Und dennoch kreisen seine Gedanken noch ums Eisfeld. Schläpfer philosophiert über die ungenügende Chancenauswertung. «Liegts am Kopf oder an der Qualität? Wenn ich das wüsste ...»

Den Tag nach dem Spiel verbringt der geschiedene Familienvater mit seinen drei Kindern. Die zwei Buben und das Mädchen sind zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Elvis, der Älteste, wohnt bei Schläpfer in Sissach und spielt bei den Junioren der Basel Sharks. Die Zeit mit den Kindern ist dem bald 44-Jährigen sehr wichtig. «Das Hockey rückt in den Hintergrund, die Relationen werden zurechtgerückt. Obwohl Eishockey mein Beruf ist, ist es letztlich nur ein Spiel und dient der Unterhaltung», sagt Schläpfer, fügt aber an: «Natürlich rede ich auch mit den Kindern über Eishockey.»

Gestiegene Ansprüche

Schläpfer durchlebt derzeit eine seiner schwersten Saisons in Biel. Seit acht Jahren ist er im Verein, seit 2010 als Cheftrainer. Vor dem Spiel gegen Genf liegt das Team auf Rang zehn. Nach zwei Playoff-Qualifikationen in Folge ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch, möchte man meinen. Schläpfer sagt: «Nach dem Abgang von zehn Spielern hat sich das entschärft. Der Hinterste und Letzte hat begriffen, dass das Erreichen der Playoffs das Höchste der Gefühle wäre.» Schläpfer lobt die fachkundigen Bieler Fans. «Wir sind noch nie ausgepfiffen worden. Sie verstehen unsere Lage.»

«Vom Erfolg eingeholt»

Biel hat nicht das Budget, um seine besten Spieler zu halten. Center Steve Kellenberger kehrt Ende Saison zu Kloten zurück, Marc Wieser wahrscheinlich zu Davos. «Das ist unser Schicksal», sagt Schläpfer, «wir werden vom Erfolg eingeholt. Je besser wir spielen, desto interessanter werden unsere Spieler für andere Klubs.» Das sei ein pickelharter Kampf. Gross sind die Hoffnungen auf das neue Stadion, das 2015 bezugsbereit sein wird. Anfragen von neuen Sponsoren seien jetzt schon da, sagt Schläpfer und betont, wie wichtig es sei, beim Umzug in die neue Arena nach wie vor der höchsten Liga des Schweizer Eishockeys anzugehören. Ein Abstieg wäre fatal.

Das primäre Ziel heisst denn auch Ligaerhalt. Etwas, das in der letzten Saison mit dem Erreichen der Playoffs vorzeitig erreicht wurde. Trotz sportlichem Erfolg durchlebte Schläpfer im Finale der Qualifikation harte Momente. Er verlor seine Mutter Edith. Sie erlitt einen Herzstillstand. Seinen Vater verlor er zwei Jahre zuvor während der Playouts.

Trauerphase abgeschlossen

«Wenn es schlecht lief», sagt Schläpfer, «suchte ich immer den Kontakt zu meinen Eltern.» Sogar während Spielen – bei strittigen Situationen auf dem Eis – habe er zu Hause angerufen und um einen fachkundigen Kommentar gebeten. «Mir fehlen die Telefonate mit meinen Eltern», sagt Schläpfer heute. Die Trauerphase ist abgeschlossen, «aber ich merke nun, dass es meine erste Saison ohne meine Eltern ist», sagt der Trainer. Eishockey genoss einen hohen Stellenwert in der Familie. «Eishockey ist eben etwas Grosses», sagt Schläpfer. Auch wenn es nur ein Spiel ist, das der Unterhaltung dient.