EHC Olten
Der Abgang von Fabian Ganz schmerzt

Mit Fabian Ganz lässt der EHC Olten einen seiner wichtigsten Spieler überhaupt zum direkten Konkurrenten La Chaux-de-Fonds ziehen. Ganz wäre gern beim EHCO geblieben, die Dreitannenstädter verpassten es allerdings, ihm schon vor den Playoffs einen passenden Vertrag zu unterbreiten.

Michael Forster
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Fabian Ganz (2.v.r.) wird seine Power und Torgefährlichkeit in Zukunft im Neuenburger Jura zum Ausdruck bringen.

Fabian Ganz (2.v.r.) wird seine Power und Torgefährlichkeit in Zukunft im Neuenburger Jura zum Ausdruck bringen.

Hansruedi Aeschbacher

Was wäre das für ein Zeichen gewesen, so kurz vor Beginn der Playoffs: die Vertragsverlängerung mit Fabian Ganz. Die Personalie des mit Abstand punktebesten Verteidigers der NLB hätte eigentlich ganz zuoberst auf der Traktandenliste des EHC Olten stehen müssen. Schliesslich hatte Ganz dem Verein unmissverständlich klar gemacht, dass er noch vor den Playoffs Klarheit über seine sportliche Zukunft wollte. Doch anstatt eines Angebots, welches auch nur einigermassen mit jenen der Konkurrenz aus der ganzen NLB hätte mithalten können, vertröstete man den Spieler – per E-Mail – auf die Zeit nach den Playoffs. Seit letzten Donnerstag nun steht fest: Die Verhandlungen im Frühling kann sich der EHCO sparen.

Mit Fabian Ganz verlieren die Oltner satte 46 Punkte aus 45 Qualifikationsspielen – und damit einen jener so begehrten, weil raren Offensivverteidiger der Liga. Einer mit einem ruhigen Gemüt, der aber auch das Wort an die Mannschaft richten kann, wenn es nötig ist. Einer, der seine Leaderfunktion in erster Linie auf dem Eis demonstrierte. Zum Beispiel im Powerplay: «Es macht ganz einfach Spass, ihm dabei zuzuschauen», schwärmt Trainer Heikki Leime über seinen wichtigsten Verteidiger, «er hat zudem einen exzellenten Schuss und verfügt über sehr viel Selbstvertrauen. Ein ganz angenehmer Kerl.»

Defizite auf der ganzen Linie

Nachdem ein paar Tage zuvor bereits der Abgang von Sami El Assaoui zu Martigny bekannt geworden war, verliert der EHCO also auch noch seinen zweiten «Blueliner». Und das nicht etwa in die NLA, was, aufgrund seiner Leistung in dieser Saison, durchaus hätte erwartet werden können, sondern zu einem Konkurrenten, welcher sich ähnliche sportliche Ziele wie die Oltner auf die Fahne geschrieben hat. «Ich wäre gerne hiergeblieben», gibt Ganz unumwunden zu. Hier, wo der Zürcher die letzten vier Jahre verbracht und spätestens seit den letzten Playoffs, in welchen er mit 14 Punkten aus 16 Spieler der statistisch beste Oltner war, in der Hierarchie der Verteidiger ganz nach oben gerückt war. Dass er sich beim EHCO wohlfühlte, beweist auch die Karte mit der Einladung des gesamten Teams zu seiner Hochzeit im Sommer, welche am Pinboard in der Garderobe aufgehängt ist.

Die finanzielle Diskrepanz zwischen einem ersten Angebot aus Olten und jenem aus La Chaux-de-Fonds sei nur der eine Grund, weshalb er sich gegen den EHCO habe entscheiden müssen, so Ganz. «Chaux-de-Fonds hat mich am meisten überzeugt, sie haben sich richtig um mich bemüht. Sie geben einem als Spieler ein gutes Gefühl und damit die Wertschätzung dafür, was man gemacht hat.» Vonseiten EHCO habe er das viel zu wenig gespürt, entsprechend sei er «schon ein wenig enttäuscht», wie das Ganze abgelaufen sei.

Das Vertrauen des Trainers

Doch Ganz ist Profi genug, dass diese letzten Tage keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Saison haben werden. Nur schon deshalb nicht, weil er das immense Vertrauen, welches ihm Heikki Leime schenkt, rechtfertigen will. «Es ist genau jenes Vertrauen, welches man braucht, um überhaupt gut spielen zu können», schätzt sich Ganz glücklich. Und das soll in den Playoffs nicht anders sein. Ganz erwartet eine harte Viertelfinalserie gegen Visp – «hoffentlich mit dem besseren Ende für uns. Doch Prognosen sind schwierig; wer hätte letztes Jahr schon gedacht, dass es so herauskommen würde?»