Laufsport
Dem Regenwetter zum Trotz: Wings for Life World Run ein voller Erfolg

Michael Boch übertrifft die letztjährige Siegweite um fast 14 Kilometer. Währenddessen übertrifft Viktor Röthlin alle Ewartungen.

Michael Forster
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Nicht einmal das Regenwetter konnte den tapferen Wings for Life-Läufer die Stimmung verderben.

Nicht einmal das Regenwetter konnte den tapferen Wings for Life-Läufer die Stimmung verderben.

Hansruedi Aeschbacher

Laufen für die, die es selber nicht können»: Dem Motto des Wings for Life World Run wurde in diesem Jahr gleich doppelt Rechnung getragen. Erstens durch jene Läuferinnen und Läufer, welche mit ihrer Teilnahme in die Rückenmarkforschung investierten. Zweitens durch jene Gruppe von Teilnehmenden, welche sich zu zweit, mit einem Rollstuhlfahrer an ihrer Seite, auf die Strecke mit rollender Ziellinie machten.

Immer wieder tauchten die Paare zwischen den vielen Tausend Fussgängern auf und – alleine, das war klar, hätten die Rollstuhlfahrer die Strecke in gewöhnlichen Alltagsgefährten auf keinen Fall bewältigen können. Dazu waren die Aufstiege, zum Beispiel jener von Boningen nach Kappel, ganz einfach zu steil. Rollstuhlfahrer Yves und Läufer Alain waren da beispielsweise zusammen am Kämpfen, Yves aus dem Jura, Alain Berner. «Ein Projekt für ein besseres Verständnis unter den beiden Kantonen», lachte Alain – nein, doch nicht. «Wir sind eine grössere Gruppe, welche den Lauf zusammen absolviert», schob er schnaubend nach.

Ex EHCO-Spieler musste aufgeben

Die grösste Gruppe überhaupt in Olten, trommelte im Vorfeld des Weltlaufs Roman Schild zusammen. Bereits im letzten Jahr hatte der EHCO-Spieler, welcher Ende letzter Saison seine Karriere aus gesundheitlichen Problemen beenden musste, am Lauf teilgenommen, heuer nun mobilisierte er unter dem Projekt «Move Your Ass» nicht weniger als 59 Gleichgesinnte zur Teilnahme. Er selber liebäugelte, nach einem flotten Beginn (in Boningen lag er nur zwei Minuten hinter der Gruppe mit Viktor Röthlin zurück) mit der Marke von 30 Kilometern, musste das Projekt, nachdem ihn Krämpfe am zügigen Weiterlaufen gehindert hatten, aber deutlich früher beenden.

Besser lief es bei Overall-Sieger Michael Boch. Der Franzose lief ein aufmerksames Rennen, war immer in den ersten Positionen vertreten und übernahm ab Kilometer 28 endgültig die Initiative. Und weil sein Tritt auch mehr als 20 Kilometer später noch immer sehr rund und vor allem hochtourig war, hatten die Gegner trotz des Vorteils, sich im Gegenwind bis nach Niederbipp in der Gruppe mit der Führungsarbeit abzuwechseln, keine Chance, zum souveränen Franzosen aufzuschliessen. Im Gegenteil: Die Lücke wurde immer grösser und betrug am Ende, nach exakt 70,14 Kilometer und etwas mehr als viereinhalb Stunden, mehr als fünf Kilometer auf den früheren Sieger des 100-km-Laufs in Biel, Walter Jenni. Dieser peilte in Olten die Marke von 55 Kilometer an, entsprechend zufrieden zeigte er sich mit dem Endresultat. «Ich bin deutlich weniger gut trainiert als zu meinen besten Zeiten, deshalb ist das heute mehr als okay.»

Dass sein einziger Bezwinger ebenfalls über eine ruhmreiche und zudem viel jüngere Vergangenheit am «Bieler» verfügt, davon habe er nichts gewusst, so Jenni. Boch, der in Strassburg lebt und sich aufgrund der relativ kurzen Anreise für einen Start in Olten entschied, ist nämlich gar der amtierende Sieger des Bieler Hunderter. Der Start sei fast ein wenig schnell gewesen, erzählte der überglückliche Sieger nach dem Rennen. «Wir liefen den Marathon in 2:43, ich hätte es mir schon ein wenig langsamer gewünscht. Dass es am Ende dann doch noch für 70 Kilometer gereicht hat, das ist einfach wunderbar.»

Nicht in die Entscheidung eingreifen konnte Vorjahressieger und Lokalmatador Marco Kaminski, der sich lange an der Spitze des Rennens aufhielt, am Ende aber seine letztjährige Performance nicht wiederholen konnte. Zufrieden zeigten sich andere Aushängeschilder des World Run, Viktor Röthlin zum Beispiel, welcher, mit 32 Kilometern, die eigenen Vorstellungen deutlich übertraf. Oder Gian Simmen, mit 20 Kilometern ein «stolzer und begeisterter» Finisher.