Handball
«Dabei wäre Handball so einfach»

Erstligist TV Solothurn gewinnt nach einem Hitchcock-Final gegen Vikings Liestal 25:24

Hans Peter Schläfli
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Dabei wäre Handball so einfach
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Drei Gegenspieler sind nicht genug: Martin Beer überspringt sie alle.
Oliver Zimmermann schoss gegen Liestal in letzter Sekunde das Siegestor.

Dabei wäre Handball so einfach

Eigentlich war dieser Match zwei Minuten vor Schluss verloren. Nach einem Foul sah der Solothurner Joszef Toth die rote Karte und Liestal übernahm dank dem fälligen Penalty mit 24:23 die Führung. Mit einem Mann mehr und einer seriösen Defensive hätten die Vikinger aus dem Baselbiet den knappen Vorsprung über die Zeit schaukeln müssen. Aber dann setzte der Solothurner Kreisläufer Michel Wassmer, der zuvor eine eher diskrete Leistung abgeliefert hatte, zu einer tollen Aktion an: Wassmers Durchbruch konnte nur mit einem Foul gestoppt werden, was eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Liestal, einen Penalty und den 24:24-Ausgleich bedeutete.

Mit dem Ball hatte Liestal in den letzten Sekunden noch immer die grosse Siegchance in der Hand.

Der Torschuss der Vikings erfolgte dann aber etwas naiv; 16 Sekunden vor Schluss – das war ebendiese paar entscheidenden Momente zu früh. Solothurns Goalie Jan Tatarinov zeigte eine Glanzparade und leitete den Gegenstoss ein, den Oliver Zimmermann mit dem 25:24 abschloss – und das drei Sekunden vor der Schlusssirene. Der Jubel fiel bei den Solothurnern entsprechend ausgelassen aus. «Man muss nur einmal in Führung liegen, und das ist am Schluss», sagte Trainer Zsolt Toth von den Emotionen überwältigt.

Bescheidene Ziele

Doch er gestand auch ein, dass Solothurn vor und nach der Pause eine lange schlechte Phase gezeigt hatte. Jene Durststrecke, an die man sich schon fast gewöhnt hat. Vom 12:9 bis zum 12:15 für Liestal gelang dem TVS während rund 15 Minuten kein einziges Tor. «Wir sind eine kleine Mannschaft und ein paar können nicht so viel trainieren. Deshalb fehlen mir manchmal die Optionen. Man müsste in solchen Phasen zwei, drei frische Spieler einwechseln können, die neue Impulse bringen, aber uns fehlen diese Spieler», erklärte Toth.

Die Defensive arbeitete über die ganze Spielzeit sehr gut. Die Probleme lagen in der Offensive, vor allem am gegnerischen Kreis ging zu wenig, und Solothurn war leicht auszurechnen. «Dabei wäre Handball so einfach», analysierte Zsolt Toth. «Den Ball hin und her spielen und am Kreis eine Lücke freisperren. Aber das ist Arbeit, harte Arbeit. Das braucht Monate intensives Training, bis man da die Fortschritte erkennen wird.» Was darf man unter diesen Voraussetzungen vom TV Solothurn in diesem Winter noch erwarten? «Mit dieser Mannschaft und diesen Trainingseinheiten wäre ich am Ende der Saison mit einem 5. oder 6. Rang zufrieden.»