Fussball
Biberister FCZ-Verteidiger nach Unfall: «Ich wollte nur noch allein sein»

Nach seiner Knieverletzung war FCZ-Verteidiger Philippe Koch aus Biberist ein Häuflein Elend. Tag für Tag geht es ihm besser. Er hat grosse Ziele: «Ich möchte mit der Schweizer U21 an die Olympischen Spiele in London.»

Ruedi Kuhn
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Philippe Koch musste nach seiner Verletzung mental arg unten durch.KEYSTONE/Walter Bieri

Philippe Koch musste nach seiner Verletzung mental arg unten durch.KEYSTONE/Walter Bieri

Philippe Koch wollte nur noch allein sein. Abtauchen. Sich zurückziehen. Keinen Menschen sehen. Mit keinem Menschen sprechen. Kurzzeitig kam niemand an ihn heran. Die Gefühlswelt des 21-Jährigen aus Biberist geriet von einem Moment auf den andern völlig aus den Fugen. Es ging alles ganz schnell, an diesem Samstag, 28. Januar: In einem Testspiel gegen Locarno verdrehte sich Koch das rechte Knie und verletzte sich schwer.

Das Innenseitenband und das hintere Schrägband waren gerissen. Der Profifussballer wurde notfallmässig in die Klinik Hirslanden in Zürich eingeliefert und musste operiert werden. «In der ersten Woche war es ganz schlimm», blickt Koch zurück. «Körperliche Schmerzen hatte ich wegen der Medikamente zwar keine, aber meine Psyche war auf dem Nullpunkt. Immer und immer wieder fragte ich mich, warum das mir passieren muss. Warum ausgerechnet mir.»

Familie als Rückhalt

Die Zeit aber heilt alle Wunden. Seit dem Malheur ist ein Monat vergangen. Der 21-jährige Abwehrspieler des FC Zürich fühlt sich von Tag zu Tag etwas besser. Er muss zwar noch immer einige Wochen an Krücken laufen und weiss nicht, ob der Heilungsprozess gut verläuft. Ärzte, Physiotherapeuten, Freunde und Teamkollegen machen ihm Mut.

Die Eltern Iris und Thomas und Freundin Lara wurden in den vergangenen fünf Wochen zu Bezugs- und Vertrauenspersonen. «Ich weiss nicht», sagt Koch, «was ich ohne sie gemacht hätte. Meine erste schwere Verletzung hat mich aus der Bahn geworfen. Nun geht es langsam, aber sicher aufwärts.» Richtig gut geht es dem Solothurner aber noch nicht.

Olympische Spiele als Antrieb

Im Fussball ist es nun mal so wie im normalen Leben. Manchmal ist man oben, manchmal unten. Koch hat die Vergangenheit abgehakt und nach eigener Aussage bereits wieder grosse Ziele vor Augen: «Ich möchte mit der Schweizer U21 an die Olympischen Spiele in London. Die Zeit wird wohl knapp, aber ich will und kann es schaffen.» Den Fahrplan in Richtung Olympia hat sich der junge Mann bereits zurechtgelegt. «Im Juni will ich mit dem FCZ die ganze Vorbereitung auf die neue Saison mitmachen. Klappt alles wunschgemäss, bin ich im August in Topform.»

Weg mit den Krücken, durchstarten und ab nach London: So stellt sich der Finalist der U21-EM-Endrunde 2011 das nächste halbe Jahr vor. Wer weiss? Vielleicht gibts für Koch nach dem Horrorerlebnis Ende Januar tatsächlich ein Comeback im August. Und warum soll die Schweiz in London nicht gar eine Medaille holen? In diesem Fall wären auch Kochs Jugendvereine FC Biberist und FC Solothurn mächtig stolz auf ihr Talent.