Nach zwei aufeinanderfolgenden Knieoperationen 2012 und 2013 sowie einer Meniskus-Arthroskopie im März 2014 stand Tim Weber vor dem Entscheid: Schluss mit Handball oder weiter und im Alter allenfalls schmerzliche Konsequenzen (Arthrose) tragen. «Ich muss einfach weitermachen. So kann ich unmöglich aufhören», lautete die Antwort des 20-Jährigen damals. Der Sohn von Daniel Weber, Ex-Schweizer-Meister mit dem BSV Bern und aktuell Sportchef des BSV, sowie einer handballbegeisterten Mutter, zählte bis zu seiner ersten Verletzung zu den talentiertesten Junioren im Land. In der UI7- und U19-Nati war er Stammspieler und als 17-Jähriger auf dem Sprung ins NLA-Kader der Berner. Einige Partien in der höchsten Liga hat Weber schon auf dem Buckel.

Dann folgte die erste OP. Nach langwierigem und langweiligem Kampf mit viel Physio, wenige Halle und viel Solo-Aufbautraining, stand der Rückraum-Mitte-Akteur im Dezember 2012 wieder auf dem Platz. Im zweiten Match nach dem Comeback, damals für Solothurn/Grauholz, riss das Kreuzband erneut. «Für mich brach eine Welt zusammen und ich fühlte Ungerechtigkeit, Wut und Trauer. Wieso passiert das mir, fragte ich mich.»

Leiden statt Leidenschaft

Ohne Handball fehlt in Tim Webers Leben ein Generator, der für Leidenschaft, Faszination und Feuer sorgt. Dank eines starken Umfelds kämpfte sich der damals 18-Jährige erneut zurück. Im November 2013 kam der Wirtschafts-Student im 1.-Liga-Team des BSV zurück und erhielt sofort wieder Nati-Aufgebote für die U19 und U21. Doch das Knie spielte Schwarzpeter. Im März 2014 musste ein Teil des Meniskus entfernt werden. Nach einer total zweijährigen Leidenszeit – mit einem einzigen Match – spielt Weber jetzt seit September mit dem TV Solothurn in der 1. Liga und rackert sich da ab, um bald dahin zurückzukehren, wo er einmal war. Unterstützt wird er beim TVS vom routinierten Coach Matthias Heger sowie im mentalen Bereich von Eveline Steinmann.

«Die NLA ist natürlich immer noch mein Ziel, ganz klar», sagt der Youngster. Wenn er wollte, dürfte er schon heute mit dem NLA-Kader des BSV Bern-Muri mittrainieren. «Momentan allerdings stimmt es so für mich», sagt der Mann aus dem bernischen Rapperswil. Im Vordergrund stehe derzeit, beschwerdefrei zu bleiben. Und das klappt prima. «Ich spüre kaum oder gar keine Schmerzen im Knie. Das tut mir und meiner Seele natürlich wohl», so Tim Weber. Immerhin haben die Solothurner in dieser Saison noch keinen einzigen Punkt abgegeben.

Hoffen auf den YB-Effekt

Tipptopp im Fahrplan Richtung Wiederaufstieg in die NLB sind die «Öufistädter» auch dank Webers Volltreffern. Der Kanonier vom Dienst ist nämlich bereits wieder Topskorer seiner Truppe. Der heutige Cup-Knaller im CIS-Sportcenter gegen den NLA-Sechsten HC Kriens-Luzern ist für Weber angesichts seiner Geschichte zweifellos speziell. «Es wäre schön, wenn es mir gelingt, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass ich auch gegen einen solchen Gegner wieder da bin», sagt Weber. Und es geht dem smarten Handballer darum, zu erkennen, wie nah er seinem Ziel NLA bereits wieder ist. Auf den YB-Effekt hoffen und darauf bauen, dass der Favorit kläglich strauchelt «ist im Handball etwas schwer», räumt Tim Weber ein. «Aber», so sagt er, «vielleicht können wir die Luzerner doch etwas mehr fordern, als sie sich das vorstellen.» On verra!