Fussball 1. Liga
Chaos geht weiter: Es dampft in Grenchen

Die 3:7-Niederlage gegen YB in der 1. Liga ist derzeit das Erfreulichste beim FC Grenchen. Unzufriedene Trainer, unzufriedene Spieler, ein unzufriedener Sportchef, ein uneiniger Vorstand – die nächste Eruption steht bevor.

Michael Schenk
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FC Grenchen, Fussball, YB
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Hier trifft der Grenchner zum 1:0.
Da jubeln sie noch: Die Grenchner nach dem 2:0.
Grenchen Trainer Bösch war mit dem Spiel nicht unzufrieden.
Die Zweikämpfe wurden hart geführt.

FC Grenchen, Fussball, YB

Marcel Bieri

Patrick Bösch, der Trainer des FC Grenchen, spricht von «Peanuts für 1.- Liga-Verhältnisse», wenn er das Geld anspricht, das seit seinem Amtsantritt im September gemäss Abmachung hätte fliessen sollen, aber nicht floss. Im Fall des Trainers handelt es sich um eine Monatsentschädigung, mit der der Klub in Verzug sei. Seitens der Spieler warten einige auf versprochene Fahrspesen. «Es gibt Spieler», sagt Bösch, «die am Montag Geld sehen wollen, sonst sind sie weg.» Was wäre da gewesen, fragt man sich, wenn der FCG die letzten zwei Spiele gegen Congeli (0:1) und YB (3:7) gewonnen hätte? Dann wären nämlich rund 20 000 Franken Punkteprämie fällig geworden. Kaum davon auszugehen, dass dieser Betrag je ans Team ausbezahlt würde, wenn es schon am Trainerlohn und Spesen hapert. «Mein Aufwand war und ist immens», sagt Bösch. Er habe während den letzten Wochen rumtelefoniert wie verrückt, 50 Spieler habe er während der Vorbereitung gesichtet, «oft musste ich aufgrund eines Trainings entscheiden, ob ich diesen oder jenen brauchen kann», und das alles ohne Kunstrasen und mit bis dato vier Rasentrainings. Bösch: «Ich glaube, dafür habe ich keinen schlechten Job gemacht – aber ich kann es mir nicht leisten, das alles ohne Entschädigung zu tun.»

Kommunikatives Steigerungspotenzial

Eine Jacht in St. Tropez oder ein Chalet und Kitzbühel besitzt er offenbar noch nicht. Insofern ist es fraglich, ob der Coach des FCG noch lange Patrick Bösch heisst. Warum und wieso die Versprechungen seitens des Vorstandes nicht eingehalten würden, könne er sich nicht erklären. Zwischen Mannschaft und Vorstand herrscht kommunikatives Steigerungspotenzial.

Allen Widrigkeiten abseits des Rasens zum Trotz präsentiert sich die FCG-Efl sportlich auf fortschrittlichem Kurs. trotz der jüngsten 3:7-Pleite gegen den YB-Nachwuchs. Gegen die Berner kam der FCG bombig aus den Startlöchern und lieferte dem Favoriten danach über weite Strecken einen Vergleich auf Augenhöhe. Nach 14 Minuten führten die Gastgeber durch zwei Treffer von Mehmeti 2:0. Es bedurfte drei kapitalen Abwehrfehlern, damit YB das Blatt wenden konnte. «Wir haben gewusst, sie technisch sehr stark sind und YB hat unsere Fehler eiskalt ausgenutzt», analysiert Bösch. Nachdem den Bernern kurz vor Halbzeit der vierte Treffer innert einer Viertelstunde zur 4:2-Führung gelungen war, stand der Sieger fest.

Stars mit Touristenvisa

Allein, sogar punkto Mannschaftsaufstellung kämpft der Trainer in Grenchen offenbar gegen Windmühlen aus den eigenen Reihen. Grozdanov, Tenekedjiev und Jordanovski durfte Bösch per Dekret des Vorstands gegen YB nicht einsetzen. Ein Teil der FCG-Leitung befürchtet offenbar, trotz Touristenvisa, Komplikationen punkt Aufenthaltsbewilligung des Trios. «Das sind drei meiner besten Spieler», sagt der FCG-Coach. Tja, das klingt dann doch ein bisschen nach Sonnenfinsternis über dem Brühl.

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