Eishockey
Dem Fluch russisch begegnet

Der EHCO gewinnt das letzte Spiel des Jahres in La Chaux-de-Fonds gleich mit 4:1.

Michael Forster
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Dave Sutter (Verteidiger HCC) und Oltners Justin Feser, der am gestrigen auffallend stark spielte und unter anderem das Gamewinning Goal erzielte.

Dave Sutter (Verteidiger HCC) und Oltners Justin Feser, der am gestrigen auffallend stark spielte und unter anderem das Gamewinning Goal erzielte.

Ruedi Trachsel

Da hatte es für den EHC Olten in dieser Saison bei vier Gelegenheiten lauter Niederlagen abgesetzt gegen La Chaux-de-Fonds – und dann das! Zwar setzten die Gastgeber ihren Gegner vom ersten Augenblick an unter Druck, konnten daraus aber lange keinen Profit schlagen. «Wir haben viele Schüsse geblockt und vor dem Tor resolut aufgeräumt», nannte Topscorer Marco Truttmann, am gestrigen Abend völlig zurecht zum besten Spieler der Partie gewählt, das Erfolgsrezept. «Unser Vorhaben, im eigenen Drittel kompakt zu stehen, ist sehr gut aufgegangen.»

Das Gefährlichste, was die Neuenburger in den ersten zwanzig Minuten nämlich zu bieten hatten, waren Ablenker, welche das Tor jedoch knapp verfehlten, oder aber von Michael Tobler entscheidend abgelenkt werden konnten. Das permanente Forechecking des HCC hinterliess zwar dann und wann Spuren, doch diese verwischten die Gastgeber mit ihrem zu ungenauen Spiel in der gegnerischen Zone meistens gleich selber.

Als sich die Oltner einmal auf den grossen Druck eingestellt hatten und den Puck geschickt durch die eigenen Reihen laufen liessen, war von Chaux-de-Fonds praktisch nichts mehr zu sehen. Entsprechend kam der EHCO besser ins Spiel, schnupperte nach zehn Minuten durch Wüst erstmals ernsthaft am Führungstreffer und realisierte diesen kurze Zeit später. Studer und Lüthi leisteten an der Bande die Vorarbeit, Verteidiger Tim Grossniklaus (19), in seinem erst zweiten Spiel für den EHCO, erzielte von der blauen Linie den ersten Treffer auf Stufe Nationalliga. Der Handgelenkschuss schien haltbar, doch Ruhnke verdeckte Giovannini wohl die Sicht.

Ein «Tor des Jahres»

Nach dieser Co-Produktion der jeweils vierten Defensiv- und Offensivlinien folgte der Geniestreich der Oltner Paradeformation. Stimmten Aufwand und Ertrag in den letzten Spielen nicht immer überein, passte diesmal alles perfekt. Schwarzenbach passte hinter seinem Rücken auf Truttmann, dieser bediente Feser vor dem Tor, welcher dem Puck bloss noch die Richtung mitgeben musste. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch, mehr noch: Der 112. EHCO-Treffer der laufenden Saison war der bislang Schönste. «Es war tatsächlich beinahe ein wenig russisch», musste auch Truttmann schmunzeln, «alle haben das Gleiche gedacht. Ich hätte bereits schiessen können, sah jedoch den noch besser postierten Feser» – und dieser, dessen sei er sich bewusst gewesen, würde ihn «hundertprozentig machen.»

In der 28. Minute passte dann aber auch bei den Gastgebern alles zusammen. Mit einem Mann mehr hebelten sie die EHCO-Defensive aus und erzielten den sehenswerten 1:2-Anschlusstreffer. Die grossen Chancen waren in der Folge Mangelware und zwar auch dann, als die Oltner ihre erste Überzahl spielen konnten. Gefährlicher wurde es in der 40. Minute, als zuerst Studer und Lüthi eine klare, gleich im Anschluss Meister eine glasklare Möglichkeit ausliessen. Es wollte also (noch) nicht sein mit dem erneuten 2-Tore-Vorsprung, und doch zeigte auch dieser zweite Abschnitt wieder, dass die Neuenburger mindestens so fehleranfällig waren wie die Oltner, wenn sie früh unter Druck gesetzt wurden.

Doch noch ein Vorsatz fürs 2015

Der letzte Abschnitt brachte Chancen auf beiden Seiten, mit dem besseren Ende für die Gäste. Jetzt lief der Puck auch im Powerplay, und Ganz sorgte mit seinem Flachschuss für die Vorentscheidung (51.). Es hätte, wie praktisch immer im Neuenburger Jura, zum Schluss durchaus noch einmal spannend werden können, musste doch Burki eineinhalb Minuten vor dem Ende wegen Beinstellens auf die Strafbank, anstatt sich als Passgeber auf den alleine vor dem verlassenen HCC-Gehäuse stehenden Brunner auszeichnen zu lassen. Die folgende 6:4-Überzahl brachte jedoch nichts Zählbares mehr für die Gastgeber, im Gegenteil. Feser bediente Truttmann, welcher den Puck aufreizend lässig zur Entscheidung ins Tor gleiten liess. «Die Tore fallen wieder», strich Truttmann nach der Partie hervor, defensiv müssen wir aber noch an unserem Spiel arbeiten. Vor allem im 1:1, wenn der Gegner wechselt, müssen wir noch besser miteinander reden.»