Céline und Lucien Gut sind auf dem Beachvolleyball-Feld gross geworden, wie die Oltner selber sagen. Ihr Vater Stefan Gut hat vor rund zwanzig Jahren für den Bau von drei Beachfeldern neben der Badi in Aarburg gesorgt. «Er hat uns von Anfang an gefördert und einige Jahre trainiert», ist Céline ihrem Vater dankbar. «Da ich quasi im Sand aufgewachsen bin, war für mich schon früh klar, dass Beachvolleyball mein Sport ist. Mit zwölf Jahren habe ich richtig angefangen damit.»

Bei ihrem jüngeren Bruder brauchte es länger, bis die Begeisterung fürs Beachen entfacht war. «Ich bin nie gerne mitgegangen nach Aarburg», verrät er. «Aber ich musste halt mitmachen, weil sie sonst zu wenig Spieler für ein Match gewesen wären.» Zuerst testete er andere Sportarten wie Landhockey, Tennis und Fussball, ehe er vor fünf Jahren dann doch den Fokus aufs Beachvolleyball legte.

Lucien hat offensichtlich aufs richtige Pferd gesetzt. Mit zwei starken Resultaten beendete er Ende August die Beachsaison 2016. Das letzte Turnier war die Schweizer Meisterschaft der U21-Junioren in Tenero. «Ich war wohl der kleinste Blockspieler an dieser SM», blickt Lucien schmunzelnd zurück. Normalerweise sei er eher der Defensiv-Spieler. Doch der Rollentausch zahlte sich voll aus. Zusammen mit Partner Marco Back marschierte Lucien Gut ungeschlagen in den Final. Dort machte das favorisierte Duo Mika/Köpfli Lucien Guts Goldträume zunichte. «Trotz der Finalniederlage wars ein sehr positives Saisonende», freut er sich trotzdem.

Gut-Doppelsieg im Aargau

Eine Woche davor hatte er sich, diesmal im Team mit Kilian Kasper, den Aargauer Meistertitel in der höchsten Kategorie gesichert. Die Guts dürfen an den Aargauer Meisterschaften starten, weil sie bei einem Aargauer Klub Volleyball spielen. Lucien in der 1. Liga bei Kanti Baden, Céline ist kürzlich zum Zweitligisten Aarburg Zofingen gewechselt. Höher zu spielen, liege momentan zeitlich nicht drin. Céline sorgte an den Aargauer Meisterschaften für den totalen Triumph der Geschwister Gut. Auch sie gewann die Goldmedaille, zusammen mit ihrer Partnerin Simone Bürgler.

Es war ein starker Abschluss einer ansonsten schwierigen Saison. Sie musste sich im vergangenen Jahr einer Hüftoperation unterziehen lassen und konnte heuer noch nicht wieder wunschgemäss trainieren. «Ausser ganz zum Schluss hat es diese Saison nicht zu einem Top-Resultat gereicht, ein wirklich schlechtes Turnier haben wir aber nicht eingezogen.» Mittelmässig liefs auch an den Schweizer Meisterschaften in Bern zum Saisonabschluss. Weil sie wegen einer Grippe im Vorfeld drei Tage flachlag, war schon die Vorbereitung nicht optimal. Das Duo musste sich mit Platz neun begnügen.

Ein ganz zentraler Faktor beim Beachvolleyball ist die Partnerwahl. «Zwei gute Einzelspieler sind zusammen nicht automatisch erfolgreich», führt Lucien aus. «Es muss auf dem Feld harmonieren, sonst fehlt in den entscheidenden Momenten einfach etwas.» Céline legt ebenfalls Wert darauf, dass sie sich auch neben dem Feld gut versteht mit ihrer Mitspielerin.

Auf die Frage, ob sie beide denn ein gutes Mixed-Team abgeben würden, reagiert Lucien sofort mit vehementem Kopfschütteln. «Céline ist viel zu kritisch», sagt er grinsend, «damit kann ich nicht umgehen, weil ich viel zu stur bin.» Seine Schwester interveniert: «Mittlerweile bin ich auf dem Feld doch ein bisschen gelassener geworden. Aber wir haben tatsächlich schon sehr lange nicht mehr zusammen gespielt.»

Das wird sich auch nicht so schnell ändern, denn Bruder und Schwester verfolgen natürlich ihre ganz persönlichen Ziele. Céline, die gestern ihren 22. Geburtstag feierte, will auch in den nächsten Jahren vor allem bei regionalen Titelwettkämpfen vorne dabei sein. Etwas ambitionierter klingts beim 19-jährigen Lucien. Er will zumindest in der Schweiz ganz an die Spitze kommen: «Mein Vater hat mir mal gesagt, dass ich jede Saison eine Liga aufsteigen sollte. Das ist mir bis jetzt gelungen.»

Jetzt ist aber erstmal eine Pause angesagt bei den Guts. Im Winter spielen sie in der Halle. Im Frühling geht die Vorbereitung für die nächste Saison los, die ersten Turniere finden im April statt. «Vielleicht habe ich nächstes Jahr die Chance, am Beachevent in Olten im Hauptfeld anzutreten», hofft Lucien Gut, «das wäre eine coole Sache.»