Rein von der Phonetik der Schlachtrufe her betrachtet, hätte in der altehrwürdigen Turnhalle Kirchacker «Schöni, Schöni» gegen «Ginggu, Ginggu» klar gewinnen müssen. Doch auch beim Volleyball geben bekanntlich andere Dinge den Ausschlag. Dinge wie der Heimvorteil, die Konzentration und der Siegeswille waren im Solothurner Derby zwischen Gerlafingen und Schönenwerd entscheidend.

Im ersten Satz war es der Heimvorteil, der den Ausschlag gab. Die Gäste aus Schönenwerd liessen die Bälle immer wieder zu hoch fliegen, sodass diese an die im Kirchacker tief liegende Decke prallten. Der VBC Gerlafingen zog rasch auf 8:3 davon und gewann den Startsatz am Ende mit 25:18.

Der zweite Durchgang verlief sehr ausgeglichen. Die Schönenwerderinnen übernahmen beim Stand von 11:10 erstmals die Führung und gewannen den Satz knapp 25:22. Im dritten Satz entschied die Konzentration: Schönenwerd hatte einen Durchhänger zu verzeichnen und die vielen individuellen Fehler nützte Gerlafingen schonungslos zum 25:15-Satzgewinn aus. Im vierten Satz war es gerade umgekehrt, diesen gaben die Gerlafingerinnen fast kampflos ebenfalls mit 15:25 ab.

Ein schmerzhafter Abgang

Im entscheidenden Tiebreak war es dann schliesslich der grössere Siegeswille, mit dem die Gerlafingerinnen das immer spannendere und hart umstrittene Solothurner Derby nach 102 effektiven Spielminuten mit 15:10 auf ihre Seite zwangen. Am meisten freute sich in den Reihen der Gerlafingerinnen Shelby Sullivan über den Sieg, die nun in die USA heimkehren wird. Ihre Stärke am Netz, sowohl beim Smash als auch beim Block, wird den Gerlafingerinnen definitiv fehlen.

Beim Aufsteiger Schönenwerd ärgerte man sich zwar über die Niederlage, es war die zweite Derby-Pleite nach dem 1:3 in der heimischen Betoncoupe Arena am 11. November. Doch mit dem bisherigen Verlauf der Meisterschaft können die Aufsteigerinnen insgesamt trotzdem zufrieden sein.

«In den brenzligen Situationen haben wir uns heute nicht an das gehalten, was wir vor dem Spiel abgemacht hatten», analysierte Schönenwerds Captain Nadine Jenny die Niederlage. «Aber insgesamt haben wir als Aufsteiger unsere eigenen Erwartungen übertroffen und unser Ziel bleibt der Ligaerhalt.»

«Noch alles offen»

Mit dem 3:2-Sieg ist der VBC Gerlafingen als Vierter mit 15 Punkten in der Tabelle der Westgruppe näher zu Volley Schönenwerd aufgerückt, das mit 17 Punkten auf dem dritten Zwischenrang klassiert ist. Doch die Rangliste trügt. Beide Solothurner Teams zittern noch um die Teilnahme an den Playoffs.

«Es wird sehr eng für uns, aber wir werden versuchen, die Chance zu packen», meinte Gerlafingens Trainer Christian Ruff. Er hofft, dass sich nun die zweite Zuspielerin Sarah Häfliger möglichst schnell von ihrer Verletzung erholen kann, damit den Gerlafingerinnen wieder mehr Varianten zur Verfügung stehen in den kommenden, wegweisenden Spielen. Gegen Münchenbuchsee und Visp müssen Siege her, weil die direkten Kontrahenten noch mehr Spiele offen haben.

Die Frauen von Volley Schönenwerd auf der anderen Seite treten noch gegen die beiden direkten Verfolger Val-de-Travers und Neuenburg UC an und könnten bei allfälligen Niederlagen ebenfalls noch in die Abstiegsrunde verwiesen werden. Auch Nadine Jenny weiss: «Wir müssen uns noch einmal zusammenreissen und Gas geben, denn die Nationalliga B ist in dieser Saison sehr ausgeglichen und es ist noch alles offen.»