Eishockey
Das bittere Ende der Langenthaler Rekordsaison

Blues statt Rock’n’Roll in Langenthal. Aber in ein paar Wochen wird bei Langenthals Manager Gian Kämpf die gute Laune zurückkehren: Sein Unternehmen hat die beste Saison aller Zeiten hinter sich.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Die Enttäuschung steht den Spielern des SC Langenthal nach dem Playoff-Out im Gesicht geschrieben.Key

Die Enttäuschung steht den Spielern des SC Langenthal nach dem Playoff-Out im Gesicht geschrieben.Key

key

«Ach, es war so schön angerichtet...» sagt Gian Kämpf ein bisschen wehmütig. Der SCB nicht mehr in den Playoffs, das ganze Hockeyinteresse zwischen Bareggtunnel und Grauholz konzentrierte sich auf einen NLB-Jahrhundertfinal zwischen dem SC Langenthal und den SCL Tigers. Aber eben: Langenthal verlor das Halbfinale gegen Visp.

Ein NLB-Final gegen die Langnauer hätte dem SC Langenthal viel Prestige und Medienpräsenz und auch Mehreinnahmen gebracht. Zumal die Finalprämien für die Spieler durch Sponsoren bezahlt worden wären. «Aber der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen», sagt Kämpf. «Wir hätten ja auch mehr Kosten gehabt.» Der entgangene Final gegen Langnau schmerze einfach in der Seele. Weniger in der Kasse.

Erstmals seit 2002 kein Verlust

Der SC Langenthal wird erstmals seit dem Wiederaufstieg von 2002 kein Geld verlieren und die Jahresrechnung bei einem Umsatz von knapp 4 Millionen mit schwarzen Zahlen abschliessen. Erstmals in der Klubgeschichte kamen pro Qualifikationspartie im Schnitt mehr als 2000 Fans (2336). «Wir sind jetzt zum dritten Mal hintereinander in den Halbfinal gekommen», sagt Kämpf. «Wir haben uns als Spitzenteam etabliert.» Die Voraussetzungen seien gegeben, dass das so bleibe. Zwar wird es noch zwei oder drei Wechsel geben. Und Kultverteidiger Noel Guyaz ist als Persönlichkeit auf dem Eis und in der Kabine nicht zu ersetzen. Er wird dem Klub als Sportchef erhalten bleiben. «Aber die wichtigsten Positionen sind gut besetzt», sagt Kämpf. Er meint damit Torhüter Marc Eichmann, die beiden ausländischen Stürmer Brent Kelly und Jeff Campbell und Leitwolf Stefan Tschannen. Und zudem sei es gelungen, zwei Junioren (Minder, Küng) in die erste Mannschaft zu integrieren.

Allerdings wird erst die neue Saison eine heikle Frage beantworten: Wie stark hat die Autorität von Trainer Oliver Horak durch das Ausscheiden im Halbfinal gelitten? Auch wenn der Langnauer das Saisonziel Halbfinal erreicht hat – die Art und Weise, wie die Langenthaler gegen Visp mit Karacho untergegangen sind, hat nicht nur dem Geschäftsführer vorübergehend die Laune verdorben.

McSorley des armen Mannes

Oliver Horak ist nicht Profitrainer. Er ist Besitzer und Geschäftsführer einer Verladetechnik-Firma in Huttwil und coacht die Langenthaler im Nebenamt. Der temperamentvolle Bandengeneral ist im Wesen und Wirken durchaus ein Chris McSorley des armen Mannes und war nach dem Ausscheiden so sauer, dass er drei Tage lang für hockeytechnische Fragen nicht mehr zu erreichen war. Gian Kämpf sieht keinen Grund zur Sorge: «Oliver Horak ist der erste SCL-Trainer seit dem Wiederaufstieg, der auf Anhieb das Saisonziel erreicht hat.» Selbst Heinz Ehlers, der Meistercoach von 2012, sei in seiner ersten Saison im Viertelfinal gescheitert.

Das Ziel für nächste Saison ist wiederum eine ausgeglichene Jahresrechnung und das Erreichen der Halbfinals.