Kanu, Wintercup
Bricht Melanie Matyhs ihr Olympiavorhaben bereits ab?

Die Solothurnerin gewinnt den heimischen Wintercup in einem bescheidenen Feld. Sie überlegt sich, wieder aufs Wildwasser zurückzukehren, statt die Regatta-Pläne weiter zu verfolgen.

Hans Peter Schläfli
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Impressionen vom Kanu-Wintercup Solothurn
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Der Solothurner Nico Meier auf dem Weg zum zweiten Rang.
Der Solothurner Junior Robin Häfeli auf dem Weg zum Sieg in der Kategorie Schüler.
Das Brugger Duo Scheuber/Zimmermann auf dem Weg zum Sieg im Kanadier-Zweier.
Der Zuger Peter Lüthi auf dem Weg zum Sieg bei den Senioren.
Wintercup-Organisator und Trainer Reto Schäppi feuert seine Solothurner Kajakfahrer lautstark an.
Das Rudel, vorne Juniorensieger Julius Oswald, geht auf der winterlichen Aare zur Sache.
Die Enten nahmen die Athleten im Ziel in Empfang.

Impressionen vom Kanu-Wintercup Solothurn

Hans Peter Schläfli

An kalten Tagen wie diesen übernehmen die Frühlingsgefühle höchstens bei den Enten auf der Aare die Kontrolle. Aber kürzlich tauchte da noch eine leuchtendgelbe Tupfer auf dem mit leichtem Nebel verhangenen Fluss auf.

Es war keine frühreife Weihnachtskugel, die das Liebesspiel der Enten störte, die im letzten Moment flügelschlagend das Weite suchten. Es war die Mütze, die Melanie Mathys die Ohren wärmte.

Und dann – pitsch, patsch, pitsch, patsch – zog ein ganzes Rudel Kajaks und Kanus unter den Solothurner Brücken hindurch und trotzte der eiskalten Bise. Der traditionsreiche Wintercup der Solothurner Kajakfahrer sorgte wie jedes Jahr kurz vor der Adventszeit für ein paar Farbspritzer im der mattgrauen Eintöne.

Mathys gewinnt souverän

Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk machte sich die Solothurnerin Melanie Mathys gleich selber, indem Sie bei den Frauen ganz souverän gewann. «Das Feld war diesmal leider nicht so stark», relativierte die zweifache Junioren-Weltmeisterin und EM-Bronzemedaillengewinnerin von 2011 den Erfolg gleich selber etwas.

So fuhr zum Beispiel Sabine Eichenberger diesmal den Start zum Wintercup mit dem Kanadier und gewann diese Kategorie, Chantal Abgottspon fehlte wegen Prüfungen und Deborah Wyss ist gerade krank.

Auch wenn sie nicht gegen die besten Frauen paddeln konnte, machte Melanie Mathys das Beste aus dem Tag: «So hatte ich vor allem viel Spass bei den Klubinternen Duellen gegen die Jungs.»

Rolle rückwärts?

Da die 20-jährige im September ein Wirtschaftsstudium begonnen hat, könne sie derzeit «nur» neunmal pro Woche trainieren. Deshalb überlegt sie sich, das in diesem Jahr begonnene Regatta-Projekt mit dem Ziel Olympische Spiele vielleicht abzubrechen und doch wieder auf das Wildwasser zurückzukehren, wo sie in der Abfahrt zur Weltspitze zählt.

«In der Regatta trainieren alle professionell und mit neun Trainings komme ich einfach nicht auf die vielen Kilometer, die nötig wären. Meine Kondition für die Abfahrt könnte ich aber halten.»

So plant sie nun, bei der Sprint-WM und der U23-WM in der Abfahrt. «Eventuell nehme ich an der U23-EM auch in der Regatta teil, aber das muss ich zuerst noch mit den Trainern besprechen.»

Reto Schläppi will auf die sinkenden Teilnehmerzahlen reagieren und den Wintercup nächstes Jahr leicht umbauen. «Es gibt relativ viele neue Disziplinen, die wir in den Wettkampf integrieren könnten», sagt Schläppi.

Aus Solothurner Sicht war der Trainer sehr zufrieden. So gab es bei den Schülern den Sieg von Robin Häfeli zu feiern, bei den Junioren gewann Julius Oswald und bei den Männern kam Nico Meier auf den ausgezeichneten zweiten Platz hinter dem Nidwalder Sieger Fabio Wyss.