Eishockey
Das lange warten auf die Playoffs – Ein Vor-oder Nachteil?

Beim EHC Olten läuft derzeit alles rund – schon fast beängstigend rund. Doch sich auf den Lorbeeren auszuruhen ist nicht möglich. Denn rein rechnerisch kann dem EHCO der Qualifikationssieg noch streitig gemacht werden.

Michael Forster
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Remo Hirt (l.) und Diego Schwarzenbach wollen auch gegen Ajoje einen Grund zum feiern haben.

Remo Hirt (l.) und Diego Schwarzenbach wollen auch gegen Ajoje einen Grund zum feiern haben.

HR.Aeschbacher

Die Situation ist vergleichbar mit einem Mehretappenrennen im Radsport: Ein Fahrer hat sich nach Rennhälfte vom Feld abgesetzt und seinen Vorsprung stetig vergrössert, währenddem sich die Gegner im Feld gegenseitig zermürbten. Jeder Gegenangriff wurde sofort gekontert, eine Aufholjagd im Keim erstickt. So weiss der Spitzenfahrer bereits 20km vor dem Ziel, dass er vom Verfolgerfeld nicht mehr eingeholt werden kann. Logisch, dass er jetzt ein wenig vom Gas geht und Kräfte spart. Die Rundfahrt ist noch lang, und ob er an diesem Tag mit sechs Minuten oder ein paar Sekunden Vorsprung siegt, das spielt im Nachhinein keine Rolle mehr. Hauptsache, er überquert den Zielstrich als Erster.

Qualifikation in eigenen Händen

In der genau gleichen Situation wie der Spitzenfahrer befindet sich derzeit der EHC Olten in der NLB-Meisterschaft. Der 14-Punkte-Vorsprung auf den ersten Verfolger Langnau, erarbeitet mit 14 Siegen in Serie, ist riesig. Die Oltner können zwar rechnerisch noch vom 1.Rang verdrängt werden, doch dieses Szenario wird kaum eintreffen. Denn im Rücken des Leaders knöpfen sich die Mannschaften regelmässig Punkte ab. Die Oltner haben es deshalb in den eigenen Händen, sich den Qualifikationssieg noch vor der einwöchigen Pause zu sichern. So komfortabel die Ausgangslage auf den ersten Augenblick scheint, so hat sie auch ihre Tücken. Während praktisch sämtliche Gegner des EHCO noch auf Punkte im Kampf um die Playoff-Qualifikation, kämpft der souveräne Leader in erster Linie mit sich selber.

Der letzte Biss fehlt

Er habe in seinen 17 Jahren beim EHCO noch nie einen derart entspannten Januar erlebt, meint beispielsweise Konditionstrainer und Physiotherapeut Jan Lestander, «die Stimmung ist, aufgrund der jüngsten Erfolge, wirklich grandios.» Gleichzeitig macht sie die Oltner aber auch erfolgsmüde. Der letzte Biss fehlt, das wurde im Thurgau deutlich. Doch Trainer Scott Beattie relativiert die Auswirkungen dieser temporären Sättigung: «Im Moment ist es sicher nicht einfach. Es liegt in unserer Natur, in so einer Situation, nicht ganz 100 Prozent zu geben.» Dass man eine Niederlage wie jene gegen den HC Thurgau aber so einfach hinnehme, das stimme nicht, so Beattie. «Wir wollen ganz bestimmt nicht verlieren. Es ist aber auch so in dieser ausgeglichenen Liga, dass man mit halber Kraft nicht gewinnen kann. So stark sind wir dann doch nicht.»

Verstärkungen? «No comment»

Wichtig werde sein, wie seine Mannschaft nach der Pause in die drei letzten Spiele der Qualifikation steige. «In dieser Phase muss es uns gelingen, das nächsthöhere Level für die Playoffs zu erreichen.» Ein Vorteil der komfortablen Ausgangslage ist sicherlich, dass der Coach noch einmal Gelegenheit erhält, in den Ernstkämpfen verschiedene Sachen zu testen. So wird man in den Playoffs flexibler, sollte man auf Ausfälle reagieren müssen.

Auf Verstärkungen angesprochen, verstummt Beattie. «No comment», so sein erster Kommentar, um dann doch zu ergänzen: «Wenn wir die Möglichkeit haben, unser Team zu verstärken, dann tun wir es.» Grundsätzlich sei man gut aufgestellt und nicht auf zusätzliche Spieler angewiesen. So wird es auch ein Roman Schild sehr schwer haben, sich ins Team zurückzukämpfen. Der Stürmer schob zwar gestern im Training Extraschichten, an einen Einsatz ist aber zumindest in der Ajoie nicht zu denken.