Anderthalb Runden vor Schluss des letzten Weltcuprennens im australischen Cairns lag Mathias Flückiger noch klar in Führung. Im Norden von Queensland wurde er vom vierfachen Weltmeister und zweimaligen Olympiasieger Julien Absalon gejagt. Mental definitiv eine ganz andere Herausforderung, so ein Ding ins Trockene zu pedalen, als wenn man vom Obmann der Kavallerie-Radfahrer-Veteranen Rüebliland-West verfolgt wird. «Wahrscheinlich bekam ich schon etwas Angst vor dem Gewinnen», gibt Flückiger zu. Physisch und technisch hätte es nämlich keinen Grund gegeben, den Franzosen aufschliessen zu lassen und ihm im Finale – «sîl vous plaît» – den Vortritt zu überlassen.

Unterbewusst indes hatte der Berner im Endkampf wohl fast darauf gewartet, vom Superstar eingeholt zu werden ‹Muss ja kommen, geht ja nicht anders, war ja immer so…› – quasi diesem eingebrannten mentalen Schema folgend. Also kam es so. Das ist wie bei den Frauen, die nur darauf waren vom nächsten Mann enttäuscht zu werden. Sie werden garantiert an einen geraten, von dem sie wieder enttäuscht werden.

Die Rolle des Jägers ist Mathias Flückiger vertraut. Der Gejagte zu sein aber, «daran muss ich mich gewöhnen», sagt der gelernte Baumaschinen-Mechaniker. Früher als Junior, hat er viele Rennen gewonnen. Bei den Profis indes sind eher Topplätze und weniger Siege die Regel. «Mental habe ich noch Potenzial. Ich arbeite daran, dieses ich in Zukunft auszuschöpfen», sagt Flückiger. Sieger sein oder zum Sieger werden hat nämlich nicht nur mit Material und Training zu tun. Ab einem gewissen Level spielt der Kopf allein die Hauptrolle. In dem Sinn war das Rennen im Rahmen der Bike Days in Solothurn für Mathias Flückiger eine weitere Gelegenheit, dazu zu lernen. Mit Weltmeister Nino Schurter und eben Julien Absalon waren beide Galeonsfiguren der Szene mit von der Bike-Party. Würde Mathias Flückiger dem Spitzenduo einheizen – das war die Frage, die sich vor dem Start stellte.

Die Antwort: «Nur bedingt.» Gegen Nino Schurter war kein Kraut gewachsen. Der 27-jährige Bündner, der zuletzt an der Tour de Romandie Ausdauer tankte, flog der Konkurrenz ab Rennhälfte davon und feierte unangefochten seinen vierten Sieg in Folge in Solothurn. Hinter dem Weltmeister machten Lukas Flückiger, Florian Vogel, Julien Absalon und Mathias Flückiger die Ehrenränge unter sich aus. «In den Aufstiegen lief es mir sehr gut», hielt der fünftplatzierte Mathias Flückiger fest. Er und Absalon waren da klar die Schnellsten. Ansonsten aber war der Mann vom VC Bützberg als einziger Stöckli-Fahrer im sehr taktischen und schnellen Finale auf sich gestellt.

Die zwei BMC-ler (Lukas Flückiger und Absalon) und zwei Scott-ler (Vogel, Schurter) konnten sich unterstützen. «Ich hatte keine Möglichkeit, mehr rauszuholen. Insofern bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat», zog Mathias Flückiger Bilanz. Seine gute Form konnte er auf der nicht sehr geliebten, flachen Strecke bestätigen und damit weitere Zuversicht tanken. Seine Jagd nach dem ersten Weltcup-Sieg fortsetzen wird er das nächste Mal Ende Monat in Nove Mesto (Tsch).