Wenn sich die Spieler zweier Mannschaften etwas zu gut kennen, dann entwickeln sich manchmal harte Derbys wie jenes vom Sonntag auf dem Mittleren Brühl zwischen Iliria Solothurn und Bellach. Die freundschaftlichen Umarmungen vor dem Einlaufen waren mit dem Anstoss vergessen. Die Bellacher provozierten mehrmals mit hartem Einsteigen – ab und zu auf der falschen Seite der Grenze des Fairplays. Die Emotionen gingen bei Solothurns Albanischen Adlern rasant hoch. Sie reagierten ebenfalls aggressiv.

Dilsiz und der heisse Kopf

Nach einer guten Viertelstunde rannte Ilirias Goalie Narican Dilsiz durch den Strafraum um eine Flanke zu fangen und prallte dabei mit dem Bellacher Yanick Gloor zusammen. Dilsiz bekam einen heissen Kopf und er stiess den Gegner um. Dafür wurde er zurecht mit der roten Karte bestraft, auch wenn es nur halb so schlimm war, wie es Gloor mit seinem etwas theatralischem Talent aussehen liess. «Der Gegner kennt unsere Spieler und weiss, wie man sie provozieren kann», analysierte Ilirias Trainer Xhevxhet Dullaj diese entscheidende Szene. «Leider haben wir es immer noch nicht gelernt. Wir sind so dumm und lassen uns provozieren.»

Hier wird der Treffer von Iliria Solothurn bejubelt

Hier wird der Treffer von Iliria Solothurn bejubelt

Damit wurde das Konzept der favorisierten Albaner zur Makulatur, weil sie mit Michael Obrecht einen neuen Goalie für einen Feldspieler einwechseln mussten. Und es hätte noch schlimmer kommen können: Kurz vor der Pause hatte Iliria Glück, als Captain Alban Jahiu den Gegner am Schienbein traf, obwohl der Ball schon sehr, sehr lange vorbei war. Diesmal gab es nur eine gelbe Karte – es hätte erneut die rote sein können.

Aber Bellach verstand es lange Zeit nicht, aus der Überzahl einen Nutzen zu ziehen. So fasste sich Burim Raimi ein Herz; sein Schuss wurde abgelenkt und Bellachs Goalie Luca Palermo war geschlagen. Iliria lag 1:0 in Führung und blieb weiter dominant. Bellach lag zurück, hatte einen Mann mehr auf dem Feld – und lauerte trotzdem auf Konter. «Die Rivalität ist zu gross und wegen der Hektik fanden wir nicht zu unserem Spiel», erklärte dies Bellachs Trainer Sandro De Cubellis nach dem Schlusspfiff. «Wir fanden keine Lösung und Iliria stand defensiv sehr gut.»

Als Iliria müde wurde

Doch dann brach am linken Flügel Mario Brcina durch und dessen Flanke verwertet in der Mitte Alessandro Fragale zu 1:1. Da begann Iliria einzubrechen. Der eingewechselte Berkin Sülüngöz schoss Bellach gegen den müde werdenden Gegner in Führung und Wasili Biellmann machte kurz vor Schluss die Sache mit dem 1:3 klar.

Der FC Bellach gewann schlussendlich mit 3:1

Der FC Bellach gewann schlussendlich mit 3:1

Unrühmlicher Abschluss der Partie war der Platzverweis gegen Nazim Elezi, der seiner Frustration mit einer Schiedsrichterbeleidigung Ausdruck verlieh. Doch so ist Fussball: Die Emotionen waren heftig, aber es war eigentlich nichts Schlimmes passiert. Mit dem Schlusspfiff verstanden sich die Spieler beider Teams wieder. Man verabschiedete sich und mit brüderlichen Umarmungen – so wie man sich 90 Minuten zuvor begrüsst hatte.