Unihockey
«Bleib mit den Gedanken beim Spiel»

Wiler-Ersigens Olle Thorsell und sein letztes Interview nach dem Meistertitel 2011. nach sieben Saisons bei Wiler-Ersigen, beendet Thorsell seine Karriere.

michael lüthi
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Der letzte Meisterschluck: Adieu Olle Thorsell. marcel bieri

Der letzte Meisterschluck: Adieu Olle Thorsell. marcel bieri

Solothurner Zeitung

Wiler-Ersigen ist zum siebten Mal Schweizer Meister. Nichts Spezielles. Speziell ist aber die Geschichte des bald 31-jährigen Schweden Olle Thorsell. Er hat bis zu den diesjährigen Playoffs während fast zwei Jahren nur wenige Minuten gespielt – das rechte Knie machte nicht mehr mit. Es folgte das wundersame Comeback. Er war in der entscheidenden Phase der Meisterschaft 2010/11 wieder der unbestrittene Abwehrchef. Nun, nach sieben Saisons bei Wiler-Ersigen, beendet Thorsell seine Karriere. Am Samstag, wenige Minuten nach dem Titelgewinn, bitten wir ihn zum letzten Interview.

Olle Thorsell, gewähren Sie uns einen Einblick in Ihre Gefühlswelt.

Olle Thorsell: Ich bin sehr erleichtert. Ich wollte auf keinen Fall mehr nochmals nach Maienfeld reisen. Unser Leistung macht mich stolz. Es war mental doch keine leichte Aufgabe. Toll, dass wir nun durch sind.

Überwiegt nun die Freude über den Meistertitel oder die Trauer über das Karrierenende?

Vor allem vor dem Spiel hatte ich Mühe. Während der Partie habe ich versucht mit mir selber zu reden. «Bleib mit den Gedanken beim Spiel.» Das habe ich mir immer wieder gesagt.

Sie waren fast zwei Jahre verletzt. Nun haben Sie in den Playoffs nochmals eine tragende Rolle gespielt. Ihr schönster Meistertitel?

Das darf ich sicher sagen. Ich habe gute Leistungen gezeigt. Das war auch mein Ziel. Einfach nur ein wenig mitspielen – das wollte ich nicht.

Nach den zwei sehr ausgeglichenen ersten Spielen liess ihr Team Malans in der dritten Partie keine Chance...

Wir hatten in der Zuchwiler Eishalle das Gefühl, dass alles etwas grösser ist. So haben wir auch aufgespielt.

Wie haben Sie Ihre letzten Minuten als Spieler erlebt?

Ich musste wirklich kämpfen. Das waren die härtesten Minuten meiner Karriere. Kurz vor Schluss habe ich mich dann gefragt, wo wohl unser Goalie Daniel Streit hinrennen würde. Denn ihm jagen wir ja nach einem Sieg immer hinterher.

Sie haben diese Finalserie zwar 3:0 gewonnen. Es hätte aber auch anders rauskommen können?

Wir haben in allen drei Spielen jeweils die letzten zehn Minuten dominiert. Am Schluss hatten wir einfach mehr Reserven als Malans. Wir haben aber auch Schwein gehabt – vor allem im zweiten Spiel in Maienfeld (4:3-Sieg, Malans traf viermal die Torumrandung, Anm. d. Red.).

Sie haben sieben Saisons beim SV Wiler-Ersigen gespielt. Was bedeutet Ihnen dieser Verein?

Es hat von Anfang an gepasst. Ich hatte wirklich eine super Zeit hier. Auch neben dem Spielfeld hat alles gestimmt. Das Umfeld ist wirklich super. So konnte ich mich gut entfalten. Denn es haben schon bessere Ausländer als ich in der Schweiz gespielt. Aber die konnten sich nicht durchsetzen, weil ihnen das Umfeld nicht passte. Ich habe bei Wiler sehr viele gute Freunde gewonnen.

Sie haben mit Wiler sechs Meistertitel, ein Cupsieg und den Europacup-Triumph 2005 miterlebt. Welches waren die schönsten Momente Ihrer Karriere?

Sicher mein erster Titelgewinn. Das war der Europacup-Sieg in Zürich – vor allem, weil er so unerwartet kam. Und nun natürlich der Meistertitel 2011. Mit der ganzen Vorgeschichte und meiner langwierigen Verletzung ist das ein sehr emotionaler Moment.

Ein erster Blick in die Zukunft?

Ich will weiterhin aktiv Sport treiben. Dann werde ich es aber vor allem geniessen, dass ich nun mehr mit Freunden unternehmen kann.