Was für andere der Spengler-Cup daheim auf dem Sofa mit dem Weihnachtsbaum im Visier und der Güezibüchse in Griffweite ist für viele regionale Tennisspielerinnen und -spieler der Silvester-Cup. Ein Turnier rund um die Festtage. «Für mich gehört das Turnier zu den Höhepunkten des Jahres», sagt Hobbyspieler Hans Hess.

Der am Donnerstag 50 Jahre alt gewordene Finanzfachmann ist nicht nur schon lange aktiv, sondern wirkte als Mitglied des gastgebenden TC Sporting Derendingen früher auch in der Turnierleitung mit. «Heute nehme ich es etwas ruhiger und konzentriere mich aufs Spielen.» Die Begegnung mit Gleichgesinnten ist für viele ein Reiz des Turniers. «Natürlich will jeder möglichst gut abschneiden, aber das Zusammensein ist auch toll und wertvoll», so Hess.

«Ich brauche den Wettkampf»

Vor vier Jahren erhielt der leidenschaftliche Sportfan die Diagnose Parkinson. Eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems also. «Ich stehe etwas unsicherer auf den Beinen als früher und ab und zu falle ich hin. Und die Reaktionsfähigkeit leidet auch», beschreibt Hess die Auswirkungen der Krankheit auf sein Tennis-Spiel. Solange es indes gehe, wolle er weiterspielen. Und nicht nur «chly hin und her bällele».

Nein, «ich brauche den Wettkampf, um Spass an der Sache zu haben.» So erstaunt es nicht, dass Hans Hess am Silvester-Cup gleich in zwei Tableaus – bei den Senioren und Jungsenioren R4/6 – antritt. Anfänglich sei er geschockt gewesen, als ihm der Arzt mitteilte, was er habe. «Inzwischen aber kann ich mir sagen, es gibt Schlimmeres und komme ganz gut damit klar.» Tennisspielen sei in dem Sinn etwas, «was mir sehr hilft, positiv mit der Krankheit umzugehen».

Ungeschlagen gegen Federer

Den Silvester-Cup hat Hess früher schon gewonnen. Höhepunkt seiner Karriere aber ist der Sieg 1993 als damals 29-Jähriger gegen den 12-jährigen Roger Federer. «Wir sind in einem Turnier in Allschwil aufeinandergetroffen.» Und Hess behielt gegen den damals bis zur Netzkante reichenden Federer 6:4 und 6:3 die Oberhand. Damit ist er bis heute einer der wenigen auf der Welt mit einer 1:0-Bilanz gegen den erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten.

«Das ist definitiv mein Karriere-Highlight.» Vielleicht war es just jene Begegnung, die den ambitionierten Hobby-Spieler dazu antrieb, Federer und Co. seit Jahren als Fan an Turnieren in ganz Europa, teilweise auch ennet dem Teich, zu begleiten. «Theoretisch gehöre ich zu den Top 10 der Welt», so Hess. Er habe so viele Cracks live gesehen und ihr Spiel studiert, dass er eigentlich haargenau wisse, wie man es machen muss. «Die Umsetzung ist halt nicht immer ganz einfach», lacht der Luterbacher.

Als Supporter des Davis-Cup-Teams ist Hess zusammen mit seiner rund 20-köpfigen Gruppe oft unterwegs. So natürlich zuletzt auch in Lille, als Wawrinka und Federer die hässlichste Salatschüssel der Welt erstmals in die Schweiz holten. «Das war ein sehr eindrücklicher Moment.» Vor allem die Siegerehrung sei sehr emotional gewesen.

In London im Gefängnis

Als Reisender in Sachen Tennis sind fürs 2015 bereits Einsätze in der Pipeline. In der ersten Davis-Cup-Runde tritt die Schweiz in Lüttich an. «Da wollen wir hin und geplant ist auch das US-Open.» Der Trip nach New York muss ja dann nicht wieder im Knast enden, wie vor Jahren jener nach Wimbledon. «Weil wir kein Ticket hatten, sind wir über einen Zaun geklettert», erzählt der Tennis-Fan. Er, Hess, habe sich im Gegensatz zu seinem Kollegen etwas plumpig angestellt und sei prompt erwischt worden.» Nach einer langen Stunden auf dem Posten «hat man mich dann wieder freigelassen.» Tja, Tennis kann auch ganz schön gefährlich sein.