Schwingen

Bruno Gisler eine Woche vor dem Kantonalen: «Im Moment geht alles auf»

Der dreifache Eidgenosse Bruno Gisler.

Der dreifache Eidgenosse Bruno Gisler.

Vor zwei Wochen gewann Bruno Gisler vom Schwingklub Solothurn und Umgebung das Aargauer Kantonalschwingfest. Die Favoritenrolle am Solothurnischen nimmt der 34-Jährige locker.

In sieben Tagen findet in Deitingen das Solothurner Kantonalschwingfest statt. Topfavorit Bruno Gisler vom Schwingklub Solothurn und Umgebung ist bereits in bestechender Form: zwei Starts, zwei Siege in dieser Saison. Anfang April gewann der 34-jährige Landwirt aus Rumisberg zum Saisonauftakt den Rangschwinget in Grenchen. Vor zwei Wochen triumphierte der dreifache Eidgenosse in Brugg am Aargauer Kantonalschwingfest. Mit fünf Siegen und einem Gestellten holte er den Kranzfestsieg.

Im Schlussgang des Aargauischen bodigte Gisler den Mümliswiler Marcel Kropf nach rund acht Minuten. Ein Kreuzgriff bescherte ihm den insgesamt 19. Kranzfestsieg seiner Karriere. Wegweisend war aber schon der Erfolg im fünften Gang gegen den Bündner Shootingstar Armon Orlik. «Er ist im Moment das Mass der Dinge», sagt Gisler über den 22-Jährigen. «Ich wusste, dass ich ihn aus dem Weg räumen muss, um das Fest zu gewinnen. Es freut mich natürlich, dass es mir gelungen ist.»

Keine Ziele in dieser Saison

Erwartet hat Bruno Gisler den Erfolg am Aargauer Kantonalen indes nicht. Der dreifache Familienvater nimmt in dieser Saison alles etwas lockerer. «Ich habe mir dieses Jahr gar keine Ziele gesetzt. Ich habe Freude am Schwingsport und geniesse es einfach, an den Festen teilzunehmen. Solange ich gesund bin, ist alles gut.»

Im Moment fühle er sich sehr gut, fügt Gisler an. Der starke Saisonstart kommt aber nicht daher, dass er sein Training verändert oder intensiviert hätte. Im Gegenteil: «Ich schraubte eher ein bisschen zurück mit dem Training. Ich nahm mir bewusst genug Zeit für die richtige Erholung, man wird schliesslich nicht jünger.» In seinem Alter wisse er, was es braucht, um zum richtigen Zeitpunkt fit zu sein. «Im Moment geht alles auf. Ich denke, meine Form ist nicht so schlecht», stapelt Gisler tief.

Am Solothurner Kantonalschwingfest in Deitingen wird der 190 Zentimeter grosse und 104 Kilogramm schwere Rumisberger der Gejagte sein. Dass er an seinem Heimfest aus der Favoritenrolle starte, sei klar, sagt Gisler selbst: «Das ist für mich aber nichts Neues. Ich bin schon seit vielen Jahren der Gejagte und kann damit sehr gut umgehen.»

Das Ziel kann demnach eigentlich nur lauten, das Solothurner Kantonalschwingfest nach 2007, 2011 und 2013 zum vierten Mal zu gewinnen? «Ich mache mir keinen Druck und schaue einfach, was rauskommt», lässt sich Gisler nicht in die Karten blicken. Denn 2017 ist er ja gelassen und lässt einfach alles auf sich zukommen. Als Hauptkonkurrenten auf den Festsieg sieht Gisler in erster Linie die Eidgenossen aus dem Aargau: «Es sind immer etwas die Gleichen, die am Ruder sind. Patrick Räbmatter, Nick Alpiger oder auch Mario Thürig gilt es zu schlagen.»

Sein Vorteil im Vergleich zu den Mitfavoriten ist das grosse Schwingrepertoire, weiss Gisler. Die richtige Technik gepaart mit der jahrelangen Routine mache viel aus. «Und ich bin gesund», fügt er einen weiteren Erfolgsfaktor an. «Dass man beschwerdefrei schwingen kann, ist die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Fest. Die Konkurrenten sind im Moment nicht alle hundertprozentig fit. Das ist mein Plus. Aber im Sport kann sich dies schnell ändern.»

Reduziertes Programm

So furios der Start in die Saison auch war, wird es Bruno Gisler 2017 trotzdem ruhiger angehen lassen, was seine Teilnahmen an Schwingfesten betrifft. Aus beruflichen Gründen: «Ich bin selbstständiger Landwirt und im Sommer, wenn die Hauptsaison ist, gibt es sehr viel zu tun», erklärt er. Er müsse sein Pensum gut einteilen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren nimmt er heuer nur an zwei statt drei Bergfesten teil. Er bestreite dieses Jahr vorwiegend die Schwingfeste des Nordwestschweizer Schwingerverbandes und keine auswärtigen. Die grosse Ausnahme bildet der Unspunnen-Schwinget in Interlaken am 26. und 27. August. «Das Unspunnen ist der Höhepunkt der Saison, es findet ja nur alle sechs Jahre statt», blickt Gisler voraus, der seine dritte Teilnahme anpeilt. «Ich hoffe, dass meine Form dann immer noch passt.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

Meistgesehen

Artboard 1