Als um Mitternacht die ersten Klänge von Nuri Seferis Einzugsmusik ertönten, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Rund 2000 albanische Boxfans verwandelten die Oltner Stadthalle in einen Hexenkessel. Abwechselnd dröhnten «Shqiperia»- und «Nuri»-Sprechchöre durch die Halle. «The Albanian Tyson», dies der Ringname des 39-Jährigen, der in Burgdorf wohnt, wurde von seinen Anhängern wie ein Volksheld empfangen. Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten im Hauptkampf der 4. Fight Night. Für den serbischen Herausforderer Dusan Krstin wurde der Einmarsch zum Spiessrutenlauf durch ein Meer aus roten mit Doppeladler bestückten Fahnen.

Fight Night Olten 2016: Nuri Seferi gegen Dusan Krstin

Fight Night Olten 2016: Nuri Seferi gegen Dusan Krstin

Anders als sein Landsmann Arnold Gjergjaj, der gleichzeitig in der O2-Arena in London gegen David Haye eine vernichtende Niederlage einstecken musste, enttäuschte Nuri Seferi seine Anhänger nicht. Er polierte seine sowieso schon beeidruckende Bilanz – 37 Siege in 43 Kämpfen, davon 21 durch K. o. – weiter auf. Seferis erst 21-jähriger Gegner konnte den Kampf nur in den ersten drei von acht Runden ausgeglichen gestalten. Danach hatte Krstin den Schlag-Salven von Nuri Seferi nichts mehr entgegenzusetzen. Schliesslich schickte Seferi den Serben in der sechsten Runde unter tosendem Beifall auf die Bretter.

Die Sicherheitskräfte bekundeten grosse Mühe, die Fans am Stürmen des Rings zu hindern. Nur dank der Autorität der Brüder Frizur und Besart Abduli artete die Situation nicht aus. Die beiden Trainer und Chefs des Oltner Brothers-Gym, des Veranstalters der Fight Night, konnten die ekstatischen Fans wieder zur Räson bringen. Danach konnte Nuri Seferi seinen Triumph dann doch noch im geordneten Rahmen gemeinsam mit seinen Fans zelebrieren. Der Cruisergewicht-Boxkampf war ganz klar der Höhepunkt des über sechsstündigen Kampfsport-Spektakels.

Oltner ist neuer Weltmeister

Über ein Dutzend Kämpfe, vorwiegend im Kickboxen, hatten das Publikum in der fast ausverkauften Stadthalle bereits davor begeistert. Ein Leckerbissen war der Generationenkampf zwischen dem 20-jährigen Oltner Jihed Hamami und dem 16 Jahre älteren Almedin Hasanagic aus Bosnien-Herzegowina. Hamami darf sich bereits mehrfacher Schweizer und Europameister nennen und errang nun seinen ersten Weltmeister-Gürtel. Nachdem er seinen Gegner bereits in der zweiten Runde ausgeknockt hatte, liess sich Hamami von seiner Familie und seinen Freunden feiern. «The Golden Boy» steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere.

Das gilt auch für Ueli Birchler. Der 17-jährige Wynauer hatte Anfang Jahr dem 39-jährigen Deutschen Reinhard Haller den EM-Titel abgeknöpft. Am Samstag verteidigte er den Gürtel eindrücklich. Haller wusste bei seiner Revanche nicht, wie ihm geschah. Ab dem ersten Gong deckte Birchler seinen Gegner mit blitzschnellen Links-rechts-Kombinationen ein und streute immer wieder Kicks zum Gesicht. Nach knapp zwei Minuten löschte Birchler die Lichter beim Deutschen.

«Das ist der schönste Tag in meinem Kampfsport-Leben», meinte Mitorganisator Frizur Abduli nach der Fight Night. Abduli freute sich, weil die Stadthalle randvoll war, weil Nuri Seferi den Hauptkampf des Abends gewann und vor allem, weil keiner seiner Schützlinge des Brothers-Gym einen Kampf verloren hatte. Und Abduli versprach: «2017 geht es mit der 5. Fight-Night in Olten weiter.»