Edvaldo Della Casa sitzt im Freibad in Solothurn. Soeben hat er seine Lektion beendet. Der 38-jährige Sportlehrer unterrichtet zweimal wöchentlich an einer Privatschule. Della Casa ist gut gelaunt, obwohl er schlecht geschlafen hat. «Ich habe lange nachgedacht.» Das sei normal. Speziell, wenn das Spiel nicht nach seinen Vorstellungen endet. Die 0:2-Niederlage am Mittwoch gegen Münsingen war seiner Meinung nach absolut unnötig. «Wir hatten das Spiel im Griff und gaben es aus der Hand.»

Partie gegen ehemaligen Verein

Und heute nun Wangen, ausgerechnet Wangen. Della Casas letzter fussballerischer Arbeitgeber, dessen 1. Liga-Team er in der abgelaufenen Saison ungeachtet der schwierigen Rahmenbedingungen auf den erstaunlichen 5. Rang geführt hatte. Trotzdem trennten sich die Wege. Della Casa versichert, dass es kein böses Blut gegeben habe. «Es ist gut so», gibt er sich diplomatisch. Er pflege zu einigen Spielern und zu Sportchef Juan Castro nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis. Deshalb besteht für Della Casa auch kein Anlass, die Partie überzubewerten. «Mir ist egal, gegen wen wir spielen. Wir wollen einfach gewinnen.»

Seine Rezeptur hat der italienisch-brasilianische Doppelbürger der Mannschaft in den letzten Tagen eingehend nähergebracht. «Bei uns führt der Erfolg nur über einen intakten Teamgeist.» Nicht alle ziehen offenbar am gleichen Strang. Es ist absehbar, dass sich der Verein nochmals von einigen Spielern trennen wird. Dass er es ernst meint, hat Della Casa bereits letzte Woche demonstriert, als er Bilall Januzaj, Oliver Andrijasevic, Fabrizio Laus und Ivo Zizak aussortierte. In dieser Beziehung versteht der temperamentvolle Südamerikaner keinen Spass.

Der Traum als Profi gescheitert

Seit 16 Jahren lebt «Della», wie er genannt wird, in der Schweiz. Von einem Klub aus der dritthöchsten brasilianischen Liga machte er sich auf, in Europa sein Glück als Profi zu versuchen. Es ist beim Versuch geblieben. Den nachhaltigen Durchbruch hat er nicht geschafft. Als er nahe einmal daran war, bei Lausanne einen Vertrag zu erhalten, bekam er Probleme mit der Einwanderungsbehörde und musste das Land für zwei Jahre verlassen.

Verbittert ist Edvaldo Della Casa deswegen nicht. Im Gegenteil, er schätzt die klaren Strukturen. «Hier weiss man, woran man ist.» Im Unterschied zu seinem Heimatland, wo die Korruption den Alltag bestimmt. «Das sich die Leute diesen Missstand nicht länger gefallen lassen, zeigten die Proteste während des Confed-Cups.»

Ungewisse Zukunft

Mit Ehefrau Elisa wohnt Edvaldo Della Casa in Zuchwil. Ob ihre Zukunft in der Schweiz oder in Brasilien liegt, hängt naheliegend von den beruflichen Perspektiven ab. Er hofft, irgendwann die Bühne in einer höheren Liga zu betreten. Der FC Grenchen kommt ihm da als Sprungbrett gerade recht. Ein Verein, der in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgt und Staub aufwirbelt. Auf und neben dem Platz. Geht es nach Edvaldo Della Casa, ist es heute um 17 Uhr auf dem Rasen im Stadion Brühl.