Fussball

Den 50. Uhrencupsieger wird Grenchen kaum noch sehen

Der Uhrencup bescherte dem Grenchner Stadion Brühl grosse Momente – und viele Zuschauer. Wie hier anlässlich des Matches Liverpool - Luzern im Jahr 2008.

Der Uhrencup bescherte dem Grenchner Stadion Brühl grosse Momente – und viele Zuschauer. Wie hier anlässlich des Matches Liverpool - Luzern im Jahr 2008.

Die Stadt würde den Uhrencup gern in Grenchen behalten – die Zukunft des Traditionsanlasses liegt aber eher in Biel. Dort wäre man einer Austragung nämlich nicht abgeneigt.

Nachdem der 1962 ins Leben gerufene Uhrencup in Grenchen in den Jahren 1967, 1974 und 2012 abgesagt werden musste, wäre es heuer darum gegangen, den 50. Sieger der Geschichte zu ermitteln. Just in diesen Tagen, Anfang Juli, fand das renommierteste Fussballturnier in der Schweiz jeweils im legendären Stadion Brühl statt.

Ob dieser 50. Sieger jedoch jemals noch in Grenchen gekürt wird, scheint überaus fraglich. Die Organisatoren haben den Event nämlich der Betreiberin des neuen Fussball-Stadions in Biel, der Congrès, Tourisme et Sport SA (CTS), angeboten. Deren Geschäftsführer Oliver Senn bestätigt: «Ja, die Anfrage traf vor gut einem Monat bei uns ein.» Für ihn von durchaus offizieller Seite. Für die CTS geht es um die Übernahme des Namens «Uhrencup» sowie der Übernahme von Sponsoren und der Helfer.

Ruefer und Co. wissen von nichts

Die Uhrencup-Macher rund um Sportmoderator Sascha Ruefer wissen indes merkwürdigerweise nichts von einer solchen Anfrage und zeigen sich entsprechend perplex: «Weder ich noch Sascha Ruefer noch sonst jemand aus der Uhrencup GmbH wissen etwas von einer solchen Anfrage», sagt Roger Rossier. Er war letztes Jahr quasi der CEO des Turniers.

Da müsse wohl sonst jemand im Namen der Uhrencup GmbH bei der CTS angefragt haben, meint Rossier. Vorstellbar ist für Sascha Ruefer, dass jemand, der allenfalls Interesse daran habe, ihnen als GmbH die Rechte für den Uhrencup abzukaufen, in Biel nachgefragt habe. Notabene ohne dass er und seine Kollegen von Uhrencup GmbH etwas davon gewusst hätten. Effektiv hat man sich von der GmbH nach der letztjährigen Austragung offen dafür gezeigt, bei einem in jeder Beziehung passenden Angebot, die Rechte an der Marke «Uhrencup» zu verkaufen.

Biel signalisiert Interesse

Wie dem auch sei: Grundsätzlich, sagt Oliver Senn, stünde man der Übernahme des Uhrencup positiv gegenüber. «Wir müssen eine Miete haben, die gezahlt wird, und dann sehe ich nichts, was dagegen spricht.» Wobei, so betont Senn, unterschrieben ist nichts. Umso mehr, als dass 2015 in Biel gewiss kein Uhrencup möglich ist. Die Eröffnung des neuen Stadions ist im Sommer 2015 geplant. «Was mache ich, wenn ich jetzt zusage und mir der Totalunternehmer in einem Jahr sagt, dass sich die Fertigstellung des Stadions aus irgendwelchen Gründen verzögert?», fragt der CTS-Chef. Darum sehe er eine Zusammenarbeit eher auf 2016 hin. Daniel Hinz, Geschäftsführer des FC Biel, käme eine «Züglete» des Uhrencups von Grenchen nach Biel entgegen. Man wäre durchaus bereit, sich als neuer Partner zu engagieren und damit die Rolle zu übernehmen, die zuletzt punkto Manpower Grenchner Vereine übernommen hatten.

Stadtpräsident setzt sich ein

Keine Freude am endgültig drohenden Untergang des Uhrencups in Grenchen hat Grenchens Stadtpräsident Francois Scheidegger: «Selbstverständlich haben wir ein Interesse daran, dass der Cup da bleibt, wo er hingehört, nämlich in Grenchen.» Doch letztlich, hält Scheidegger fest, könnten er und die Stadt nicht effektiv viel bewirken. Aber: «Wir stellen uns zur Verfügung, etwas zu unternehmen, damit der Uhrencup in Grenchen bleibt.»

Unglückliche Vergangenheit

Allein, was eine weitere Zusammenarbeit der Uhrencup GmbH mit dem FC Grenchen angeht, scheint eine solche unmöglich. 2013 entbrannte ein veritabler Zwist. Die Führung des FCG forderte aufgrund von ihrer Ansicht nach gültigen Verträgen mehr Geld von den Veranstaltern.

Das Ganze gipfelte in einer Klage des FCG gegen die GmbH wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Betrug zulasten des FCG. Die Staatsanwaltschaft kam aber zum Schluss, dass die Uhrencup-Chefs Ruefer, Rossier, Urs Siegenthaler und den ehemaligen Präsidenten des FC Grenchen, Thomas Vogt, kein rechtswidriges Verhalten vorgehalten werden kann. Inzwischen ist der FC Grenchen fest in der Hand französischer Investoren. Leuten also, die mit der Tradition Uhrencup nichts bis wenig am Hut haben dürften, und denen es darum relativ egal sein wird, wo der nächste Uhrencup stattfindet.

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