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Das Gewitter beim FC Solothurn ist noch nicht vorüber

Trotz oder just wegen der Querelen neben dem Rasen läuft es beim FC Solothurn derzeit sportlich wieder rund. Doch die peinlichen Hahnenkämpfe der Vereinsfunktionäre gehen weiter.

Michael Schenk
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Geht der sportliche Höhenflug des FC Solothurn trotz Theaterstadl neben dem Feld weiter?

Geht der sportliche Höhenflug des FC Solothurn trotz Theaterstadl neben dem Feld weiter?

Marcel Bieri

Seit über der Führungsetage des FC Solothurn ein Tornado wütet, läuft es auf dem Rasen sportlich wieder rund. Zuletzt holte sich das Team des von Teilen der Geschäftsleitung zum Rücktritt gedrängten Trainers Roland Hasler vier Punkte aus zwei Spielen (5:0 vs. Schötz/h, 1:1 vs. Köniz/a). Heute sollen gegen die U21 von Luzern (Hinspiel 0:0) weitere Punkte dazukommen. Dringend benötigte Zähler im Kampf gegen den nach wie vor latent drohenden Abstieg in die 2. Liga inter.

Zur Erinnerung: Die Querelen begannen, als die Gruppe um die Geschäftsleitungs-Mitglieder Stefan Aegerter (Präsident), Meinrad Schönbächler (Vize-Präsident) und Peter Grütter (Sportchef) aufgrund der misslichen, sportlichen Lage gegen Roland Hasler Opposition ergriff. Den bisherigen Höhepunkt erreichte der interne Zwist dann am Donnerstag, 18. April, abends um 20.30 Uhr, als die Anti-Hasler-Truppe mittels Pressekonferenz an die Öffentlichkeit gelangte und «spätestens per Ende Saison» Haslers Rücktritt forderte. Von dieser PK hatte weder Hasler noch sonst jemand der Gegenseite Kenntnis.

Als Nachfolger für den seit 2004 als FCS-Trainer tätigen Hasler stand der U21-Coach des FC Aarau, Thomas Binggeli, schon parat. Aegerter und Co. waren sich mit dem Ex-FCS-Spieler einig. Tags nach der PK jedoch kam die Retourkutsche der Pro-Hasler-Fraktion. Der Gruppe um die GL-Mitglieder Jürg Naegeli (Information) und Ronald Vetter (Nachwuchschef) also. Zusammen mit fünf weiteren Vorstandsmitgliedern enthob besagte «Partei» die «Opposition» kurzerhand ihrer Ämter und Kompetenzen. Dieses mittels Zirkular-Mehrheitsbeschluss vom 19. April.

Nach erster juristischer Begutachtung ist man sich auf der Anti-Hasler-Seite inzwischen indes einig, «dass dieser Zirkular-Mehrheitsbeschluss vor einem zivilen Gericht nicht standhalten würde», so Ex-Vize Schönbächler. Bis allerdings ein solches letztinstanzliches Dekret vorläge, hätte die neue Saison vermutlich schon längst begonnen. «Ein Zusammenarbeiten der beiden Lager ist sowieso nicht mehr möglich», hält Schönbächler fest.

Also werden die «abgewählten» GL-Mitglieder wohl eh nicht mehr in ihre Ämter zurückzukehren (wollen). Formaljuristisch korrekter «Abschuss» oder nicht. Nebst dem Präsidenten, dem Vize und dem Sportchef waren der Marketingchef und die Finanzchefin schon früher freiwillig zurückgetreten.

Der den Abgewählten in besagtem Zirkular-Mehrheitsbeschluss gemachte Vorwurf, dass sie von der Generalversammlung und nicht wie statutarisch vorgeschrieben vom Vorstand in die Geschäftsleitung gewählt wurden und demzufolge gar keine rechtsgültigen Geschäfte mehr hätten tätigen dürfen, hält jedoch nicht dicht. Vorab, weil demzufolge de facto auch alle anderen, noch im Amt befindlichen GL-Mitglieder (u.a. Hasler, Naegeli und Vetter) nicht rechtswirksam gewählt sind. Man kann das Ganze allerdings auch so sehen – wobei das letztlich keine Rolle mehr spielen dürfte –, dass die Vorstandsmitglieder auch Teil der GV waren, welche die GL-Mitglieder am 23. August 2012 gewählt hat. Dann wiederum wären alle Geschäftsleitungsmitglieder, so wie sie Anfang Jahr noch im Organigramm erschienen waren, ordentlich gewählt.

Item: Die Pro-Hasler-Fraktion jedenfalls hat inzwischen Kandidaten mobilisiert, die bereit sind, die primär fürs Tagesgeschäft wichtigen Vakanzen in Vorstand und Geschäftsleitung zu besetzen. «In erster Linie sind dies ein Finanz-, Sport- und Marketingchef», sagt GL-Mitglied Jürg Naegeli. Es handle sich dabei um zuverlässige Leute aus den eigenen Reihen, die bereits in einer Funktion im FCS tätig sind.

Leute, die aus dem Nachwuchssektor stammen, und deren Namen man noch nicht preisgeben wolle. Naegeli: «Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass es Mitte Mai wieder eine funktionierende Geschäftsleitung beim FC Solothurn gibt.» Die entsprechende, ausserordentliche Vorstandssitzung, an der alle Geschäftsleitungs-Mitglieder bestätigt oder eben neu gewählt werden sollen, ist auf den 14. Mai geplant.

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