Fussball
Beim FC Biel steht dieses Jahr die Qualität über der Quantität

Gerade mal noch sechs, statt wie in der vergangenen Saison 17 Zuzüge hatte der FC Biel diesen Sommer zu vermelden – gezielte Verstärkungen standen im Vordergrund.

Peter Renatus
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Jonas Elmer stösst auf diese Saison vom FC Winterthur zum FC Biel.

Jonas Elmer stösst auf diese Saison vom FC Winterthur zum FC Biel.

KEYSTONE

Fehler darf man machen, man darf sie nur nicht wiederholen. Unter diesem Motto stand die aktuelle Transferperiode beim FC Biel. Nach zahlreichen Fehleinkäufen (Nlend, Ashraf, Bijelic, Osmani und Hossmann) und dem Verpassen sämtlicher Zielsetzungen in der vergangenen Saison hat der FC Biel die Lehren gezogen. Statt Quantität – 17 Zuzüge in der vergangenen, nur deren sechs in der diesjährigen Saison – wurde gezielt auf Qualität geachtet und versucht, Defizite aus der letzten Spielzeit zu beheben.

Routine für die Defensive

Für Geschäftsführer Daniel Hinz zählt dazu vor allem die Jugendlichkeit des Kaders und die damit verbundene Unerfahrenheit und Inkonstanz: «Mit den Zuzügen der beiden 26-jährigen Abwehrspieler Sheholli und Elmer hat die Hintermannschaft an Routine gewonnen.» Sheholli, der sogleich zum Captain ernannt wurde, sei zudem auch als Regisseur im Mittelfeld einsetzbar, wo mit Ukoh ein wichtiger Akteur nach langer Verletzungspause zurückkehrt.

In der Offensive dürften die Rückkehrer Luis Pimenta (28) und Matar Coly (29), der allerdings noch nicht wieder fit ist, den zu Sion gezogenen Karlen (9 Tore in 17 Partien) gut ersetzen. «Wir haben letzte Saison zu viele Punkte mangels Erfahrung und Reife verloren. Mit den zugezogenen Routiniers kommen Leaderfiguren ins Team, das dadurch auch wieder eine Hierarchie erhält. Ich denke, wir können um die Ränge 3 bis 6 mitspielen», zeigt sich Hinz optimistisch.

Fremdfinanzierung als Problem

Zwar konnte das Lohnbudget für die Spieler von letzter Saison um 109 000 auf 711 000 Franken (inklusive Prämien, ohne Sozialleistungen) erhöht werden, doch die Geldnot bleibt ein Thema. Von Monatslöhnen zwischen 2500 und 3500 Franken kann nur leben, wer noch bei den Eltern wohnt oder eine verdienende Freundin oder Ehefrau hat. Bei sechs bis acht Trainings – auch morgens – ist eine berufliche Betätigung oder ein Studium kaum mehr möglich, was mit ein Grund für den Abgang von routinierteren Akteuren in letzter Zeit war. Und die ausgehandelte Fremdfinanzierung für den einen oder anderen Akteur schafft auch Probleme.

Nicht nur erhöht dies den Druck der Investoren auf die Mannschaftsaufstellung. So wollte Sportchef Stefan Freiburghaus aus Kostengründen den fremdfinanzierten und dadurch billigeren argentinischen Testspieler Duarte statt des Eigengewächses Safari verpflichten. Trainer Bidu Zaugg, des Öfteren nicht gleicher Meinung wie sein Sportdirektor, und Geschäftsführer Daniel Hinz setzten sich dann aber für den ehemaligen Junior ein.

4-4-2 oder 4-5-1

Captain Labinot Sheholli geht davon aus, dass sein Team nicht mehr wie Ende letzter Saison mit nur drei Verteidigern agieren wird: «In den Testspielen operierten wir mit einer 4-4-2 oder 4-5-1-Formation, was vor allem gegen den FC Luzern trotz der 1:4-Niederlage sehr gut geklappt hat.» Für den FC Biel wird es wichtig sein, einen guten Saisonstart hinzulegen. Die Ausgangslage für die ersten vier Spiele gestaltet sich allerdings mit den drei Auswärtspartien gegen Servette, Schaffhausen und Winterthur und dem in dieser Phase einzigen Heimspiel gegen Chiasso sehr happig.

Umso mehr, als die verletzungsanfälligen Topskorer Morello und Coly sowie die Entdeckung der letzten Saison, Etchegoyen, noch ein bis zwei Monate ausfallen werden. Zu einer Neuentdeckung könnte der erst 18jährige Gentian Demolli werden, welcher in den Testspielen als Nummer 6 überzeugt hat.