Handball
Das Duell des kleinen gegen den grossen Bruder

Die Handballer vom TV Solothurn haben heute in der CIS Halle ihren grossen Abend: Der grosse Bruder BSV Bern aus der Nationalliga A tritt im Schweizer Cup bei seinem Partnerverein aus der 1. Liga an.

Hans Peter Schläfli
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Hier setzt Flügelstürmer Oliver Zimmermann für den TV Solothurn zum Angriff an.

Hier setzt Flügelstürmer Oliver Zimmermann für den TV Solothurn zum Angriff an.

Hans Peter Schläfli

«Das wird ein ganz spezielles Spiel, denn wir kennen uns alle bestens», sagt Oliver Zimmermann vor dem Höhepunkt des Jahres. Der Match beginnt um 20 Uhr.

Auf verschiedenen Ebenen ist es das Duell des kleinen Bruders gegen den grossen Bruder. Die Väter der Solothurner Spieler Tim Weber und Daniel Althaus gehören dem Verwaltungsrat des BSV Bern an, Junioren wie Alain Blaser, Marco Strahm oder Tim Weber trainieren mit dem NLA-Team.

Nicola Moggi schoss am letzten Wochenende sogar seine Tore für den BSV Bern, bei dem mehrere Spieler verletzt ausgefallen sind. Doch der Cup hat seine eigenen Regeln. Die Partnerteams dürfen sich nicht gegenseitig aushelfen. Im Cup darf jeder nur für seinen Stammklub spielen. Moggi wird also heute mit Solothurn auflaufen.

«Traumtag» ist nötig

Trotzdem sind die Rollen klar verteilt. «Auf den ersten Blick denken alle, dass wir keine Chance haben», sagt Zimmermann. «Aber wir werden den Sieg nicht verschenken. Wir werden alles geben und versuchen, eine Überraschung zu schaffen. Es ist uns aber auch bewusst, dass jeder einen Traumtag erwischen muss.» Seit er einen Ball fangen kann, spielt der 25-jährige Flügelstürmer beim TV Solothurn.

Mit 180 Zentimetern gehört er im Handball eher zu den Kleinen. Ist das gegen die 2-Meter-Hünen mit 110 Kilos nicht ein Nachteil? «Man muss andere Qualitäten in die Waagschale werfen», erklärt Zimmermann. «Auf dem Flügel ist es wichtiger, flink und wendig zu sein.» Handball ist ein ruppiger Sport. «Aber wir wissen, wann wir loslassen müssen, damit wir uns nicht verletzen», meint Zimmermann. Seine Tore zählt er nicht. «Die Erfolgsquote ist wichtig. Ein Flügel wirft idealerweise alleine vor dem Goalie. 70 bis 80 Prozent sollte die Wurfquote da schon sein.»

In der Meisterschaft läuft es dem TV Solothurn ausgezeichnet. «Wir haben zwar gegen Biel nicht so gut gespielt, aber am Ende doch sicher gewonnen», blickt Zimmermann auf das Spiel vom Wochenende zurück. Mit sechs Siegen aus sechs Runden ist Solothurn alleiniger Tabellenführer in der Gruppe 3 der 1. Liga. Die Aufstiegsspiele sollten also problemlos erreicht werden können. Er will aber noch mehr: «Wir gehören in die Nationalliga B.»

Ein harter Moment

Schon im vergangenen Frühling hätte der Aufstieg geschafft werden müssen, aber dann verlor Solothurn total überraschend die beiden letzten Spiele. Die Nerven hatten versagt. «Das war für mich als Handballer der bisher härteste Moment», blickt Oliver Zimmermann zurück.

Andere Mannschaften wären an dieser Enttäuschung zerbrochen. Nicht so der TV Solothurn. «Zum Glück kam dann gleich die Sommerpause. Wir sind zusammengeblieben und haben beschlossen, dass wir es noch einmal zusammen versuchen wollen. Mit der Erfahrung werden wir es diesmal in den Aufstiegsspielen besser machen. Ich will unbedingt dieses Gefühl spüren und den Aufstieg feiern», so Zimmermann weiter.

Einen Vorgeschmack auf diese grossen Gefühle könnten die Solothurner schon heute Abend erleben, falls ihnen im Cup gegen den grossen Bruder BSV Bern eine Sensation gelingt.

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