Super League

Breit aufgestellt dank der Coronapause

YB-Goalie David von Ballmoos sieht auch Vorteile in den Geisterspielen: «Jetzt kann sich keiner mehr damit herausreden, er habe mich nicht gehört.»

YB-Goalie David von Ballmoos sieht auch Vorteile in den Geisterspielen: «Jetzt kann sich keiner mehr damit herausreden, er habe mich nicht gehört.»

YB ist bereit für den Restart in der Super League und empfängt im ersten Geisterspiel den FCZ, den man zuletzt drei Mal mit 4:0 besiegte.

Ja, schauen Goalies denn nie Fussball? Vom FCBler Jonas Omlin weiss man, dass ihm die Zeit dafür zu schade ist. Selbst als nach mehrwöchiger Coronapause in der Bundesliga endlich wieder der Ball rollte, zeigte Omlin keine Entzugserscheinungen. Ähnlich tickt Kollege David von Ballmoos von den Young Boys. «Auch ich schaue kaum Fussball am TV; und wenn, dann nur grosse Spiele.» Vielleicht stimmt der alte Spruch tatsächlich, dass Torhüter und linke Flügel nicht ganz ... sind.»

Andrerseits: Dicht ist Omlin eigentlich schon, denn in seinen 22 Meisterschaftseinsätzen in dieser Saison ist er nur 21-mal bezwungen worden. Und selbst wenn ihm von Ballmoos in der Zwischenbilanz mit 31 Gegentoren in 23 Partien ein wenig hinterherhinkt, kann auch dem Emmentaler nicht nachgesagt werden, er halte nicht dicht zwischen den Pfosten. Möglicherweise kann er in den kommenden 13 Spielen seinen ordentlichen Quotienten von 1,35 (Omlin 0,95) gar noch etwas senken. Der 25-Jährige glaubt, dass ihm Geisterpartien die Arbeit erleichtern werden. Weil seine Kommandos ohne Publikumslärm nicht mehr untergehen. «Jetzt kann sich keiner mehr damit herausreden, er habe mich nicht gehört», schmunzelt von Ballmoos.

Die Herausforderung, oben zu bleiben

Auch wenn er kaum Fernsehfussball schaut, dem Restart in der Super League von heute Abend gegen den FC Zürich fiebert er sehr entgegen. Nach zwei Meistertiteln sei der Hunger auf den dritten kein bisschen kleiner. «Wer nach einem beschwerlichen Aufstieg oben angekommen ist, will unbedingt da bleiben. Darin sehe ich eine schöne neue Herausforderung», sagt von Ballmoos.

Die Chancen, dieses Ziel zu erreichen, stehen nicht schlecht. Denn die vom Coronavirus erzwungene 117-tägige Spielpause ist vor allem dem einen oder anderen YB-Profi entgegengekommen. Befanden sich beim 3:3 in St. Gallen, dem letzten Spiel vor dem Unterbruch, mit Frederik Sørensen, Mohamed Ali Camara, Vincent Sierro, Miralem Sulejmani, Michel Aebischer und Jordan Lotomba noch sechs Spieler auf der Absenzenliste, so stehen diese ab sofort oder in Kürze wieder zur Verfügung. «Der Konkurrenzkampf ist härter geworden. Es geht intensiver zur Sache, fast jeder Platz in der Startaufstellung ist umkämpft», sagt von Ballmoos.

Das freut natürlich vor allem Gerardo Seoane. Noch nie, seit er vor zwei Jahren YB-Trainer geworden ist, durfte er sich über eine ähnlich komfortable Situation freuen. «Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt», sagt der 41-Jährige. «Das gibt mir bei diesem dichtgedrängten Programm mit 13 Spielen in sechs Wochen die Gelegenheit, zu rotieren und Verletzungen vorzubeugen.» Seoane erwartet nicht nur für die Spieler eine strenge Zeit. «Auch für uns Trainer werden die nächsten Wochen zu einer Riesenherausforderung: Wie ausführlich soll die Nachbereitung eines Spiels sein? Wie oft gebe ich den Spielern frei? Was sage ich zum nächsten Gegner?»

Apropos: Dies muss im aktuellen Fall besonders gut überlegt sein. Was sagt man einem Team vor einem Spiel gegen eine Mannschaft, die man in dieser Saison schon drei Mal 4:0 geschlagen hat? «Der FCZ hat technisch begabte Spieler und spielt einen kreativen Fussball», sagt Seoane und macht dazu ein Gesicht, als sähe er darin eine echte Gefahr.

Vincent Sierros Lob für den FC St. Gallen

Beim ersten dieser drei 4:0-Siege ist auch Vincent Sierro noch auf dem Platz gestanden. Nach seinem Wechsel vom FC St. Gallen zu YB hatte er sich einen Stammplatz erobert. Doch wegen einer Ende September erlittenen Knie- und einer späteren Fussverletzung reichte es bis dato nur zu sechs Voll- und zwei Kurzeinsätzen. «Ich fühle mich nun gut und bin bereit. Ich konnte dank der Coronapause ein spezielles Aufbautraining absolvieren», sagt Sierro.

Dass seine letztjährige Mannschaft punktgleich mit YB die Tabelle anführt, überrascht auch ihn. «Aber St. Gallen spielt einen guten Fussball mit schnellen Angriffen. Es ist spannend und es kann viel passieren», sagt der Walliser. Hat er in den letzten Wochen viel Fussball geschaut? «Ja klar. Bundesliga, Spanien. Es hat Spass gemacht. Die Qualität war gut.» Sierro ist eben Mittelfeldspieler, nicht Goalie.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1