Fussball

Der Besuch von Inler mit Napoli endete auch für Freunde enttäuschend

Null Einsatzminuten seit fast einem Monat bei der SSC Napoli: Unter Trainer Rafael Benitez scheint Gökhan Inler keine Zukunft mehr zu haben.

Null Einsatzminuten seit fast einem Monat bei der SSC Napoli: Unter Trainer Rafael Benitez scheint Gökhan Inler keine Zukunft mehr zu haben.

Spielt er, oder spielt er nicht? Bis kurz vor dem Match beschäftigte diese Frage viele der 24 024 Zuschauer, die ins Berner Stade de Suisse gekommen waren, denn sie wollten Gökhan Inler in Aktion sehen.

Einer dieser, besonders an Inler interessierten, Zuschauer ist Michele Foglia, der den heute 30-jährigen Oltner einst während zwei Jahren als Trainer der Solothurner U15 unter seinen Fittichen hatte. Gökhan Inler spielt, entgegen allen Spekulationen. Auf acht Positionen hatte Trainer Rafael Benitez die Startaufstellung umgebaut, nur Goalie Cabral, Verteidiger Albiol und eben Inler blieben vom letzten Meisterschaftsspiel in der Serie A übrig.

Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft kontrolliert wie gewohnt die Defensive und sticht von hinten in die Zweikämpfe, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet. Er verteilt fleissig die Bälle. Nur macht die vorderste Reihe nichts aus den Zuspielen. So wird für den Schweizer Nationalspieler dieser schöne Herbstabend, so nahe an seinen Solothurner Wurzeln, zu einer Enttäuschung. «Spielerisch war unsere Leistung in Ordnung, aber YB machte aus einer Chance ein Tor», sagt die Nummer 88 noch auf dem Kunstrasen. «Danach hat sich YB zurückgezogen und ist hinten ausgezeichnet gestanden.»

Zweifel an seinem Können

Gökhan Inler war wohl der einzige Napolitaner, der YB nicht unterschätzt hatte. «Er war immer seriös und hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet», sagt Foglia über seinen einstigen Junior. «Er hat sein Talent nicht geschenkt bekommen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich damals nicht das Gefühl, dass er es so weit bringen würde. Er war körperlich in der U15 eher bei den schwächeren.» Auch als Persönlichkeit sei Inler eher ein Spätzünder gewesen. «Aber was ihn immer auszeichnete, war sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit», analysiert Michele Foglia, der heute die Talentförderung des Teams Wasseramt Mitte betreut.

Foglias Familie stammt aus der Gegend von Neapel und vor zwei Jahren habe er – als bekennender Napoli-Fan – Gökhan Inler besucht. «Er wohnt ganz in der Nähe des Trainingszentrums, weit weg von den Partys der Stadt. Er weiss, dass seine Zeit als Fussballer begrenzt ist und gibt jeden Tag sein Bestes. Wenn er nach zehn guten Pässen einen schlechten gespielt hat, dann ist er nicht zufrieden, dann analysiert er den Fehler und arbeitet daran.» Nach dem Schlusspfiff begibt sich Michele Foglia hinunter zur Abschrankung, möglichst nahe ans Spielfeld.

«Hoffentlich sieht er mich, ich würde gerne ein wenig mit ihm sprechen», sagt Foglia. Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Inler verschwindet im Tunnel Richtung Mixed Zone, wo nur noch akkreditierte Journalisten zugelassen sind. Auch die bekommen nicht viel Substanz geliefert. «YB hat das geschickt gemacht und uns fast keine Chancen zugestanden», sagt Inler. Haben die Mitspieler den Gegner unterschätzt? «Jeder auf dem Platz hat sein Bestes gegeben», liefert er - wie immer bei kritischen Themen – einen der gespeicherten Standards, die alles offen lassen. Aber Inlers Gesicht spricht Bände. Sein Blick weicht aus.

Auf und wieder davon

Man sieht ihm an, dass die momentane Situation an ihm nagt. Auch er, einer der Publikumslieblinge, wird in Neapel derzeit von den Medien wegen den mittelmässigen Resultaten kritisiert. Konnte er wenigstens die Gelegenheit nutzen und sich mit Familie und Freunden in Olten treffen? «Ich muss jetzt leider gehen, der Bus wartet», beantwortet Inler die persönliche Frage mit einer Art Nein – und eilt davon. Die Mannschaft folgt der Order des Trainers, um 21.20 Uhr, keine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff, im Mannschaftsbus zu sitzen. Geduscht oder nicht...

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