Fanclub National
Der älteste Fanclub des EHC Olten kämpft ums Überleben

Als Hommage an die besten Fans der Nationalliga B nahmen wir den ältesten und den kuriosesten EHCO-Fanclub unter die Lupe.

Raphael Wermelinger
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Mit Gründungsjahr 1973 ist er der mit Abstand älteste von allen EHCO-Fanclubs.

Mit Gründungsjahr 1973 ist er der mit Abstand älteste von allen EHCO-Fanclubs.

Auf der offiziellen Homepage des EHC Olten sind vier Fanclubs aufgelistet. Der Fanclub IA04, dessen Homepage allerdings nicht mehr aktiv ist, und auch auf der Facebook-Seite stammt der neuste Eintrag vom November 2014. Es ist ein Hinweis auf eine Pokerveranstaltung.

Erst vor fünf Jahren wurde der heute populärste und im Kleinholz präsenteste Fanclub Curva Sud gegründet. Dieser sorgt mit seinem Capo nicht nur in der Südkurve im Kleinholz für Stimmung, sondern gibt auch bei den Auswärtsspielen im Gästesektor jeweils den Ton an.

Alle Auf und Abs des EHC Olten, die glorreichen Zeiten wie auch die Krisenjahre, hat der Fanclub National miterlebt. Mit Gründungsjahr 1973 ist er der mit Abstand älteste von allen EHCO-Fanclubs. Seinen Namen erhielt er aufgrund seines Gründungsorts, dem Restaurant National in Olten. Heinz Kissling war lange Jahre Präsident dieser EHCO-Fangruppierung.

Mitgliederschwund

Der Fanclub National hat die Talfahrt Ende der 90er-Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends weniger gut überstanden als der EHCO selbst. «Wir kämpften in den letzten Jahren mit Mitgliederschwund», sagt Renato Ries, der seit acht Jahren beim Fanclub National dabei und seit drei Jahren Präsident ist. Präsident werde man nicht, weil man der frenetischste EHCO-Anhänger von allen Mitgliedern sei, sondern weil er einer der wenigen war, die den Job überhaupt machen wollten. Insgesamt 45 Mitglieder gehören dem Fanclub National aktuell an.

«Wir haben etwa fünf, sechs Anlässe pro Jahr», so Renato Ries. «Wir treffen uns natürlich vor allem, um über Eishockey zu diskutieren.» Da sind dann auch immer wieder ein paar EHCO-Cracks mit dabei. Wie im vergangenen Monat beim Grillplausch in der Waldhütte in Fulenbach. Vor allem Philipp Wüst ist ein gern gesehener Gast, da der Fanclub National Trikot-Götti von der Oltner Nummer 32 ist.

Ein fixer Anlass im Terminkalender ist auch das alljährlich im Frühling stattfindende Mixed-Eishockey-Turnier, organisiert vom Schweizerischen Eishockey-Fanclub-Verband. «Es ist quasi die Schweizer Meisterschaft der Fanclubs», erklärt Ries. «Knapp die Hälfte der benötigten Spieler können wir jeweils aus unseren eigenen Reihen rekrutieren», so Ries. Der Rest stamme, mangels im Saft stehender Mitglieder, aus externen Kreisen.

«Im Winter sehen wir uns in erster Linie in der Eishalle und in der Fanbeiz vor dem Stadion», schildert Ries und fügt etwas wehmütig klingend an: «Sichtbar ist der Fanclub National nicht mehr im Kleinholz. Früher hatten wir noch eine Fahne.» Der Oensinger bewundert die Choreografien in der Südkurve und schätzt das grosse Engagement der anderen Fanclubs. «Die jungen Fans schliessen sich natürlich eher dem Fanclub Curva Sud an als unserem Verein, das ist klar.» Deshalb kämpft der älteste der EHCO-Fanclubs immer mehr ums Überleben. Der Durchschnitt der momentanen Mitglieder sei rund 40 Jahre alt und männlich. «Willkommen ist bei uns aber jeder», wirbt Fries.

Dummschwätzer über Strafbank

Eher unkonventionell ist der Fanclub 800% Strofbank. Auf der eigenen Homepage wird die Gründungsgeschichte wie folgt wiedergegeben: «Was am 30. April 2004 so gegen 19.30 Uhr mit einem Geburtstagsapéro begonnen hatte, endete ein paar Stunden später mit der Gründung eines neuen EHCO-Fanclubs.»

Bis der passende Name gefunden war, brauchte es dann mehrere Anläufe, wobei das Endprodukt eigentlich nahelag: «Wir sind acht Personen, die alle zu 100 Prozent hinter dem EHC Olten und unserem Club stehen. Und acht Mal 100 Prozent ergibt 800 Prozent.» Der zweite Teil des Namens kommt vom Lieblingsplatz der Fanclub-Mitglieder. Sie stehen im Kleinholz immer oberhalb der Strafbank.

Die Mitglieder opfern einen grossen Teil ihrer Freizeit, um beim EHC Olten zu helfen. Sei es beim Organisieren von Events oder auch als Fandelegierte des Klubs. Doch es drehe sich nicht alles um den Lieblingssport. Das gemütliche Zusammensein wird ebenfalls grossgeschrieben, oder wie es der Fanclub auf der Homepage selbst formuliert: «Es goht ned nor om Iishockey, sondern ou om s’ domm schnorre.» Bei acht Mitgliedern ist es nicht geblieben, der jetzt von Oliver Saner präsidierte Fanclub hat mittlerweile mehr als ein Dutzend Mitglieder.

Kein Fanclub im eigentlichen Sinne, aber ebenso wichtig ist «olten1934». Die Dachorganisation für alle aktiven EHCO-Fans setzt sich für den Erhalt einer farbigen und lebendigen Fankultur ein. Im Zentrum der Aktivitäten stehen die Organisation, Koordination und Durchführung von Choreografien an den Heim- und Auswärtsspielen. Zudem versteht sich «olten1934» als Botschafter zwischen den verschiedenen Fanlagern des EHC Olten und steht in ständigem Austausch mit der Vereinsführung.

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