Dariusz Skrzypczak, Sie sind seit anderthalb Saisons Trainer beim FC Solothurn. Ihre Quote in dieser Zeit ist beeindruckend: Ihre Mannschaft gewann 33 von 44 Meisterschaftsspielen, dazu 6 Unentschieden und nur 5 Niederlagen. Wer ist am meisten für den Erfolg verantwortlich?

Dariusz Skrzypczak: Es liegt an uns allen. Ich habe eine sehr starke Mannschaft zur Verfügung. Diese habe ich allerdings nicht selbst aufgebaut, sondern von meinem Vorgänger «Bidu» Zaugg, der jetzt als Sportchef arbeitet und eine grossartige Unterstützung ist, übernommen. In den letzten eineinhalb Jahren nahm ich gezielte Korrekturen am Kader vor. Ich suchte Spieler, die uns noch besser machen. Das ist gelungen. Es liegt also nicht allein an mir oder der Mannschaft, alle im Verein ziehen am gleichen Strang.

Nur fünfmal mussten Sie als FCS-Trainer als Verlierer vom Platz. Eine Niederlage war indes ganz bitter: Das 0:3 am 9. Juni in Münsingen, welches die Aufstiegsträume am Ende der vergangenen Saison platzen liess. Denken Sie ab und zu noch an diesen kapitalen Match?

Nein, das Münsingen-Spiel ist abgehakt. Als ich die Mannschaft übernommen habe, wusste ich, dass sie ein ausserordentliches Potenzial hat. Es war unser Traum und auch das Ziel, die Aufstiegsspiele zu erreichen. Denn wir würden gerne rauf in die Promotion League. Leider hat es am Schluss nicht ganz gereicht. Doch wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir unsere 1.-Liga-Gruppe dominieren und am Ende mit 15 Punkten Vorsprung gewinnen, hätte ich dies nicht geglaubt oder erwartet. Wir machten im Verlauf der letzten Saison riesige Fortschritte, nur im letzten Spiel hat leider etwas gefehlt. Doch rückblickend betrachtet können wir stolz sein auf die Saison. Auf unsere Leistungen und wie gesagt auf die Fortschritte, die wir erzielten.

Trotz harzigem Auftakt mit nur zwei Punkten aus den ersten vier Spielen reichte es auch in der laufenden Saison zum Wintermeistertitel für den FC Solothurn.

Wir können mit der Vorrunde definitiv zufrieden sein. Aus diversen Gründen lief die Saisonvorbereitung etwas anders als im Vorjahr. Wegen Auslandaufenthalten fehlten zum Beispiel wichtige Spieler in dieser Phase. Die Saison begann leider mit zwei bitteren Niederlage gegen Zofingen und Luzern. Gerade weil wir letztes Jahr eine so starke Saison hatten, waren wir nach den ersten vier Spielen unzufrieden und auch enttäuscht. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt nicht optimal. Aber ich wusste, dass wir unseren Weg gehen und die alte Stärke wiederfinden werden, wenn wir Ruhe bewahren. Mir war klar, dass sich die Mannschaft von diesem Fehlstart erholen würde. Es freut mich, dass die Spieler in dieser Situation nicht die Nerven verloren haben, sondern kontinuierlich weiterarbeiteten. Und ich freue mich natürlich auch, dass wir trotzdem noch den ersten Platz holten. Die neun Sieg und zwei Unentschieden in den letzten elf Spielen sprechen für die Mannschaft.

Der Vorsprung auf den ersten Verfolger FC Black Stars beträgt einen Punkt, auf den GC-Nachwuchs sind es deren zwei. Dahinter lauern Delémont und Biel. Werden diese Teams auch in der Rückrunde die Kandidaten für die Plätze in den Aufstiegsspielen sein?

Zuerst muss ich sagen, dass die Konkurrenz definitiv nicht geschlafen hat. Einige Klubs konnten sich deutlich verstärken auf die neue Saison. Ich denke, dass die Klubs, die zurzeit in der Spitzengruppe sind, auch in der Rückrunde vorne sein werden. Ich gehe davon aus, dass die Gegner in der Winterpause nochmals aufrüsten. Ich würde es ja auch tun an ihrer Stelle (lacht).

Ein Spieler stand während der Vorrunde jede Minute auf dem Platz für den FC Solothurn. Sie wissen, wer es ist?

Klar, das ist Verteidiger Fabian Kohler. Schon in der vergangenen Saison verpasste er nur ein Spiel. Er ist einer, der immer im Training ist. Ich freue mich für ihn, dass er jetzt schon sehr lange so fit ist. Aber für mich ist natürlich jeder Spieler wichtig. Es gibt noch einige andere Spieler, die sehr viel zum Einsatz kamen in der Vorrunde.

Die Konstanz in der Aufstellung ist auffällig. Mit Loic Chatton, Altin Osmani, Sacha Stauffer und Leo Schrittwieser kamen vier weitere Spieler in allen 14 Matches zum Einsatz. Robin Müller musste nur einmal passen, diverse Spieler verpassten zwei Partien. Verletzungssorgen scheinen Sie nicht zu kennen?

Wir setzen alles daran, dass jeder Spieler immer optimal vorbereitet ist. Dafür braucht es den ständigen Austausch mit der Medizinabteilung. Wir müssen immer genau wissen, ob die Spieler müde sind und wer welche Blessuren hat. Monitoring nennt sich das. Zudem überlegen wir immer, was wir in Sachen Training und Regeneration noch verbessern können. Dass wir kaum Verletzte haben, führt zu einem sehr guten Niveau in jedem Training und ist entscheidend für den Erfolg.

Einen Spieler muss man hervorheben: Loic Chatton, der in der Vorrunde, wie schon in der ganzen letzten Saison, der mit Abstand treffsicherste Solothurner war.

Das ist seine Aufgabe. Loic ist einer, der in jedem Spiel für mindestens ein Tor gut ist. Vor allem in den letzten Spielen erzielte er konstant seine Tore. Es freut mich, einen Stürmer von seinem Format im Kader zu haben. Wir haben aber auch viele andere Spieler, die Tore schiessen können. Deshalb sind wir so unberechenbar für jeden Gegner.

Wann gehts in die verdiente Winterpause?

Wir trainieren noch etwa einen Monat, Mitte Dezember wird das letzte Training des Jahres 2018 stattfinden. Über Weihnachten und Neujahr sollen sich die Spieler dann erholen. Am 14. Januar werden wir die Vorbereitung für die Rückrunde aufnehmen.

Sind Transfers geplant?

Wir wissen noch nicht, ob wir neue Spieler holen auf die Rückrunde hin. Eigentlich besteht kein Bedarf. Wenn, dann müssten es Spieler sein, die uns klar besser machen. Ich hoffe auf der anderen Seite, dass alle Spieler bleiben. Weil wir in den letzten Jahren so gute Leistungen gezeigt haben, erhalten die Spieler viele Angebote von anderen Klubs. Wenn einer geht, sollte er aber in einer höhere Liga wechseln, sonst macht es in meinen Augen keinen Sinn.

Wie nützen Sie Ihre Freizeit während der Winterpause?

Ich versuche mich als Trainer immer zu verbessern. Deshalb werde ich einige Kurse besuchen und mir ein paar Spiele der Challenge League oder auch Super League anschauen. Als Trainer musst du immer am Ball bleiben. Auf der anderen Seite werde ich mehr Zeit mit der Familie verbringen. Ich besuche meine Verwandten in Polen, das bringt mir eine gute Balance.