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Beim RV Solothurn ist die Luft draussen: Der letzte Präsident blickt zurück

Nach der Fusion mit dem VC Victoria verschwindet der Traditionsname von der Bildfläche. Ein Drittel des Vereinsvermögens fliesst in die Kasse von Gerlafingen und die anderen zwei Drittel werden zur Nachwuchsförderung genutzt.

Daniel Weissenbrunner
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Goldende Zeiten: Am 13. Juni 1981 gewinnt Beat Breu (rechts) das Bergzeitfahren von Solothurn auf den Balmberg vor Sepp Fuchs (links) und übernimmt die Gesamtführung.

Goldende Zeiten: Am 13. Juni 1981 gewinnt Beat Breu (rechts) das Bergzeitfahren von Solothurn auf den Balmberg vor Sepp Fuchs (links) und übernimmt die Gesamtführung.

Keystone

Mit dem Umzug seines Geschäftssitzes nach Grenchen legt Swiss Cycling nicht nur einen wichtigen Meilenstein für die eigene Zukunft. Ab 1. Mai hat der Dachverband des Schweizer Radsports mit dem Velodrome Suisse ein neues Zuhause. Ein Impuls hätte auch der Radsport im Kanton Solothurn nötig. An der Basis tun sich zahlreiche Klubs schwer, den Betrieb geordnet aufrechtzuerhalten.

Das Interesse an der Sportart, die dank den Erfolgen von Fabian Cancellara überdurchschnittlich verwöhnt wird, hat in den letzten Jahren zum Teil drastisch abgenommen. Mitgliederschwund, Rennen, wie die Solothurner 4-Tage-Tour, mussten entweder abgesagt oder ganz aus dem Kalender gestrichen werden. Zu allem Übel wird nach jahrelangen, aber vergeblichen Bemühungen nun einer der traditionsreichsten Vereine aus dem Rad-Verzeichnis gelöscht.

Der RV Solothurn hat seine eigenen Aktivitäten vor kurzem eingestellt und mit dem VC Victoria aus Gerlafingen fusioniert. Mit dem Zusammenschluss verschwindet auch der Name. «Die Geschichte ist einfach», sagt der letzte Präsident Andreas Mäder nüchtern. Ideen, um den Verein wiederzubeleben, seien ausreichend vorhanden gewesen. Die Rettung sei jedoch an der fehlenden Überzeugung gescheitert. Mäder nennt es sachlich: «Lieber ein Ende ohne Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.»

Geld für den Nachwuchs

Die verbleibenden geschätzten 50 Mitglieder haben die Gelegenheit, sich ab sofort dem Klubleben des VC Victoria anzuschliessen. Wie viele den Übertritt vollziehen werden, kann Urs Steiner noch nicht beziffern. Der Vize-Präsident verneint, dass finanzielle Anreize für die Eingliederung, die faktisch einer Übernahme gleichkommt, eine Rolle gespielt haben sollen. Rund ein Drittel des Vereinsvermögens des RV Solothurn fliesst in die Kasse der Gerlafinger. «Wir hätten sie aber auch so übernommen», versichert Steiner.

Andreas Mäder: Ein Ende mit Schrecken, statt ein Schrecken ohne Ende.

Andreas Mäder: Ein Ende mit Schrecken, statt ein Schrecken ohne Ende.

Einen Teil des Betrags haben er und seine Kollegen bereits in Tenues für die möglichen neuen Mitglieder investiert, der Rest kommt dem Nachwuchs zugute. Eine Bedingung, die für Andreas Mäder in der Evaluation von Partnern zentral war. «Mit dem Geld sollen in erster Linie die jungen Sportler unterstützt werden.» Die restlichen zwei Drittel des Vermögens wurden dann auch auf weitere Nachwuchsprojekte verteilt.

Der Blick zurück

In der Umgebung hat sich das intakte Gefüge, über das der VC Victoria verfügt, längstens herumgesprochen. Urs Steiner liegen weitere Anfragen von Klubs vor, welche mit strukturellen oder personellen Problemen kämpfen. Sie haben ihr Interesse an einem Schulterschluss ebenfalls signalisiert. «Das freut uns einerseits. Auf der anderen Seite bedauere ich die Entwicklung. Eine Vielfalt täte dem Sport insgesamt gut.»

Den Rad-Nostalgikern bleiben vorerst die Erinnerungen an vergangene und ruhmreiche Zeiten. In den 1980er- und 90er-Jahren machte die Tour de Suisse im Kantonshauptort unter der Ägide des RV Solothurn mehrmals Halt. Unvergessen dabei das Bergzeitfahren auf den Balmberg 1981, das ein gewisser Beat Breu gewann und die Rundfahrt danach für sich entschied. «Der Verein war der Stolz einer ganzen Region», erinnert sich Urs Steiner wehmütig. Er muss es wissen. Steiner war selbst lange Jahre Mitglied des RV Solothurn.

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