Fussball
Dank Mut zum Risiko zum letztlich ungefährdeten Klassenerhalt

Eine Analyse zur abgelaufenen Saison des FC Solothurn.

Michael Schenk
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Der FC Solothurn konnte dank einer starken Rückrunde den Ligaerhalt feiern.

Der FC Solothurn konnte dank einer starken Rückrunde den Ligaerhalt feiern.

Marcel Bieri

20 Punkte hat der FC Solothurn in der Rückrunde unter dem auf diese hin neu eingesetzten Trainer Aziz Sayilir geholt. Damit gehörten die Ambassadoren zu den Besten. In der Vorrunde unter Patrik Grolimund totalisierte man 12 Punkte. Zahlen, die den Schluss zulassen, dass sich der Trainerwechsel gelohnt hat. Freilich wäre es falsch, jetzt alles Lob nach dem geglückten Ligaerhalt ausschliesslich dem neuen Coach zuzuschreiben und dessen Vorgänger zu vergessen. Wichtige Transfers auf die Rückrunde hin wurden bereits unter Grolimund eingefädelt. So etwa jene des 33-jährigen Routiniers Andreas Heiniger, jener von ex-Wangen-Goalie Vilson Dedyj oder derjenige Tolga Mertoglu, dem ex FCZ-Profi und YB-U21-Spielers. Drei Fussballer, die dem äusserst jungen Team die zweifellos nötige Hierarchie und Sicherheit einhauchen konnten.

Ex-Nationalliga-Spieler und Sportlehrer Heiniger konnte zwar nur die letzten acht Meisterschaftsspiele bestreiten, trotzdem war er «Regisseur» auf und neben dem Platz. Ausbeute dieser acht Spiele: 16 Punkte. Aus beruflichen und familiären Gründen wird Heiniger den Klub indes verlassen. Ob Dedaj oder Mertoglu bleiben ist offen. Der FCS würde beide gern behalten, will indes seinen finanziellen Rahmen um keinen Preis sprengen.

Keine unnötigen Abenteuer

Am Vereinsbudget von rund 800 000 Franken, das die gesamte und starke Nachwuchsabteilung mit 270 Junioren und 30 qualifizierten Trainern mitbeinhaltet, soll nicht gerüttelt werden. Keine roten Zahlen lautet die Parole. Die fünfköpfige Geschäftsleitung will ihrer Maxime diesbezüglich treu bleiben, tönt es. Das Führungs-Quintett – Capelli (Marketing), Naegeli (Kommunikation), Vetter (Technischer Verantwortlicher und Nachwuchschef), Lüthi (Sportchef) und Fernàndez (Transferchef) – wird den FC Solothurn auch nächste Saison mehrheitlich nebenamtlich operativ führen. Unglücklich über Verstärkung wäre die Geschäftsleitung nicht. Ob sich die dann Präsident nennt oder nicht – das Amt ist noch nicht besetzt – sei dahingestellt. Hauptsache die ·«Zuzüge» oder die verfügten über Kompetenzen, Kontakte und Zeit.

Stamm bleibt bestehen

Rund zehn Spieler aus dem aktuellen FCS-Kader haben für die nächste Saison unterschrieben. Der Stamm bleibt somit beieinander. Auch Coach Aziz Sayilir liegt eine Offerte zur Vertragsverlängerung vor. Die Wahrscheinlichkeit dürfte hoch sein, dass der türkisch-schweizerische Doppelbürger, der bei seinem Amtsantritt – notabene wie sein Vorgänger Grolimund auch – von vielen noch als «Risiko» eingestuft worden war, weitermacht. Risiko hier im Sinn von fehlender Erfahrung auf dieser Stufe. Sayilir hat jedoch der Mannschaft, die er grösstenteils bereits aus der U16 her kannte, trotz latenter Abstiegsgefahr und entsprechendem Druck das nötige Selbstvertrauen vermitteln können. Ein wichtiger Befreiungsschlag punkto Ligaerhalt war gewiss der 4:0-Erfolg im zweiten Spiel unter Sayilr zu Beginn der Rückrunde. Dies nachdem das erste – im Cup allerdings — mit 2:6 stotzig Bach ab ging. Der vielleicht entscheidende «Gamechanger» hin vom Verlierer- zum Siegerteam war Mitte April das Heimspiel gegen Schötz, als der FCS ein 0:2 in ein 3:2 verwandelte und tolle Moral bewies.

Routine ist unumgänglich

Die Saison 2013/14 hat gezeigt – allein mit 18- und 19-jährigen Eigengewächsen wird es derzeit für den FC Solothrun noch schwierig, sich in der 1. Liga zu halten. Zumal die stärksten Junioren - derzeit drei aktuelle U17-Nationalspieler – im Rahmen der Nachwuchsbewegung jeweils zum FC Basel wechseln. Ergänzt indes mit zwei, drei Routiniers, die für Leadership einerseits sowie Ruhe und Top-Leistung in entscheidenden Phasen andererseits sorgen, kann eine 1.-Liga-Elf wie die Jetzige viel erreichen. Insofern ist es um die sportliche Perspektive des FC Solothurn ziemlich bestellt. Weil: In zwei, drei Jahren sind die Jungs, die heute am Werk sind, selber «Routiniers». Dann könnte die Vision einer FCS 11 – elf Spieler also auf dem Platz also die ihre Wurzeln oder Teile davon beim FC Solothurn haben – wahr werden. Vorausgesetzt natürlich, man vermag die Truppe – mit den gegebenen, finanziellen Mitteln – zusammen zuhalten.