Laufsport

Bestzeit am Corcovado – für Marius Füeg bald auch auf dem Jura?

Im Element: Marius Füeg. Bruno Kissling

Im Element: Marius Füeg. Bruno Kissling

Der Mümliswiler Marius Füeg liebt die steilen Abschnitte und gehört am Passwangberlauf zu den Favoriten.

Zum Treffpunkt am Oltner Bahnhof erscheint Marius Füeg mit dem Velo – nichts Aussergewöhnliches, denn der Mümliswiler versucht, wenn immer möglich, Arbeitsweg und Training miteinander zu verbinden. Und so reist er nicht etwa via Balsthal und Oensingen auf leicht abschüssigem Terrain nach Olten an, sondern baut die allmorgendliche Fahrt zum echten Härtetest aus: Schliesslich führt auch via Breitenhöhe und Oberbölchen ein Weg nach Olten, gespickt mit mehr als 600 Höhenmetern. Am Abend, nach der Rückkehr mit dem Zug aus Brugg von der Pädagogischen Hochschule, gehts auf derselben Route zurück ins Thal.

Tägliches Veloprogramm

«Die Leute sagen mir immer, dass ich noch viel besser laufen würde, wenn ich mehr trainieren würde», lacht der angehende Sek-I-Lehrer. Natürlich wissen diese Leute nicht um sein tägliches Veloprogramm; denn wenn er am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, ist das Training meistens auch bereits absolviert – anders als bei den meisten anderen Sportlern. «Ich schätze die Freiheiten, welche sich mir bieten», sagt er über seine momentane berufliche Situation. Als gelernter Buchhändler steckt er im Masters-Studiengang an der FHNW und schliesst im Sommer das sechste von acht Semestern ab. Montag und Freitag, in diesem Lehrgang in erster Linie zum Lernen gedacht, nutzt der 26-Jährige dazu, in Matzendorf elf Lektionen pro Woche zu unterrichten. Ehrensache, dass er dabei nicht via Balsthal, sondern über den Brunnersberg auf die vordere Talseite anreist.

Die «zu-viel-Tendenz»

Sicher ist, dass er in der letzten Zeit bewusster trainiere, so Füeg, mehr Rücksicht nehme auf anstehende Wettkämpfe und diese gezielter vorbereite. «Früher, mit 20, wäre ich am Freitag problemlos 30 Kilometer gelaufen und hätte dann am Samstag ein Rennen absolviert.» Er habe zwar noch immer die Tendenz, eher zu viel zu machen; dass es auch anders geht, bewies er am letzten Freitag. Leicht angeschlagen und im Wissen, am nächsten Tag an der SOLA-Stafette in Zürich in einem 14-köpfigen Team eine Bergstrecke zu absolvieren, hielt er sich am Roggenberglauf zurück – und holte für sein Team Mizuno-Schumacher Sport als Gesamt-11. dennoch wichtige Punkte für die Teamwertung.

Bestzeit in Rio – Sieg an der JTT?

Heute, eine Woche später, steht also wieder einmal der Passwangberglauf vor der Tür, vor der Haustür sozusagen. Zwar ist Füeg auf der anderen Dorf- und damit Talseite, also am Fuss des Brunnersbergs aufgewachsen, und doch kennt er seinen Heimlauf in- und auswendig. Es war nicht nur das allererste Rennen, welches er, im Alter von 14 Jahren, bestritt; am traditionell als vierter Lauf innerhalb der Jura-Top-Tour (JTT) ausgetragenen Bergklassiker erzielte er vergangenes Jahr auch das bislang wertvollste Resultat seiner Laufkarriere. Hinter Fabian Kuert und dem Deutschen Carsten Brod lief er auf dem Oberen Passwang als Dritter ins Ziel – und war dabei fünf Minuten schneller als noch im Jahr zuvor.

Die schier unglaubliche Steigerung erklärt Füeg, der sich im TV Mümliswil als Jugi-Leiter einsetzt, vor allem mit der Einstellung. «Ich bin auch früher gut gelaufen, doch da gab ich mich damit zufrieden, hinten einzustehen und das Feld quasi von hinten aufzurollen.» Vielleicht habe er, wenn auch unabsichtlich, ein wenig die Angst vor dem Leistungsdruck gespürt, vorne hinzustehen und zu sagen, «heute laufe ich eine gute Zeit. Ich habe mich früher vor den Rennen auch nie eingelaufen, meldete mich häufig nach und stellte mich fünf Minuten vor Rennbeginn hin.» Wenn sich der Mümliswiler heute an die Startlinie stellt, tut er das mit einer ganz anderen Motivation. Mit der Gewissheit auch, insbesondere im steilen Gelände mit den Schnellsten mithalten zu können. Das weiss er nicht erst, seit er in Rio de Janeiro auf einem Trainingslauf den äusserst steilen 710 m hohen Corcovado erklomm und dabei, wie er später erfuhr, den inoffiziellen Streckenrekord unterbot.

«Ein Sieg wäre schön»

Damit er auch im Flachen oder bergab noch stärker wird, hängt er an den Wochenenden an die Lauftrainings noch die Strecke Mümliswil – Balsthal an. «Es ist mein Ziel, in diesem Bereich, im Rahmen meiner Möglichkeiten, besser zu werden», sieht er durchaus noch Verbesserungspotenzial. Und dann wird es vielleicht bald einmal etwas mit dem ersten Sieg an einem Jura-Top-Tour-Lauf? «Das wäre natürlich schön», gibt er zu, «aber ich kann auch akzeptieren, wenn ein Christian Mathys eineinhalb Minuten schneller läuft.»

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