57:28 lautete das Schussverhältnis am Ende eines Spiels, in welchem der EHC Olten am Ende froh sein konnte, überhaupt als Sieger vom Eis gegangen zu sein. Beinahe wäre die Mannschaft von Headcoach Chris Bartolone für ein völlig verschlafenes Startdrittel mit einer Niederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht der Swiss League bestraft worden. Es spricht für den Willen und den Kampfgeist des Teams, dass es sich gegen die drohende Blamage auflehnte und letztlich wenigstens zwei Punkte mit nach Hause nehmen durfte.

Es zeigte sich aber vor sage und schreibe 127 Zuschauern in der schmucken Eishalle von Biasca mal wieder eindrücklich, wie schwer sich der EHC Olten mit den Farmteams tut. Wie gross die Mühe ist, von Anfang an mit der nötigen Konzentration zu Werke zu gehen. «Wir haben oft Probleme, gegen diese Mannschaften die richtige Einstellung zu finden», befand Oltens Kanadier Bryce Gervais. «Bei Spielen gegen La Chaux-de-Fonds oder Ajoie sind wir immer bereit.»

Muller auf Tribüne verbannt

Der liederliche Auftritt des EHCO wurde von den aufopferungsvoll kämpfenden Tessinern gnadenlos bestraft. 2:0 führten sie nach 20 Minuten. Und die Oltner hatten Glück, dass sie nicht sogar mit drei Längen in Rückstand lagen. Der Gipfel aller Unzulänglichkeiten war eine Strafe gegen Devin Muller, die er sich für Reklamieren auf der Spielerbank (!) einhandelte. Für Muller war der Abend nach dem ersten Drittel übrigens beendet. Bartolone schickte ihn unter die Dusche. Den Rest des Spiels verfolgte er auf der Tribüne.

Sowieso zog der Oltner Trainer Konsequenzen aus der Nicht-Leistung seiner Mannschaft. Neben Muller wurde auch Ueli Huber zum Zuschauen verurteilt. Und der dritte Mann des nominell vierten Blocks, Cédric Schneuwly, erhielt nur noch sporadisch Auslauf. Mit nur noch drei Sturmlinien drückte der EHCO ab dem zweiten Drittel mächtig aufs Gaspedal, sah sich jedoch auch nach 40 Minuten mit zwei Toren im Rückstand. «Aber dann haben wir Charakter gezeigt und haben uns zurück ins Spiel gekämpft», freute sich Bryce Gervais über die Aufholjagd seiner Mannschaft, die er selber mit seinem dritten persönlichen Treffer des Abends in der Verlängerung krönte. Für den Kanadier war es ein ganz spezieller Hattrick: der erste als Profi. «Meinen letzten feierte ich noch auf College-Level vor drei oder vier Jahren», erinnerte er sich lächelnd.

Sowieso hat sich der Stürmer in den letzten Wochen zu einem der besten Oltner Spieler gemausert. Und das mit gutem Grund. «Ich habe zweieinhalb Monate mit einer Schiene an der Hand spielen müssen. Seit die weg ist, kann ich viel besser mit der Scheibe umgehen. Ich bin froh, kann ich den Fans in Olten endlich zeigen, dass ich ein guter Spieler sein kann.» In Biasca erzielte Bryce Gervais seine Saisontreffer 15 bis 17, womit er punkto Tore in der Swiss League klammheimlich unter die Top 5 vorgestossen ist. «Klar freut mich mein Hattrick. Aber viel mehr freut mich noch, dass wir zweimal einen Rückstand aufgeholt und schliesslich noch gewonnen haben», sagte Gervais.

Hattrick und Aufholjagd zum Trotz bleibt aber die Erkenntnis, dass der EHC Olten noch ein gutes Stück davon entfernt ist, eine konstant auf hohem Niveau agierende Spitzenmannschaft zu sein. Wer sich gegen die unbequemen Underdogs derart schwertut, der muss einmal mehr über die Bücher. Am Freitag kommt Leader La Chaux-de-Fonds ins Kleinholz. Da ist eine Steigerung dringend nötig.

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