In Solothurn ist man heilfroh, dass man sich am letzten Spieltag den Ligaerhalt noch sichern konnte. Das kuriose an der Geschichte: Der Verein ist der amtierende Meister und mit den besten Schweizer Spielern bestückt. Dass dies nicht ausreichen würde, um den Titel zu verteidigen, war den Vereinsoberen schon vor der Saison klar.

Im Vergleich zu den Spitzenteams beteiligte sich der Klub nicht am Wettrüsten auf den Ausländerpositionen. Mit zahlreichen Transfers wurden die Kräfteverhältnisse in der Nationalliga A kräftig durchgeschüttelt.

Vereine wie Genf oder La Chaux-de-Fonds verpflichteten ausländischen Top-Spieler. Das Bizarre daran: Die Sportler werden jeweils am Freitag oder Samstag aus London und anderen europäischen Städten eingeflogen, absolvieren ihre Partien und fliegen am Sonntagabend wieder nach Hause. Ein kostspieliges Vergnügen und keine Visitenkarte für den ökologischen Fussabdruck des Klubs. «Wir können uns das finanziell nicht leisten und es entspricht vor allem nicht unserer Philosophie», sagt Carlos Prieto, Teammanager und Sportchef der Solothurner.

Prieto und seine Kollegen sind mit dieser Zurückhaltung ein sportlich hohes Risiko eingegangen. «Das war uns bewusst, aber selbst ein Abstieg in die Nationalliga B hätte für uns als Klub nicht das Ende bedeutet», verteidigt Prieto die Personalpolitik.

Absage ans Gentlemans Agreement

Zugrunde liegt diesem Transfer-Wildwuchs das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU), das am 1. Juni 2002 in Kraft gesetzt wurde. Das Abkommen sieht die Liberalisierung des grenzüberschreitenden Personenverkehrs zwischen der EU und der Schweiz vor.

Im Badminton wollte man mit einem Gentlemans-Agreement den Gelüsten von investitionsfreudigen Klubs Einhalt gebieten. Ohne Erfolg: Der BC Genf verweigerte die Unterzeichnung. Das Papier sah vor, an der bestehenden Regelung von zwei ausländischen Verstärkungen plus einem Grenzgänger pro Team festzuhalten. Im Verband ging man davon aus, dass der Genfer Alleingang keine Schule machen würde. Ein Irrtum, wie sich herausgestellt hat.

Für Vereine wie Solothurn hatte dieser Akt mangelnder Solidarität einschneidende Auswirkungen. Die Ambitionen mussten zurückgestellt werden. Finanziell ging die Rechnung auf, sportlich wurde es eine Gratwanderung.

Erst in der letzten Runde konnten die Ambassadoren die Relegation in die NLB abwenden. Die Ironie der Geschichte: Der Absteiger heisst ausgerechnet der BC Genf.