Ein Foto von ihrem Sturz 2012 in La Bresse hat sie symbolisch vernichtet. «Ja, von Stürzen habe ich endgültig genug und mich davon verabschiedet», sagt Nathalie Schneitter. Immer wieder hatten Verletzungen die 28-Jährige im Verlauf der letzten drei Jahre zurückgeworfen und sie daran gehindert, sich in der absoluten Weltspitze einzureihen.

Das Malheur von La Bresse liess ihre damaligen Olympia-Träume platzen und wirkte in gewisser Weise bis zuletzt nach. Die Olympia-15. von Peking fand ab da nie mehr wirklich in einen leichtflüssigen Tritt. Zu verbissen, zu viel auf einmal wollend, sich selber zu hart fordernd suchte die Solothurnerin wettzumachen, was sie damals in der Region Lothringen einbüsste. Jetzt indes scheint die Zeit gekommen, da Schneitter noch einmal Vollgas und die Cross-Country-Szene rocken kann.

Gelöst und fokussiert

Selten trat sie in jüngster Vergangenheit so gelöst und gleichzeitig fokussiert und kraftvoll auf wie am alljährlichen Fan-Abend in der Cucina Arte. Weit mehr als 70 Personen kamen, um mit Schneitter auf ein sportlich wenig entzückendes 2014 zurück- und auf eine potenziell tolles 2015 vorauszublicken. Was sie zu hören und zu sehen bekamen, stimmt optimistisch. «Ich will an die Weltspitze zurück», sagt Schneitter.

Und – man glaubt, dass das realistisch ist. Nicht von heute auf morgen, schränkt sie ein: «Um dahin zu kommen, wo man hin will, muss man auch den dazwischenliegenden Weg gehen.» Ein starker Satz, der wie eine Programmerweiterung ihres Bewusst- respektive Unterbewusstseins rüberkommt. Folglich dürfen es zu Saisonbeginn durchaus Weltcupklassierungen unter den Top 20 sein.

«Das wäre angesichts meiner letzten Resultate und meiner daraus resultierenden Starposition okay», so die Lommiswilerin. Ende Saison dagegen, an den Weltcups in Übersee oder lieber schon Anfang Juli auf der Lenzerheide, peilt sie dann Top-10-Plätze an. «Ich gebe täglich mein Bestes, um das zu erreichen.»

Wertschätzung spürbar

Richtig los mit Cross Country geht es Ende Februar am Sunshine Cup auf Zypern. Und zwar mit ihrem neuen Team «Rose Vaujany fueled by ultraSPORTS». Rose, der umsatzstärkste deutsche Veloversandhändler – Vaujany, der Touristenort nahe der Alp d’Huez mit Stausee und Anschluss ans Skigebiet sowie der Sportnahrungsherstellen ultraSPORTS finanzieren Nathalie Schneitters neue bikerische Heimat.

Sieben Jahre war sie zuletzt beim italienischen Team Colnago. «Es fühlt sich an wie der Umzug in eine neue Familie», bestätigt Schneitter. Freilich schätze sie die deutsche Gründlichkeit schon jetzt. «Der Schritt war richtig für mich.» Als einzige Frau im Team spüre sie die Freude und auch die entsprechende Wertschätzung. Immer eine unerlässliche Voraussetzung, um Spitzenleistungen zu erbringen …