Kanton Solothurn
Das sind die Gewinner des Regionalsport-Oscars im Kanton Solothurn

Alles hat ein Ende, auch das Sportjahr 2012. Höchste Zeit, die regionalen Heldinnen und Helden zu küren. Carmen Küng, Heinz Frei, Marco Mathys, Pius Schwizer und Adrian Zimmermann heissen die Gewinnerinnen und Gewinner im Kanton Solothurn.

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Wortgewaltig: Carmen Küng.
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Regionalsport-Oscars: Das sind die Gewinner im Kanton Solothurn.
Spätzünder: Marco Mathys.
Medienfutter: Pius Schwizer.
Happy End: Adrian Zimmermann (re.).

Wortgewaltig: Carmen Küng.

Keystone

Leistung des Jahres: Carmen Küng (34, Feldbrunnen)

Vater Kurt Küng war ausser sich - vor Freude. Der ehemalige Geschäftsführer des CIS in Solothurn offerierte Ende März den Gästen spontan eine Gratisrunde. Küngs Spendierlaune hatte einen glänzenden Grund. Im fernen Kanada hatte Tochter Carmen soeben mit dem Team Davos die erste Curling-Goldmedaille bei den Frauen nach 29 Jahren gewonnen. Im hochstehenden Finale besiegten die Schweizerinnen um Skip Mirjam Ott die Schwedinnen. Die Begleiterscheinungen des Triumphs waren danach ganz nach dem Gusto der forschen Feldbrunnerin. Einladungen, Ehrungen, Fernsehauftritte.

Auf dem Eis ist Carmen Küng nur «Second», auf fester Unterlage ergreift die 34-Jährige nur zu gerne das Wort. Dann übernimmt sie das Kommando und wird zum Skip, der für die Stimmung besorgt ist und die Interessen des Teams und ihrer Sportart wortgewaltig vertritt. Wie lange noch, wird sich zeigen. Küng plant ihren Rückzug vom Spitzencurling. Dank der Leistung von Lethbridge ist ihr der Eintrag in die Geschichtsbücher aber gewiss.

Kämpfer des Jahres: Heinz Frei (54, Etziken)

Er lässt seine halb so alten Konkurrenten nach wie vor, sprichwörtlich, stehen. Heinz Frei schnappte seinen Gegnern, nicht wenige könnten seine Kinder sein, an den Paralympics zum x-ten Male die Goldmedaille weg. Der alte Chlaus (Originalzitat Frei) verteidigte seinen Titel im Handbike und holte sich in London seine insgesamt 15. goldene Auszeichnung. Der Altmeister war im Formel-1-Ort Brands Hatch auf seinem futuristisch anmutenden Gefährt erneut eine Klasse für sich.

Auf dem Weg zu seinem Triumph langte der Athlet mit dem grossen Kämpferherz in die Trickkiste. Am Abend vor dem Rennen griff Tüftler Frei zum Multi-Sackmesser, das er von alt Bundesrat Adolf Ogi erhalten hatte, und schnitt den «Schwanz» an seinem Zeitfahrhelm ab, damit die Bewegungsfreiheit beim Drehen des Kopfes grösser wurde. Eine Massnahme, die sich auszahlte und bei den Gegnern die bange Frage aufkommen lässt. Wann ist bei diesem Heinz Frei endlich Schluss?

Aufsteiger des Jahres: Marco Mathys (25, Derendingen)

SC Derendingen, Concordia Basel, FC Biel, FC St. Gallen, Nationalmannschaft. Was auf den ersten Blick wie eine Blitzlaufbahn erscheint, war alles andere als ein Katapultstart. Für den Weg vom Junior des Wasserämter Klubs in den Fussball-Olymp benötigte Marco Mathys einen langen Atem. Fünf Jahre spielte er in der Challenge League. Ein Spätzünder war der versierte Rechtsfüsser schon immer.

Als er bei den C-Junioren Schweizer Meister wurde, war Mathys der kleinste im Team und musste oft auf die Bank. Umso bemerkenswerter ist der Aufstieg des heute 1,86 m grossen Modellathleten in den letzten Monaten. Im vergangenen Winter wechselte er vom FC Biel nach St. Gallen und schaffte mit den Ostschweizern die Promotion in die Super League. Anfang September erzielte der Shootingstar seine ersten Tore, nur einen Monat später folgte das Aufgebot von Trainer Ottmar Hitzfeld ins Nationalteam.

Entertainer des Jahres: Pius Schwizer (50, Oensingen)

Er hat das Zeug zum Unterhalter. Pius Schwizer ist gewissermassen der Gegenentwurf zum introvertierten Steve Guerdat. Auf leisen Hufen gelang dem Jurassier auf Nino des Buissonnets das, wovon der extrovertierte Oensinger mit Carlina träumte: Olympiasieger. Den Albtraum erlebte Schwizer nicht nur in der Arena, auch im eigenen Gestüt rumpelte es gehörig. Der 50-Jährige graste jenseits des Zauns. Vier Monate nach seiner Heirat flog sein Verhältnis mit einer jungen Amateurreiterin auf und wurde in den Medien breitgewälzt.

Annähernd gleich grosse Beachtung erhielt die Trennung seiner zweiten langjährigen Begleiterin. Nach dem enttäuschenden Abschneiden an den Olympischen Spielen zog Besitzer François Leiser das Weltklassepferd aus dem Stall in Oensingen ab. Die Musik im Konzert der Grossen spielt Schwizer jetzt auf Verdi. Und das mit Erfolg: Die beiden gewannen in Lyon den Weltcup. Entertainer Schwizer stand erneut im Schweinwerferlicht. Nur konnte er es dieses Mal sichtlich geniessen.

Comeback des Jahres: Adrian Zimmermann (28, Wiler-Ersigen)

Zwei Jahre Investment umsonst! Das kann und darf nicht sein. Einen Moment der Unachtsamkeit und schon war es passiert. Adrian Zimmermann knickte im Klubtraining bei Wiler-Ersigen um und damit löste sich auch der vermeintliche Traum von der Unihockey-Heim-WM in Luft auf. Innenbandriss lautete die Diagnose. Was tun, was bleibt? Zurückkämpfen, aufgeben, hadern? «Zimmi», der WM-Torschützenkönig von 2007, entschied sich für Ersteres. Er stieg ins Wasser für den sanften Aufbau, er quälte sich im Kraftraum, um die Muskeln auf Betriebstemperatur zu halten.

Immer nahe an der Mannschaft dran, damit der Fokus und das innere Feuer nicht verloren gingen. Der Effort zahlte sich aus: Für Adrian Zimmermann gab es ein Happy End. Der 28-jährige Stürmer vom Rekordmeister erhielt grünes Licht für die WM-Teilnahme. Die Schweizer durften sich am Ende die Bronzemedaille umhängen lassen. Für Adrian Zimmermann glänzte sie golden.