Fussball
Das Interesse an der Akademie des FC Grenchen ist überschaubar

Nur 23 Junioren nahmen am Mittwoch Nachmittag am Selektionstraining mit Dolmetscher teil. Geleitet wurde das Training von Najib Melhli, neuer Trainer der ersten Mannschaft und Sportchef des FC Grenchen.

Jan Arnet
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Najib Melhli (links) testete am Mittwoch die Grenchner Junioren. Die Kommunikation bereitete durchaus Probleme – Melhli spricht kein Deutsch.

Najib Melhli (links) testete am Mittwoch die Grenchner Junioren. Die Kommunikation bereitete durchaus Probleme – Melhli spricht kein Deutsch.

Jan Arnet

Turbulent waren die letzten Wochen für den FC Grenchen. Nach dem finanziellen K.o. wurde der Traditionsverein von französischen Investoren über Wasser gehalten. Ob diese Entscheidung die richtige war, ist umstritten. Fakt ist: In den letzten Jahren resultierte aus einem Verein, der sich von ausländischen Investoren helfen liess, eher ein Trümmerfeld als ein Neuaufbau. Man erinnert sich an den tschetschenischen Geschäftsmann Bulat Tschagajew bei Neuchâtel Xamax, der zunächst als Retter gefeiert wurde, dann aber die Spielerlöhne nicht mehr zahlen wollte und schliesslich den Verein in den Ruin trieb.

An der Generalversammlung des FC Grenchen wurden die neuen Strukturen vorgestellt. Man wolle den Klub weiter bringen und sich in der Nachwuchsförderung steigern. Seit letzter Woche existiert die Fussball-Akademie des FC Grenchen. An zwei Mittwoch-Nachmittagen bekamen 8 bis 16-jährige Junioren die Chance, sich zu zeigen und wurden getestet – und dies von keinem geringeren als Najib Melhli, dem Trainer der ersten Mannschaft. Unterstützt wurde der elfmalige marokkanische Nationalspieler von Alain Marie, der die Investoren vertritt, sowie zwei Übersetzern, da Melhli kein Deutsch spricht. Die besten Spieler sollen rausgepickt werden und es in diese Fussball-Akademie schaffen.

Zuversichtliche Väter

Ein paar wenige Väter – an einer Hand abzuzählen – verfolgten das Training am letzten Mittwoch. Sie sind zuversichtlich, dass in Grenchen bald Besserung im Juniorenbereich einkehren wird. «Der FC Grenchen braucht professionelle Strukturen, auch im Nachwuchsbereich», sind sie sich einig. «In den letzten Jahren ging nichts mehr bei den Junioren. Die talentierten Kinder wurden sofort von Biel oder Solothurn geholt. Es ist an der Zeit, dass die Junioren auch hier gute Förderung erhalten und beim Verein bleiben.» Kritische Stimmen über die anderen Grenchner Vereine wurden zudem laut. «Am besten wäre es doch, wenn sich alle Grenchner Klubs vereinigen würden, so könnte man mit die besten Junioren von Wacker, Italgrenchen und dem FC Grenchen sehr erfolgreich werden. In Grenchen ist es momentan aber mehr ein Gegeneinander als ein Miteinander.»

Zahlreich besucht wurden die Trainings aber nicht. Am Mittwoch waren nur gerade mal 23 Kinder der C- und B-Junioren auf dem Trainingsplatz neben dem Brühl-Stadion anzutreffen – darunter einige Junioren, deren Talent bei Solothurn oder Biel nicht ausgereicht hatte.

Zuversichtlicher Trainer

Najib Melhli war trotz strömendem Regen zufrieden mit den ersten Tests. «Ich habe viel gesehen. Letzte Woche kamen über 50 Junioren, diese Woche waren es etwa 25. Als nächster Schritt werden wir die besten Spieler selektionieren, diese kommen dann in die Fussball-Akademie. Ich werde die Junioren begleiten und mit meinem Wissen helfen, wo ich kann.»