Die grosse Silvesterparty musste Luca Müller in diesem Jahr ausfallen lassen. Stattdessen war der 23-jährige Aussenangreifer von Volley Schönenwerd vom 29. Dezember bis 3. Januar zum ersten Mal mit der Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft unterwegs.

Am Vierländerturnier in Luxemburg rutschte Müller ins neue Kalenderjahr: «Wir haben zum Jahreswechsel kurz angestossen mit allen Mannschaften, die dort waren, doch der Sport stand in diesen Tagen klar im Vordergrund.»

Eine unerwartete Nomination

Sein erstes Nati-Aufgebot erhielt Luca Müller am 9. Dezember unkonventionell per WhatsApp-Nachricht. Trainer Dario Bettello habe sich dann später auch noch telefonisch gemeldet, stellt Müller klar. Er habe in erster Linie überrascht auf die Anfrage reagiert, sagt Müller: «Damit hätte ich zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht gerechnet. Bei Volley Schönenwerd hatte ich dieses Jahr in der NLA noch nicht viel Spielzeit und konnte mich deshalb auch nicht gross präsentieren.»

Ihm spielte sicher in die Karten, dass Teamkollege Leandro Gerber und Lausannes Angreifer Jovan Djokic verletzungsbedingt passen mussten. «Dadurch rutschte ich erst nach. Trotzdem macht es mich sehr stolz, das Nati-Dress tragen zu dürfen.»

2016 ist für die Schweizer Nationalmannschaft ein ereignisreiches Jahr. Die Qualifikationsspiele für die EM 2017 sowie die Ausscheidung für die WM 2018 stehen heuer an. Der «Novotel Cup», das Vierländerturnier in Luxemburg, diente als erste Standortbestimmung. Im Kader von Coach Bettello figurierten nebst Luca Müller zwei weitere Schönenwerder: Passeur Reto Giger und Mittelblocker Christoph Hänggi. Dazu vier Spieler von Näfels, drei Amriswiler und je ein Spieler von Jona und Luzern.

Drei Mal in der Startformation

Der Start ins Turnier glückte der Schweizer Equipe mit einem 3:1-Sieg gegen Island am 1. Januar. Einen Tag später folgte gegen den Gastgeber aber ein Dämpfer. Die Schweizer fanden erst nach einem 6:16-Rückstand im ersten Satz allmählich ins Spiel. Die Durchgänge zwei und drei waren zwar ausgeglichener, einen Satzgewinn konnten die Schweizer aber nicht verbuchen.

Am dritten Turniertag setzte es auch gegen Dänemark eine Niederlage ab und das Team von Bettello musste sich deshalb mit dem dritten Schlussrang begnügen. «Resultatmässig wäre sicher mehr dringelegen», so das Fazit von Debütant Müller. «Das 0:3 gegen Luxemburg war zu deutlich und auch mit dem 1:3 gegen Dänemark können wir nicht ganz zufrieden sein.» Für Müller selbst liefs indes nicht so schlecht. Er stand drei Mal in der Startformation, spielte gegen Island und Luxemburg durch. Sein Fazit: «Mit meiner persönlichen Leistung bin ich sehr zufrieden. Ich durfte mich in Luxemburg präsentieren und habe meiner Meinung nach einen guten Eindruck hinterlassen.»

Geduldsprobe in der NLA

Die Nationalmannschaft trifft sich erst im Mai wieder: Vom 19. bis 22. Mai kämpft die Schweiz in Georgien um einen Platz an der EM 2017. Die Gegner heissen Schweden, Aserbaidschan und Georgien. Wie gross die Chancen sind, wieder dabei zu sein, kann Müller nicht abschätzen, zu gross sei der Konkurrenzkampf auf der Aussenposition: «Mein Bonus ist sicher, dass ich der einzige Linkshänder bin. Meine Annahmen sind konstant und solide, dafür fehlt mir im Angriff – zum Beispiel im Vergleich zu Leandro Gerber – manchmal noch etwas die Durchschlagskraft.»

Er geht davon aus, dass Bettello im Mai die Spieler nominieren wird, die auch in der Meisterschaft bei ihren Teams regelmässig zum Zuge gekommen. Geduld ist also gefragt, denn Schönenwerds Trainer Nik Buser setzt im Angriff momentan auf die erfahreneren Spieler Jan Schnider und Leandro Gerber sowie den Australier Jordan Richards.

Noch begnügt sich Müller, der in den letzten beiden Jahren Schönenwerds zweite Mannschaft zum NLB-Titel geführt hat, mit der Reservistenrolle: «Ich warte so lange auf meine Einsatzzeit, wie ich muss, der Entscheid liegt beim Trainer. Ich werde meine Chance bekommen, hoffentlich schon bald.» Vielleicht setzt Schönenwerds Coach Buser ja schon am Samstag beim Auswärtsspiel in Lausanne auf seinen Neo-Nationalspieler.