Triathlon
Daniela Ryf, die Sportlerin und neu auch die Studentin

Die Solothurnerin Daniela Ryf ist trotz Doppelbelastung auf der Erfolgsspur. Zuletzt konnte Ryf, die seit einigen Monaten neben dem Sport studiert, die EM-Titel über die olympische Distanz ohne Windschattenfahren und die halbe Ironman-Distanz feiern.

Rainer Sommerhalder
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Daniela Ryf kann nach einigen Rückschlägen in der Vergangenheit endlich wieder jubeln. keystone

Daniela Ryf kann nach einigen Rückschlägen in der Vergangenheit endlich wieder jubeln. keystone

KEYSTONE

«Europameisterin!! Es war das perfekte Rennen», postete Daniela Ryf am Sonntagabend auf Facebook. «Ich habe meine Prüfungen bestanden!! Ich bin so glücklich und erleichtert» lautete der Eintrag fünf Tage zuvor. Seit einigen Monaten bringt die 26-Jährige Studium und Leistungssport unter einen Hut, nachdem sie zuvor während fünf Jahren als Profi rund um die Welt tingelte. Zu schaden scheint Ryf die Doppelbelastung nicht.

Im Gegenteil: Nach zwei Jahren mit vielen gesundheitlichen Fragezeichen und sportlichen Rückschlägen blüht die Solothurnerin in jeder Beziehung auf. Zuletzt wurde sie in Zürich Europameisterin auf der olympischen Distanz ohne Windschattenfahren und gewann in Wiesbaden die EM über die halbe Ironman-Distanz. Und das bei ihrem allerersten Wettkampf dieser Art.

«Gesundheitlich geht es mir wieder gut, seit ich in die Schweiz zurückgekehrt bin», sagt Ryf, die sich nach fünf in Australien verbrachten Wintern sogar ein wenig auf die Kälte gefreut hatte. «Meine Form kam zwar dadurch deutlich später, aber jetzt ist sie da, und ich spüre, dass ich mich noch weiter steigern kann», sagt Ryf.

Es tönt wie eine weitere Ankündigung, denn in einer Woche fliegt die in Feldbrunnen wohnende zweifache Olympiateilnehmerin in die USA, wo am 1. September der US-Final im Rennen ohne Windschatten in Iowa und eine Woche später die Weltmeisterschaft im Half-Ironman in Las Vegas stattfinden. Für Ryf das ganz grosse Saisonziel.

Bereits vor ihrer Premiere über die Ironman Halbdistanz, hatte sie angekündigt, sie reise nach Wiesbaden, um zu gewinnen. Nicht nur dieses Selbstvertrauen ist eine Folge des «neuen Lebens» von Daniela Ryf als Studentin. Wenn man sie reden hört, spürt man ihre Zufriedenheit und Zuversicht beinahe bei jedem Satz.

Obwohl es «eine Riesenumstellung» gewesen und mit dem Studium die Zeit zur Erholung massiv eingeschränkt sei, «und ich nach einem harten Training nicht einfach mehr, wie früher einen Mittagsschlaf einlegen kann», habe ihr der geregelte Tagesablauf und die strukturierte Woche mit klaren Aufgaben gut getan.

Sie verspüre eigentlich nie Stress. «Und wenn ich jetzt in einem Trainingslager bin, dann fühlt sich das wie Ferien an, egal wie hart es sportlich sein mag», sagt sie und muss ob dieser Aussage selber lachen.

Vorher sei einfach alles in ihrem Leben auf den Spitzensport ausgerichtet gewesen. Das Studium ist nicht nur eine Investition in die Zukunft, «sondern auch etwas für meinen Kopf». Der Einstieg sei aber hart gewesen. «Es ist schon erstaunlich, wie schnell das Hirn einrostet. In Fächern wie Mathematik oder Physik musste ich mich zuerst richtig hineinkämpfen», sagt sie.

Die angehende Lebensmitteltechnologin verbringt durch ihr geändertes Wettkampfprogramm auch mehr Zeit in ihrer Heimat. «Zumindest vom Gefühl her.» Und sie hat gemerkt: «Wohl fühlt man sich dort, wo man daheim ist.» Der Verzicht auf die «World Championship Series», die prestigeträchtigste Triathlon-Wertung, hat ihr viel vom Stress genommen. «Um dort Erfolg zu haben, muss man immer bei 100 Prozent Leistung sein. Mit 99 Prozent bist du schon nicht mehr konkurrenzfähig. Ich hatte Ende des letzten Jahres das Gefühl, dass ich mir diesen Druck nicht mehr antun will», sagt die Solothurnerin. «Ich fühle mich jetzt an den Rennen nun viel relaxter.»

Auch punkto Training geht Studentin Ryf pragmatischer vor. «Ich habe meinen Wochenplan und schau dann je nach Belastung in der Schule, welche Einheit wann Platz hat». Auch das sei ein Lernprozess gewesen. «Ich trainiere jetzt sicher viel flexibler», sagt sie und schiebt vehement nach, «aber nicht lockerer.» Ihre jüngsten Erfolge sind dafür Beweis genug.