In genau 18 Tagen geht für Carmen Küng das Abenteuer Olympische Spiele richtig los. Am 5. Februar reist Küng mit der Schweizer Curling Delegation ins russische Sotschi. Das Ziel ist klar definiert. «Niemand von uns geht an die Olympischen Spiele, um einfach dabei zu sein. Vier von unserem Team waren schon in Vancouver dabei und hatten damals mit dem vierten Platz eine Medaille knapp verpasst», erinnert sich die 35-Jährige, «das soll sich nicht wiederholen. In Sotschi wollen wir eine Medaille gewinnen.»

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die unterdessen erfahrenen Curlerinnen auch in ihrer Vorbereitung eine wichtige Änderung vorgenommen. Noch vor vier Jahren nahm das komplette Frauen-Team rund sechs Monate unbezahlten Urlaub, um sich so voll und ganz dem Curling verschreiben zu können.

Heute, vier Jahre später, ist dies anders. «Alle von uns haben das Arbeitspensum zwar runtergeschraubt, aber ganz aufgehört zu arbeiten, hat niemand von uns. Ein- bis zweimal pro Woche, natürlich, wenn keine Turniere anstanden, nutzten wir die Zeit, um bei der Arbeit auch abschalten zu können», sagt Küng.

Ebenfalls spreche die immense Erfahrung des Teams für die Schweizerinnen. «Ich weiss von Vancouver schon, wie die Spiele ungefähr ablaufen werden, also komme ich nicht mit dem Wow-Effekt dort an», ist die Feldbrunnerin zuversichtlich.

Die gute Seele im Team

Die gelernte Pflegefachfrau nimmt auch innerhalb des Teams die Rolle der Pflegerin ein. «Ich sorge mich um alle. Wenn jemand etwas hat, kommen sie meistens zu mir», sagt Küng lachend. Teilweise sei sie auch einfach der «Pausenclown» und immer für einen Spass zu haben. Obwohl sie sich selbst als soziale Person bezeichnet, die gerne in Gesellschaft ist, hat sich die 35-Jährige dazu entschieden, ohne familiäre Unterstützung nach Russland zu reisen

«Ich würde mir den ganzen Tag Sorgen um sie machen und mich fragen, ob es ihnen gut geht. Natürlich hat da vor allem die politische Situation an den Spielen einen Einfluss. Wenn sie zu Hause sind, weiss ich, dass es ihnen bestimmt gut geht», lacht die Solothurnerin, die selbst zwar keine Angst hat, nach Sotschi zu reisen.

Wichtige Arbeit mit Sportpsychologen

Seit mehr als 20 Jahren verbringt Küng ihre meiste Zeit in der Curlinghalle. In den letzten Jahren habe sie aber vor allem die Arbeit mit einem Sportpsychologen weitergebracht: «Ich und auch der Rest des Teams curlen schon seit so vielen Jahren. Das haben wir langsam drauf. Auf unserem Niveau werden die meisten Spiele im Kopf entschieden.

Mental müssen wir unglaublich stark sein», erklärt die Nummer zwei des Teams. Dass die Curling-Frauen seit längerer Zeit für Sotschi selektioniert sind, habe ihnen die Chance gegeben, sich minuziös auf die Spiele vorzubereiten. «Ich konnte die letzten Wochen sehr genau planen. Da fällt es auch leichter, einmal Zeit für die Familie oder Freunde zu finden. Ich will mir nicht vorstellen, wie sich jene Athleten fühlen, die erst in wenigen Tagen von ihrer Selektion erfahren», sagt Küng.

Eispause in Spanien

Bis Montag weilt Küng mit ihrem Team in Schottland und bestreitet dort den letzten Wettkampf vor den Spielen. Danach reist die gesamte Curling-Delegation ins spanische Valencia. «In Valencia werden wir an der Fitness arbeiten. Zudem ist es das Ziel, vor den Spielen noch etwas weg vom Eis zu sein», sagt die 35-Jährige, «wir wollen in Sotschi richtig heiss auf das Eis sein».