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Bei Springreiter Pius Schwizer läuten die Hochzeitsglocken

Sportlich läuft es dieses Jahr bei Pius Schwizer, der seine Pferde noch in Oensingen stehen hat, 2012 noch nicht nach Wunsch. Dafür privat um so mehr. Letzte Woche hat der Springreiter geheiratet.

Daniel Weissenbrunner
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Pius Schwizer
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Strahlend zelebrieren Pius und Nicole Schwizer ihr Glück.
Das frisch vermählte Paar.
Trotz hartem Training...
...und erhöhten Bemühungen...
... läuft es ihm im Reitsport noch nicht wie gewünscht.

Pius Schwizer

Ruth Müller

Pius Schwizer ist verwöhnt, erfolgsverwöhnt. 2010 erklomm der Oensinger den Thron der Springreiter. Als erst dritter Schweizer, nach Willi Melliger und Markus Fuchs, stand er an der Spitze der Weltrangliste. Im vergangenen Jahr gewann er über ein Dutzend namhafte Prüfungen, er war am CSI Zürich und am CSIO St.Gallen der erfolgreichste Reiter.

Seine Holsteinerstute Carlina wurde zum zweiten Mal in Folge zum besten Schweizer Pferd gewählt. «Ja, ich wurde vom Erfolg verwöhnt», sagt Schwizer, nicht nachdenklich, aber doch mit einer Ernsthaftigkeit.

Noch nicht in Form

März 2012: Der 49-Jährige pilotiert seine Spitzenpferde nach wie vor auf hohem Niveau durch den Parcours. Nur, hoch allein reicht bei der internationalen Leistungsdichte bestenfalls zu Rang 5 bis 10. «Ein Abwurf zu viel und man ist raus aus der Entscheidung.» In letzter Zeit haben sich die dummen Fehler, wie Pius Schwizer selbst festgestellt hat, in einer beständigen Regelmässigkeit gehäuft.

Alles an sich nicht gravierend. Schwizer zählt nach wie vor zu den Top-Reitern. In der Weltrangliste liegt er an der fünften Stelle. Fürs Weltcupfinale Mitte April im holländischen ’s-Hertogenbosch hat er sich problemlos qualifiziert. In seinem Selbstverständnis ist das gut, und doch nicht gut genug. «Der letzte Zwick an der Geissel hat in letzter Zeit gefehlt.»

Keine Alarmglocken

Für Schwizer kein Grund die Alarmglocken läuten zu lassen. Ganz im Gegenteil: Bei ihm und seiner langjährigen Partner Nicole Scheller läuteten vergangene Woche die Hochzeitsglocken. Im dichten Turnierkalender fanden die beiden endlich eine Lücke, um sich in Cham im Beisein von Freunden und Familie das Jawort zu geben.

Viel Zeit, das junge Eheglück zu geniessen bleiben Herr und Frau Schwizer nicht. Die Prioritäten sind klar gesetzt. Der nächste Einsatz in Paris steht unmittelbar bevor. Für Nicole Schwizer kein Problem: «Wir haben uns so kennen gelernt. Die Pferde kamen bei Pius immer an erster Stelle.»

Von Buchwaldt als Berater geholt

Schwizer ordnet dem Erfolg nicht alles, aber vieles unter. Mit Carlina, Ulysse und Verdi verfügt er über drei Ausnahmepferde, die er auf längere Sicht an sich binden konnte. Getreu seinem Credo: Erfolg beruht auf langfristiger Planung, nicht auf kurzfristigem Denken. Dennoch: Dem gebürtigen Luzerner ist nicht entgangen, dass es gewisser Korrekturen bedarf, damit die Leistungskurve in den kommenden Monaten wieder nach oben dreht.

Schwizer hat gehandelt. Er hat sich die Dienste von Achaz von Buchwaldt gesichert. Der ehemalige deutsche Springreiter geniesst den Ruf als hervorragender Ausbildner. Der 67-Jährige steht Schwizer in einem Teilzeitpensum beratend zur Verfügung.

Kurz vor 50.Geburtstag

Der Beginn der Zusammenarbeit verlief vielversprechend: Beim Weltcupturnier in Göteborg ritt Pius Schwizer zu mehreren Top-Ergebnissen. «Die Erfolge kommen langsam zurück, alle Pferde sprangen sehr gut», freut sich Schwizer. Von Buchwaldts Mandat ist bis zum Saisonhöhepunkt, den Olympischen Spielen in London, befristet.

Bis dorthin will die Schweizer Nummer 1 so weit sein, um bei der Vergabe der Medaillen am 8. August mitreden zu können. «Das ist das Ziel», sagt er selbstbewusst. Das Timing wäre jedenfalls perfekt: Schwizer feiert fünf Tage später seinen 50.Geburtstag.