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Befreiungsschlag: Eine goldene Silbermedaille für Schneitter

Nathalie Schneitter war in Langendorf dem Schweizer-Meister-Titel bis zuletzt auf der Spur. Vor einem Jahr wäre das noch kaum vorstellbar gewesen.

Michael Schenk
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Ihr Fanclub treibt Nathalie Schneitter zum überraschenden Podestplatz.

Ihr Fanclub treibt Nathalie Schneitter zum überraschenden Podestplatz.

KEYSTONE

Was für ein Unterschied: An der Schweizer Meisterschaft vor Jahresfrist in Lostorf bei widerlich frostig und garstigem Wetter noch aussen vor, steht sie heute mitten-drin. Damals hatte Nathalie Schneitter null mit der Entscheidung um Gold, Silber und Bronze zu tun und wurde letztlich zurückhängende Sechste. Jolanda Neff, Kathrin Stirnemann und Esther Süss bevölkerten das Podest.

364 Tage später spielt die mental und organisatorisch neu ausgerichtete Lommiswilerin eine Hauptrolle und gewinnt Silber, knapp hinter Stirnemann und vor Neff. Süss hat keine Chance, mit dem Trio mitzuhalten. Dass Schneitter ihre einzige Widersacherin in der letzten Runde noch ziehen lassen musste, habe weniger damit zu tun, «dass ich schwächer war als sie, sondern sie eher etwas cleverer», erklärte die Solothurnerin. Während sie im Rennen dreimal angegriffen und Stirnemann immer «nur» darauf reagiert habe, habe Letztere zugewartet bis zum entscheidenden Moment in der letzten Abfahrt.

Der einen Glück ...

Die erste SM-Medaille seit vier Jahren fühlt sich für Nathalie Schneitter an «wie die Goldene von 2011». In jener Saison, in der sie später noch WM-Sechste wurde. Was dann bis gestern folgte, waren mehrheitlich Rückschläge und Verletzungen. «Letztes Jahr war ich nahe dran, das Velo an den Nagel zu hängen», so Schneitter.

Und jetzt war sie ganz nahe dran, an ihrem zweiten Meistertitel. «Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich heute um den Sieg mitfahren würde, hätte ich es nie geglaubt», räumt die 29-Jährige ein. Umso glücklicher und happy macht sie ihre persönliche Wiederauferstehung im Kreis der Weltklasse, die unter anderem auf einem Team-, Trainer- und Art persönlichem Wertanschauungswechsel basiert.

... der anderen Pech

Das Glück der neuen Meisterin und Zweitklassierten an den diesjährigen European Games in Baku, Kathrin Stirnemann, respektive von Nathalie Schneitter war das Pech der Weltcupführenden und Nummer 1 der Welt – Jolanda Neff. Die 22-jährige Ostschweizerin beklagte in der vierten Runde als Führende einen Defekt. Der Rückstand, den sie sich dabei einhandelte, war selbst für sie nicht mehr wettzumachen. Ein Fakt, der die Leistung der Erst- und Zweitplatzierten keineswegs schmälert. «Es tut mir leid für sie, sie war die Stärkste von uns», sagt Schneitter fair. Andererseits sei die Materialwahl in ihrem Sport eben auch wichtig.

Was den weiteren Saisonverlauf angeht, so kann Schneitter noch sehr viel Energie aus dieser Silbermedaille gewinnen. Wer an einer SM aufs Podest fährt, der hat auch die Power unterm Hintern, um an einer EM, WM oder Weltcuprennen für Aufsehen zu sorgen.

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