Es muss beim EHC Olten in diesen Tagen vor allem eine Frage geklärt werden: Hält man an Headcoach Bengt-Ake Gustafsson fest oder zieht man die Notbremse und versucht, mit einem Trainerwechsel neues Leben in die total verunsicherte Mannschaft einzuhauchen?

Nun: Die beiden Auftritte am vergangenen Wochenende haben einen zutiefst zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Da war einerseits die Bankrotterklärung in Visp, welche mit einer klaren 2:6-Niederlage bestraft wurde und das Gefühl hinterliess, dass dieses Team dringend einen Impuls braucht, um die Saison noch zu retten.

Peter Rötheli

«Grundsätzlich ist gut, haben wir einen Verwaltungsrat, der erst einmal zwei, drei Tage abwartet und dann ein Problem ohne Emotionen analysiert.»

Peter Rötheli 

Auf der anderen Seite folgte am Sonntag der Auftritt im Derby gegen Langenthal, in welchem der EHCO zwar letztlich chancenlos war, aber die Spieler immerhin Kampfgeist zeigten und versuchten, sich gegen ihr Schicksal aufzulehnen.

Bleibt also die Frage: Ist das Glas nun halb voll oder doch eher halb leer. Es ist ein Bild, welches das aktuelle Dilemma der Oltner perfekt aufzeigt. Auch deshalb rauchen die Köpfe der EHCO-Verantwortlichen spätestens seit dem Auftritt in Visp heftig.

Geschäftsführer Peter Rötheli, der ebenfalls Teil des Sportteams ist, welches in Ermangelung eines Sportchefs die Personalpolitik des Klubs managt, sagt, dass man in der aktuellen Situation ständig dabei ist, die Lage zu beurteilen. «Grundsätzlich ist gut, haben wir jetzt einen Verwaltungsrat, der erst einmal zwei, drei Tage abwartet und dann ein Problem ohne Emotionen analysiert. Nur so kann es einen vernünftigen Entscheid geben.»

Nach den üblen Vorfällen in der Nacht auf Samstag, als die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Visp von einer Horde wildgewordener Hooligans bedroht worden war, stand für die Klubführung um VR-Präsident Marc Thommen vor allem eines im Fokus: Deeskalation und ein Aufruf zu mehr Ruhe und Geduld in dieser zweifellos schwierigen Situation. Auch deshalb ist eine Tendenz, wie und ob es mit Bengt-Ake Gustafsson bis zum Saisonende weitergeht, schwierig zu erkennen.

der Vorteil der Verletztenliste

Der Auftritt gegen Langenthal hat für eine sofortige Freistellung des Schweden jedenfalls nicht genügend Argumente geliefert. Die Mannschaft hat gezeigt, dass durchaus noch ein Kämpferherz in ihr steckt. Wäre man ein weiteres Mal ohne nennenswerte Gegenwehr untergegangen, dann wäre es schwierig geworden, an Gustafsson festzuhalten.

Dem EHCO-Headcoach kommt – so zynisch es klingen mag – derzeit die lange Verletztenliste zugute. Ohne qualitativ hochwertige NLB-Spieler wie Stan Horansky, Marco Truttmann, Jewgeni Schirjajew, Anthony Rouiller oder Tim Bucher fehlte der Mannschaft gegen Langenthal ein kompletter Top-Block und damit schlicht die Klasse, um genügend Paroli bieten zu können.

Man kann nun anmerken, dass der EHCO ja schon die ganze Saison von ausserordentlichem Verletzungspech begleitet wird und man bis Anfang Dezember resultatmässig trotzdem auf Kurs war. Aber offensichtlich färbt der Effekt erst jetzt, da auch die beiden Goalies nicht mehr in der Lage sind, mit überdurchschnittlichen Darbietungen Siege zu «stehlen», vollumfänglich auf die Leistungen der Mannschaft ab.

Den Jungen vertrauen

Apropos Personal: Peter Rötheli wehrt sich gegen den in dieser Zeitung formulierten Vorwurf, dass man auf personelle Engpässe nicht mit der temporären Verpflichtung von B-Lizenz-Spielern reagiert hat. So wie das Langenthal am Sonntag mit Mathias Joggi (Biel) und Dario Meyer (Bern) getan hat. «Wir müssen doch in solchen Situationen auch Spielern wie Marc Sahli das Vertrauen schenken», sagt er.

Da mag Rötheli auf den ersten Blick durchaus recht haben. Fragt sich aber, ob so der Mannschaft und den Spielern in einer sportlich derart delikaten Lage wirklich geholfen wird. Zumal man mit dem von den Kloten Flyers ausgeliehenen Oliver Steiner im Dezember sehr gute Erfahrungen mit einer Temporärlösung gemacht hatte.

Im Derby gegen Langenthal war der EHCO zwar letztlich chancenlos, aber die Spieler haben immerhin Kampfgeist gezeigt.

Im Derby gegen Langenthal war der EHCO zwar letztlich chancenlos, aber die Spieler haben immerhin Kampfgeist gezeigt.

Offen ist, wie es mit dem Thema «Ausländer» weitergeht. Offensichtlich ist diesbezüglich keine Dringlichkeit angesagt beim EHCO. Rötheli sagt: «Es muss ein Spieler sein, der uns etwas bringt. Wir verpflichten keinen Mann, den unsere Trainer nicht wollen. Sie haben die absolute Fachkompetenz», unterstreicht der CEO und betont auch, dass der Markt derzeit nicht viel hergebe.

Vorderhand werden Brian Ihnacak, der im verunsicherten Team seinen Platz noch nicht wirklich gefunden hat, und Jay McClement, der derzeit einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt, also konkurrenzlos glücklich sein.

Fazit: Bengt-Ake Gustafsson dürfte zusammen mit seiner Mannschaft noch einmal eine Chance erhalten, sich zu bewähren. In Zug wartet am Freitag eine delikate Aufgabe auf das EHCO-Ensemble. Die «Akademiker» gewannen zuletzt in Pruntrut gegen den aufstrebenden HC Ajoie und sind sicher auf Playoff-Kurs. Am Sonntag kommt Leader Rapperswil ins Kleinholz. Der ultimative Test.

Olten-Fans attackieren eigene Spieler

Olten-Fans attackieren eigene Spieler

Die Niederlage gegen Visp war wohl nicht das grösste Übel für den EHC Olten. Nach der Partie wurden die Spieler von den eigenen Fans bespuckt.