf Joel. Einen Gekko im Nati-Trikot hatte es bisher noch nie gegeben.»

Aber was zeichnet eigentlich einen guten Torhüter im Inlinehockey aus? «Auch wenn es von aussen gar nicht so aussieht, muss man auch gut mit den Skates fahren können», erklärt Philippe Jäggi. «Wir spielen auf Handball-Feldgrösse und die Winkel sind für die Goalies anders als beim Eishockey. Die grosse Schwierigkeit ist es, sich auf den Skates vor allem seitlich gut zu bewegen.» Zudem sei die körperliche Verfassung wichtig: «Man hat weniger Verschnaufpausen, weil auf dem kleineren Feld viel mehr geschossen wird. Im Sommer leiden die Goalies zudem alleine schon wegen der Ausrüstung extrem unter der Hitze.»

Mit den Gekkos in die NLA

Derzeit spielt Joel Schnyder dank einer Doppellizenz bei den Junioren der Inline Skaters Biel. Sein Ziel ist es, möglichst schnell in der ersten Mannschaft der Gerlafinger Gekkos zum Einsatz zu kommen. Einen Transfer zu einem anderen Verein kann er sich nicht vorstellen: «Natürlich will ich einmal ganz oben spielen. Deshalb ist es auch mein Ziel, mit den Gekkos in die NLA aufzusteigen.»