Sie galt früh als Ausnahmekönnerin, und mitunter wurde sie als neue Anita Weyermann gehandelt. Und Andrina Schläpfer verblüffte: Vor drei Jahren realisierte sie an den Olympischen Jugend-Spielen (EYOF) mit dem Gewinn der Silbermedaille die erste international herausragende Leistung. Und das in einer Zeit von 2:41,65, neuem U20-Schweizer Rekord.

«Bis in jenem Jahr war alles wunderbar», blickt die 20-Jährige heute zurück. Die Perspektiven und Hoffnungen schwanden zusehends. Kein Unfall, keine Verletzung, sondern die Energie, die plötzlich fehlte.

«Nach dem Silvesterlauf 2010 kippte das Körpergefühl», blickt sie zurück. Abgekämpft, antriebslos fühlte sie sich. Symptome wie beim Pfeifferschen Drüsenfieber machte sie aus, doch die ärztlichen Abklärungen ergaben keinen eindeutigen Befund. Die Sprache war von einem viralen Infekt.

Eine schier unendliche Geschichte

Dass nun derart viel Geduld von ihr verlangt sein würde, ahnte Andrina Schläpfer nicht. Bis im April benötigte sie, bis sie wieder in Schwung zu kommen schien. Das trog. Ein Rückfall kostete sie die ganze Sommersaison.

Und als sie im Oktober ins Wintertraining einstieg, bremste sie nach wenigen Wochen ein Misstritt beim Sprungtraining: Bänderriss. Es folgten Kniebeschwerden. Doch trotz dürftiger Vorbereitung qualifizierte sie sich letzten Sommer für die U20-Weltmeisterschaften in Barcelona, wo sie «ohne Erwartungen sehr zufriedenstellend» abschnitt und den Final erreichte.

Der Kapitulation nahe

Doch die Freude war von kurzer Dauer. Nun bremste sie eine Entzündung der Plantarsehne, und die Möglichkeit, mit weiteren Topleistungen zu glänzen, musste sie begraben. Im Herbst flog sie in den US-Bundesstaat Arkansas, wo sie das erste Semester ihres Naturwissenschaftsstudiums begann.

Doch die Kombination mit dem Sport brachte nicht das Erwünschte. Schmerzen im Gesäss bremsten sie. Jetzt wars ihr zu viel. Sie brach die Zelte ab, kehrte heim und war «nahe am Aufhören». Sie stellte den Leistungssport infrage.

Andrina Schläpfer resignierte nicht. Seit März kann sie wieder laufen. Und Schläpfers Leistungsfähigkeit hat sich rasch verbessert. Im Training kommt sie wieder mit grösseren Umfängen zurecht.

Auf das erste Erfolgserlebnis musste sie nicht lange warten: die 4:18,47 und die neue persönliche Bestmarke. «Die Erleichterung ist gross, ab jetzt gilt nicht immer das 2010 als Massstab.»

Dank dieser Leistung fand Andrina Schläpfer Aufnahme ins Schweizer Team für die Team-Europameisterschaften Mitte Juni in Dublin, wo sie mit einem fünften Rang in einem taktischen Rennen erneut einen starken Eindruck hinterliess.

Und nun also folgt die U23-EM im finnischen Tampere. Allzu hohe Erwartungen dämpft sie: «Ich laufe gegen zwei Jahre ältere Konkurrentinnen mit deutlich stärkeren Bestzeiten und mehr Erfahrung, stelle mich also auf etwas Schwieriges ein.» Orientieren will sie sich an der eigenen Leistung. Ihre eigene Bestmarke bildet den Massstab.