EHC Olten
Das Oltner Körperspiel zermürbt Gegner Visp

Nach zwei Spielen im Playoff-Viertelfinal gegen den letztjährigen NLB-Meister Visp haben die Oltner alle Vorteile auf ihrer Seite. Nach dem 4:3-Auswärtssieg vom Freitag doppelten die Oltner zu Hause nach und erteilten den Wallisern eine 6:1-Lektion.

Michael Forster
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Angezählt: James Desmarais hat gegen hartnäckige Oltner (links Justin Feser, von hinten naht Sami El Assaoui) bislang kein einfaches Spiel.

Angezählt: James Desmarais hat gegen hartnäckige Oltner (links Justin Feser, von hinten naht Sami El Assaoui) bislang kein einfaches Spiel.

HR.Aeschbacher

Dabei zeigten sich die Gastgeber in allen Belangen überlegen, sogar im physischen Bereich. Dabei deutete im Vorfeld dieses Viertelfinalduells nicht allzu viel darauf hin, dass sich insbesondere die «Kräfte»-Verhältnisse aufseiten der Oltner verschieben würden. «Es ist unglaublich», bestätigt denn auch der Visper Niki Altorfer, «wie solid der EHCO defensiv spielt, und gleichzeitig überraschend, wie konsequent sie auf den Körper spielen.» Ähnliches habe man vom diesjährigen Playoff-Gegner in der letzten Saison so nicht gesehen.

Visper Ratlosigkeit

Die Konzentration auf einen physisch einwandfreien Auftritt scheint tatsächlich das Erfolgsrezept gegen die Visper zu sein. Und noch ein bisschen mehr, wie Sami El Assaoui eingesteht. «In einer solchen Serie ist das ein wichtiger Bestandteil des Spiels», schmunzelt er, als es um Provokationen und Trash-Talk auf dem Eis geht. «Visp hat es nicht gerne, wenn hart gespielt wird, und natürlich wird es zum Vorteil für uns, wenn sie den Kopf verlieren.»

Für El Assaoui und seinen Verteidiger-Kollegen Chris Bagnoud heisst das, gegen die erste Linie der Visper mit James Desmarais und William Rapuzzi einen möglichst guten Job zu machen. «Wir wissen genau: Wenn die keinen Punkt erzielen oder vielleicht nur einen einzigen, dann gewinnen wir jeden Match.» Das A und O sei das körperbetonte Spiel, «damit», so der EHCO-Verteidiger, «fängt alles an. Dann werden sie nervös und schlagen irgendwann zu, womit sie weniger aufs Spiel fokussiert sind – und je weniger sie im Spiel sind, desto besser ist das für uns.»

Wenn er also beispielsweise für vier Minuten auf die Strafbank müsse, gleichzeitig aber auch einer der beiden Visper Ausländer raus müsse, dann profitiere vor allem sein eigenes Team. «Wir sind deutlich ausgeglichener besetzt als Visp. Wenn bei denen Desmarais fehlt, dann haben sie ein Problem.»

Das hat auch Kim Collins, der Trainer der Walliser, längst bemerkt. Die konsequente unsanfte Behandlung hat Spuren hinterlassen und die während der Qualifikation auf Hochtouren laufende Visper Offensive beinahe zum Erliegen gebracht. Als «haarsträubend» bezeichnet Collins das, was seine Stürmer in den Playoffs bislang zustande gebracht haben, vor allem im Powerplay: «Da sind wir fast ein wenig ratlos», gesteht er. Aufgrund der sehr ungemütlichen Ausgangslage (Collins: «Jetzt muss etwas passieren!») sah er sich zu tiefgreifenden Umstellungen gezwungen. Die beiden Ausländer werden vor Spiel drei auseinandergenommen, die ersten drei Linien komplett umgestellt.

Druck von allen Seiten

Nicht mehr Teil des Visper Line-ups ist übrigens Niki Altorfer. Nachdem er im ersten Viertelfinal durch einen abgelenkten Rapuzzi-Schuss vier Zähne verloren hatte, verletzte er sich im gestrigen Training am Knöchel und wird mit einem Bänderriss ungewisse Zeit ausfallen und damit um weitere Körperchargen und Provokationen seitens der Oltner herumkommen – denn die werden ganz bestimmt, auf kontrollierte Art und Weise, weitergehen.

«Ich mache nie den ersten Schlag», unterstreicht El Assaoui, «ich will zwar körperbetont spielen, aber fair. Wenn der Gegner jedoch, wie am Sonntag im letzten Drittel, unseren Torhüter angreift, dann weiss er, was ihn erwartet.» Auch das ist eine Qualität, welche die Oltner seit Beginn der Playoffs (endlich) in ihrem Repertoire führen: den konsequenten Schutz ihres Torhüters.

Es ist auffällig, dass der EHCO seit letzten Freitag alles ein wenig konsequenter macht als noch in den Spielen zuvor, in erster Linie das Körperspiel, aber auch das zielorientierte Spiel nach vorne. «Eine Playoff-Serie ist etwas ganz anderes als ein Spiel in der Qualifikation», sagt Sami El Assaoui. «In der Qualifikation sieht man sich nach einem Spiel vielleicht zwei Monate nicht mehr, in den Playoffs hingegen ist es wichtig, das Duell physisch zu dominieren, diesen mentalen Vorteil auf die eigene Seite zu bringen.» Denn, und da ist sich El Assaoui sicher: «Mental ist Visp am Boden. Sie spüren von allen Seiten Druck – das macht es für sie extrem schwierig, zurückzukehren.»

Olten ohne Truttmann und Courchaine

Anders als der EHC Visp wird der EHC Olten heute Abend in unveränderter Formation auflaufen. Das heisst weiterhin ohne den zuletzt kranken Topscorer Marco Truttmann, aber auch ohne Adam Courchaine. Dem 30-Jährigen wird also auch in Spiel drei wieder Shayne Wiebe vorgezogen.

Trainer Heikki Leime wollte nicht bestätigen, dass es sich dabei um eine disziplinarische Massnahme handle. Ihm lägen, so Leime, (noch) keine konkreten Beweise für ein allfälliges Fehlverhalten Courchaines vor. Dieser habe sich am Morgen vor dem zweiten Spiel bei ihm persönlich als krank gemeldet. Schliesslich hat Leime, nach dem starken Auftritt Wiebes, keinen Grund für einen erneuten Wechsel. Sollten sich die hartnäckigen Gerüchte um die spätabendlichen Vergehen Courchaines jedoch bewahrheiten, muss zu allererst einmal die Vereinsleitung hinstehen und mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gelangen.